Die Geschichte der
Bremer Eiswette

von Arndt Frommann

Korrigierte Fassung vom 23. Juni 2017

Vorwort

Als Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg auf der Eiswette vom 16. Januar 2010 die sogenannte Deutschland-Rede gehalten hatte, gab ein Journalist diesem Ereignis den Titel: „Schwarzer Baron im roten Bremen.“ Angesichts der Tatsache, dass der Verteidigungsminister von den ausschließlich männlichen Teilnehmern stürmisch gefeiert worden war, hätte es eigentlich heißen müssen: „Schwarze Eiswette im roten Bremen.“ Meine Neugier war geweckt. Wer oder was bringt 750 bis 800 temperamentvolle Herren einmal im Jahr zu einer achtstündigen Feier im größten Festsaal Bremens zusammen, auf der es angeblich nur darum geht, die Frage zu beantworten, bzw. die dazugehörige Wette einzulösen, ob die Weser am 6. Januar erstarrt unter einer Eiskruste liegt (was seit siebzig Jahren nicht mehr vorgekommen ist). Was macht diese Herrenrunde so lebendig, dass sie auch nach fast zweihundert Jahren noch besteht? Erste lockere Nachfragen stießen unerwartet auf Hindernisse. Bald wurde mir klar, dass ich auf eigene Faust recherchieren musste. Ich ahnte nicht, dass mich meine Recherchen tief in die jüngste Geschichte der Bremer Kaufmannschaft führen würden. Mir blieb nichts Anderes übrig, als mich auf unbekanntes Terrain zu begeben und mich mit Geduld diesem Thema zu widmen. Es sind seitdem einige Jahre vergangen, in denen es mich, mal mehr, mal weniger beschäftigt hat. Ergebnis ist diese Website, auf der zunächst die ersten drei Kapitel bis 1939 erzählt werden und auf der im Laufe der nächsten Monate die Geschichte von der Entnazifizierung bis zur heutigen Warenmarke Eiswette in ihrer ganzen Breite folgen soll.

Dank

Meine Absicht, sie im Buchformat herauszubringen, scheiterte an den Kosten. Das Medium Internet, dem ich mich hier anvertraue, überstieg allerdings meine Kenntnisse. Ich war auf Hilfe angewiesen. Sehr zu danken habe ich daher Dr. Heiko Stutzke, Emil Hillebrand und Thomas Burblies für die Unterstützung, die sie mir bei der ersten Einrichtung und Gestaltung der Website und beim Formatieren des Textes gegeben haben. Inzwischen liegt ihre Gestaltung in professionellen Händen (siehe „Gestaltung“).

Im Mittelpunkt meiner Recherchen stand das Staatsarchiv Bremen. Deswegen gilt mein besonderer Dank diesem Institut und dessen MitarbeiterInnen, im besonderen Marion Apelt und Boris Löffler-Holte, sowie Ruth Hayen, Lars Fischer und Joachim Koetzle, die mir jederzeit hilfsbereit zur Seite standen.

Gestaltung:

GRAFIK-Designagentur Angela Hespen | Grünteweg 31 | 26127 Oldenburg. Hintergrundfoto:
Große Weserbrücke, Eisgang auf der Weser 1928. Kleines Foto: Eisgang auf
der Weser, Schiffsanleger Tiefer, rechts große Wesserbrücke, um 1940. Quelle: jeweils
Staatsarchiv Bremen. Portrait Wuppesahl um 1900. Quelle: Festschrift der Firma Wuppesahl
zum 125jährigen Bestehen 1983. Foto Schildsker Eiswette 2015. Quelle: Sarah
Jonek.

