„Das Beste im Norden sind unsere Eiswetten“

Vielfalt ist Trumpf

Wie ein Netz haben sich zahllose Eiswetten über die norddeutsche Provinz gelegt: Von Ostfriesland bis ins Wendland, vom Elbe-Weser-Dreieck bis in den Teutoburger Wald.[1] Sie finden alle irgendwann im Januar statt, so wie es der lokale Terminkalender ergibt. Die älteste ist 48, die jüngste sechs Jahre alt. Sie haben verschiedene Väter, aber alle die gleiche Mutter: die Eiswette von 1829 in Bremen. Eine Idee hat gezündet und die Herzen gestandener Frauen und Männer im kalten Norden der Republik erwärmt. „Das Beste im Norden sind unsere Eiswetten“ ist die Überzeugung von Thomas Lohmann, dem „Wettpaten“ der Hohnstorfer Eiswette. Mitglieder von Gemeindevorständen, Vorsitzende von Schützenvereinen und Kanuverbänden, Geschäftsführer von Tourismus-Zentralen, SPD-Ortsvorsitzende, Caféhaus-Betreiber oder einzelne Organisationsgenies stellen Eiswetten in jeder Form auf die Beine – mit großem Spaß, wie die Gesichter auf den zahlreichen Selbstdarstellungen beweisen. Das Internet macht es möglich, dass die ganze Welt davon Kenntnis nimmt. Es ist erstaunlich, was alles zufrieren kann: Flüsse, Kanäle und Bäche, Stadt- und Burggräben, Seen, Enten- und Feuerteiche, ja sogar ein Freibad. Das Risiko der Eisbegehung ruft Rettungskräfte auf den Plan, deren Zweck es ist, Menschen aus fließenden Gewässern vor dem Ertrinken zu retten. Die DLRG gestaltet daher manche Eiswette aktiv mit und wirbt bei dieser Gelegenheit um ehrenamtliche Mitarbeiter.

Dreiundzwanzig Eiswetten haben wir auf den Internetseiten gezählt, die sich entweder selbst darstellen oder Gegenstand von Presseberichten sind, und es bestehen begründete Zweifel, dass die Zahl vollständig ist. Dabei sind die „unechten“ nicht mitgezählt, also solche, die den Namen zu gewerblichen Zwecken nutzen[2] und jene, die nur eine Spendenbereitschaft für zeitlich begrenzte Projekte schaffen wollen.[3] Das sind ohne Frage Wetten, die den Rahmen verlassen, den die Bremer Eiswette hat, aber auch sie legen Zeugnis davon ab, wie populär die Idee ist und wie sie die Phantasie beflügelt. Deshalb sei noch eine „randständige“ Veranstaltung genannt, die in ihrer radikalen Modernität die Zeitreise verdeutlicht, die jene Bremer Eiswette von 1829 gemacht hat. In einem „Mittelalter-Portal“ mit dem Namen „Domus Draconis“ (Haus des Drachens) verabredet man sich per Internet, um in mittelalterlichen Kostümen ein Fest zu veranstalten, das sich Eiswette nennt. Die zunächst virtuelle Verabredung führte die Teilnehmer im Januar 2015 leibhaftig in Hagen im Bremischen zusammen (nicht zu verwechseln mit der originalen Eiswette von Hagen), wo sie auf einem Gang zur Burg Hagen prüften, „ob die Aue geiht oder steiht“.     

[1] Eine Eiswette hat sich sogar nach Österreich verirrt, an den Turracher See, im Grenzgebiet zwischen Kärnten und der Steiermark.
[2] Ein Baumarkt in Bielefeld, zum Beispiel, forderte öffentlich zu einer „Eiswette“ auf, die darin bestand einzuschätzen, wann der riesige Eisklotz in einem von Baustoffen ummantelten Holzhäuschen schmilzt. Sogar der Privatfernsehsender RTL ritt auf der Eiswett-Welle, als er sich in das Altstadtfest von Gifhorn mit einer „Eiswette“ einschaltete, wo es
ebenfalls um das Abschmelzen eines Eisblocks ging.
[3] Eine solche „ad hoc-Wette“ ist zum Beispiel die eines Fördervereins zum Erhalt eines Freibads, bei der es zu einem Gaudi-Wettkampf zwischen dem Bürgermeister und einem anderen Ortsprominenten kommt, die das eisfreie Schwimmerbecken mittels zweier selbstgebauter Flöße zu überqueren versuchen. („Obernkirchener Eiswette“). Wenn der „Förderverein des Altstadtbades Krähenteich“ in Lübeck bei der 3. Eiswettprobe 2015 die angeseilte „Eiskönigin“ 50 Meter über den Teich gehen lässt, ist ihm darum zu tun, mit den fünf Euro Startgeld einen finanziellen Beitrag zum Erhalt des historischen Bades zu leisten.

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In der Regel sind die provinziellen Eiswetten in der Spur ihres Bremer Vorbildes. Ihr widmen sich Kleinstädte, Gemeinden und Flecken. Von vielen hat man noch nie etwas gehört. Sie tragen Namen wie Bodenburg, Brome, Clüversborstel, Damme, Daverden, Ebstorf, Elm, Hage, Hagen im Bremischen, Hohnstorf, Jöllenbeck, Marmstorf[1], Obenstrohe, Ovelgönne, Schildesche oder Tweelbäke, sind überschaubar in der Ausdehnung ihres Raumes und in der Zahl ihrer Bewohner, mit Vereinen, liebgewonnenen Riten und Selbsthilfewerken. Mit einem Wort „tiefste“ Provinz im positiven Sinn des Wortes.  Der Teilnehmerkreis kann überschaubar sein; es gibt aber auch Eiswetten mit Hunderten von Zuschauern. Die Vorsitzende des SPD- Orstvereins von List-Nord, der „Die Eiswette am Kanal“ mit organisiert, stellt ihren hannoverischen Stadtteil im Internet so vor: Er lebt „von der Vielfalt der Menschen und Strukturen… mit vielen Sportvereinen und Kleingärten, Grünflächen am Mittellandkanal und nahe an der Eilenriede gelegen. Alte Wohnviertel … haben ihren besonderen Charme. … Junge Familien mit kleinen Kindern beleben den Stadtteil.“[2]  Das sind die Gegenden, in denen die Eiswette-Idee auf fruchtbaren Boden fällt. In der Regel sind es Benefizveranstaltungen wie „Die Eiswette am (Mittelland-)Kanal“, die um Wetteinsätze wirbt für „besonders förderungswürdige Projekte der Kinder- und Jugendarbeit in Nordosten Hannovers“. Die Wette gilt einer tragfähigen Eisschicht im Uferbereich. Die Initiativen können sich bei der Eiswette selbst darum bewerben, am Erlös teilzuhaben. Die Verteilung der Gelder erfolgt durch eine Jury. 2015 zum Beispiel erbrachte die Eiswette 2.120 Euro. Davon gingen 1000 Euro an eine „Willkommensinitiative des Flüchtlingswohnheims im Oststadtkrankenhaus für die Arbeit mit Jugendlichen“, 720 Euro an das „Na-Du-Kinderhaus“ für gute Arbeit „mit Kindern unterschiedlicher Nationalität“ und 400 Euro an die Jugendabteilung der Kanu-Gemeinschaft. Es werden Preise gespendet für die Wetter, die 5 Euro einsetzen. Bei einem Fest mit Livemusik auf dem Gelände des Kanuvereins werden die Preisträger ausgelost und von der Bezirksbürgermeisterin verkündet. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.  

[1] Die Marmstorfer nennen ihre Eiswette „Teichwette“. Sie berufen sich ausdrücklich auf ihr Bremer Vorbild. Sie ist inzwischen in ihrem 16. Jahr.
[2] Internet-Seite des SPD-Ortsverein List-Nord. Text von Peggy Keller. 28.5.2015.