Abbildungsverzeichnis Kapitel 1 bis 3

Bild 1 Kegeln und Kartenspielen bei Schürmann in Horn. Aus der Festschrift
zur 75-Jahr-Feier.
Bild 2 Haus der „Union“ am Wall 205, Lithografie, um 1845. Focke-Museum,
Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Bild 3 Besuch des Königs Wilhelm von Preußen in Bremen: Einzug
durch die Ehrenpforte am 15. Juni. Nach einer Zeichnung von A. Fitger.
Illustrirte Zeitung, Leipzig, 3. Juli 1869.
Bild 4 Besuch des Königs Wilhelm von Preußen in Bremen: Die Soirée
in der Börse am 16. Juni 1869. Nach einer Zeichnung von A. Fitger.
Illustrirte Zeitung, Leipzig 3. Juli 1869. Im Mittelpunkt Wilhelm I. und
Bismarck.
Bild 5 Wie eine Kathedrale: der Hauptsaal der Neuen Börse. Nach einer
Zeichnung von H. Asmann.
Bild 6 Portrait des Architekten Heinrich Müller. Öl auf Leinwand. Um 1880
Focke-Museum Bremen, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.
Bild 7 Das Bremer Kriegerdenkmal von 1875 auf einer Postkarte um 1900.
Bild 8 Im italienischen Renaissance-Stil von Heinrich Müller erbaut: das Gebäude der Gesellschaft Museum Domshof Ecke Schüsselkorb um 1885.
Bild 9 Titelseite der Festschrift von 1904.
Bild 10 Aus der Festschrift zur 75-Jahr-Feier: Daten, Teilnehmerzahlen, Präsidenten, Orte und die Information darüber, ob die Weser „offen“
oder „zu“ war.
Bild 11 Ein Stimmungsbild von der 175-Jahr-Feier 2004. Foto: Frank Pusch.
Bild 12 Aus der Festschrift zur 75-Jahr-Feier: Das Spaß-Wappen von 1862 mit Heiligem Sylvester, Schnapsbuddel, Kohl und Pinkel.
Bild 13 Aus der Festschrift zur 75-Jahr-Feier.
Bild 14 Jahrbuch der Millionäre von 1912.
Bild 15 Johann Carl Wuppesahl, Nestor der Eiswette in der Kaiserzeit.
Bild 16 „Großherzogtum Mecklenburg-S Consulat Bremen“ – Wappenschild
an der Agentur von Hermann Vietsch – Schüsselkorb.
Bild 17 Der erste öffentliche Auftritt der Eiswette: die Eiswettprobe am 6. Januar 1929 an der Weser. In der Mitte Hans Wagenführ.
Bild 18 Im großen Festsaal der „Glocke.“ Aufnahme aus dem Jahr 1955.
Bild 19 Im Flur der Wagenführ’schen Wohnung.
Bild 20 Der originale Eingang zur „Wall-Bar“.
Bild 21 Der 1. Vorsitzende des Kaiserlichen Yacht-Clubs Kiel, Abteilung
Weser-Mitglieder.
Bild 22 Scherz-Postkarte zum 57. Geburtstag 1928.
Bild 23 ScherzPostkarte zum 60. Geburtstag 1931.
Bild 24 Einladung zum 61. Geburtstag 1932 im Ratskeller.
Bild 25 Auf in den Ratskeller! Undatiert.
Bild 26 Geschenk des „Wagenführ-U-Boot-Tischs“ für den U-Boot-Kommandanten im Ersten Weltkrieg, den späteren Kapitän zur See Walther Strasser zu seinem Geburtstag am 23.12.1953 mit den eingravierten Unterschriften der Stammtisch-Mitglieder. Foto: Joachim Koetzle.
Bild 27 Angriffslustig: In der Uniform eines Portepeeunteroffiziers (Feldwebel) aus dem 1. Weltkrieg.
Bild 28 Die Blumenthalstraße im November 2016 – im Hintergrund das Hermann-Böse Gymnasium.
Bild 29 Das Emblem der Schule.
Bild 30 Blumenthalstraße 10 im November 2016 – Die alte Wuppesahl-Villa.
Bild 31 November 2016: Blick von der Blumenthalstraße auf den (zwischen-
zeitlich) verhüllten Kolonial-Elefanten.
Bild 32 Bericht in den Bremer Nachrichten über die vorzeitige Denkmals- Enthüllung vom 15. 11. 1931.
Bild 33 Der Zahn der Zeit hat dem Deutschen Kolonial-Denkmal – inzwischen zum Antikolonialdenkmal mutiert – schwer zugesetzt.
Bild 34 Frühlingsstraße in der Bahnhofsvorstadt im November 2016.
Bild 35 Heinrich Bömers, der „königliche Kaufmann“, in den zwanziger Jahren.
Bild 36 Die Begräbnisfeier im Bremer Dom am 6. April 1932.
Bild 37 Kopfzeile der nationalsozialistischen Bremer Zeitung.
Bild 38 Schulungsheft. Blätter für Heimabendgestaltung der Jungmädel, Berlin November 1938
Bild 39 Seite 1 des Schulungsheftes mit Himmler-Zitat
Bild 40 Defilee der anderen Art: Zug von 160 jüdischen Bremer Männern nach Oslebshausen am 10. November 1938; hier in der Waller Heerstraße.

Bildnachweis

Bild 1, 5, 7, 8, 9, 10, 12, 13, 16, 19-25, 27, 35, 37, 40 Staatsarchiv Bremen.
Bild 2, 6 Focke-Museum Bremen, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.                                                                                                     Bild 3, 4 Bayrische Staatsbibliothek München.
Bild 11 Frank Pusch.
Bild 14 Archiv der Handelskammer Bremen.                                                   Bild 15 siehe Titelbild.
Bild 17, 18, 32, 35, 36 Bremer Nachrichten.                                                          Bild 26 Foto: Joachim Koetzle.                                                                               Bild 28, 29 31, 33, 34 der Verfasser.
Bild 38, 39  Foto: der Verfasser.

Anmerkung zu den Quellen

Seit der ersten Wettfeier von 1829 hat die Eiswette durchgehend den Verlauf ihrer Veranstaltungen in ein Protokollbuch eingetragen, das sogar einen Bombenangriff auf die Firma Wuppesahl in einem Panzerschrank überlebt hat.460 Es ist im Privatarchiv der Eiswette aufbewahrt, das der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Auf seiner Grundlage hat der langjährige Präsident der Eiswette, Hermann Vietsch, zur 75-Jahr-Feiern 1904 eine kleine Festschrift veröffentlicht, die eine Vorstellung davon vermittelt, wie es auf den Feiern damals zugegangen ist.461 Darauf aufbauend hat der ehemalige Präsident Karl Löbe zur 150-Jahr-Feier die Geschichte weitererzählt.462 Außerdem liegen noch Festschriften zum 100. (1929) und zum 125. (1954) Jubiläum vor.463 Naturgemäß kommt der zeitgeschichtliche Kontext in diesen internen Darstellungen zu kurz. Eine Darstellung der nationalsozialistischen Zeit fehlt ganz. Seit 1929 gibt es eine ausführliche lokale Presseberichterstattung, die ein klares Bild von der Entwicklung der Eiswette bis heute zeichnet. Quellen-Material findet sich auch im Bremer Staatsarchiv und in der Senatsregistratur, einiges im Focke-Museum. Radio Bremen hat mehrere Reden auf der Eiswette, vor allem aus den fünfziger Jahren archiviert. Gespräche und Briefwechsel mit Beteiligten, bzw. mit politischen Zeitzeugen halfen, die eine und andere Frage zu klären.

460 Vgl. Georg Borttscheller, Bremen, Mein Kompass. Schön war’s. Bremen 1973, S. 168.
461 Hermann Vietsch: Zur Feier des 75jährigen Jubiläums der im Jahre 1829 gegründeten Eiswette nach den geführten Protokollen aufgestellt. Bremen am 25. Januar 1904. Broschüre. 18 Seiten.
462 Vgl. Karl Löbe, 150 Jahre Eiswette von 1829 in Bremen. Bremen 1979. Zweite veränderte postume Auflage 1998.
463 Das Buch zur 175-Jahr-Feier, herausgegeben von der Bremer Landesbank, ist im Wesentlichen ein Fotoband. Vgl. Rüdiger Hoffmann, Frank Pusch, 175 Jahre Eiswette von 1829 in Bremen. Bremen 2004.

Einleitung

Die Geschichte der Eiswette ist Teil der Geschichte des Bremer Kaufmanns, der als „hanseatischer“ Kaufmann bis 1914 die beherrschende Figur der Stadt war und sich eins wusste mit ihren Interessen. Um diese Epoche geht es im ersten Kapitel. Der Erste Weltkrieg erschütterte seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung nachhaltig. Die stillschweigend angenommene Identität von kaufmännischen Interessen und Stadtinteressen ging verloren und zwang ihn, sich politisch zu positionieren. Für die Eiswette bedeutete dies, dass sie nach hundert Jahren aus ihrer Privatheit heraustrat auf die politische Bühne. Darum geht es in den Kapiteln zwei und drei.

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