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Die Älteste: Hagen im Bremischen (1972)      

An der Aue. Die Eiswette 2020 in Hagen im Bremischen. Im Rettungsboot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) von links: die „Frauenbeauftragte“, der Schneider mit dem heißen Bügeleisen und der Notarius Publicus. Foto: Ursula Heß
Start nach dem Sektempfang im Rathaus. Foto: Ursula Heß

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Bei Drehorgelmusik unterwegs zum „Eiswettplatz“. Foto: Ursula Heß

Am 6. Januar 1975 erhielt die Bremer Eiswette am Punkendeich unverhofften Besuch: „Drei Herren und zwei Damen aus Hagen im Bremischen / Landkreis Cuxhaven suchten nach Anregungen für ihre eigene, nun schon dritte Eiswette, bei der es darum geht, ob das Flüsschen Aue am dritten Sonntag im Januar zugefroren ist, was in 49 Jahren immerhin schon zehn Mal vorgekommen ist. Auch ein Schneider war dabei, wenn auch noch mit neun Pfund Übergewicht. „Aber die krieg‘ ich noch runter“, versprach er. „Unser Bügeleisen ist besonders schick“, hieß es. [1] Kein Wunder, haben die Großeltern des derzeitigen Eiswettschneiders Christian Schwertfeger es doch einst bei einem Spaziergang zufällig in der Aue entdeckt. Der Großmutter, einer gebürtigen Bremerin, kam die Idee, ob nicht hier nicht schon einmal eine Eiswette ausgetragen worden sein könnte. Das war die Geburtsstunde der ersten Eiswette außerhalb Bremens.[2] Den Namen verdankt der Ort übrigens seiner jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Bistum Bremen.

Die Eiswette in Hagen im Bremischen beginnt traditionell mit einem Sekt-Empfang im Rathaus. [3] Am 19. Januar 2020 empfing Bürgermeister Andreas Wittenberg Ratsmitglieder, Vereinsvertreter, die Abordnung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Hagen und der Unternehmergemeinschaft (UHiB) sowie den Landtagsabgeordneten Oliver Lottke (SPD). Die Eiswett-Präsidentin Giesela Schwertfeger dankte allen freiwilligen Helfern. Bei sonnigem Wetter und angenehmen acht Grad, musikalisch begleitet von den Klängen einer Drehorgel, begab sich danach die Eiswette-Gesellschaft zum Festplatz an der Kreissporthalle, dem „Eiswett-Platz“, wo die „Eisprüfung“ an der Hagener Aue vor 250 Schaulustigen nach strengen Regeln durchgeführt wird.Zuerst muss der Schneider seine 99 Pfund auf einer Sackwaage nachweisen, dann macht die Ortsgruppe der DLRG ihr Boot klar, um den Schneider mit Bügeleisen, den Notarius Publicus mit weißer Allongeperrücke und die „Damenreferentin“ aufzunehmen.

[1] Reportage im Weser-Kurier vom 7.01.1975.
[2] Im Gespräch des Fernsehmagazins buten und binnen vom 19.01.2020 auf Radio Bremen.
[3] Der folgende Bericht stützt sich auf Reportagen von Urslula Heß in: Nordsee-Zeitung vom 20.01.2020, von Andreas Palme in: Osterholzer Kreisblatt online-Ausgabe vom 20.01 2020, von buten und binnen vom 19.01.2020 und aus der Weser-Kurier online-Ausgabe vom 16.01.2012.

Der Schneider wird gewogen. Links die „Frauenbeauftragte“; rechts der Notarius Publicus. Foto: Ursula Heß

Nachdem der Schneider das zischende Bügeleisen mehrere Male durch die Aue gezogen hat, stellt er fest: „De Aue geiht“ oder „De Aue steiht“, was in den 48 Jahren immerhin schon zehn Mal vorgekommen ist; das letzte Mal 2019. Traditionell wetten die Männer gegen die Frauen. Diesmal hatten die Männer gewonnen. Für 2020 hatten sich 78 Eiswettfans in die Listen eingetragen, von denen 45 richtig lagen. Damit konnten sie bei der Verlosung einen von 300 Preisen gewinnen. Nach der Verkündung des Wettergebnisses durch den „Notarius publicus“ beginnt das Programm auf dem Festplatz, wo die DLRG die Besucher mit Glühwein, Bratwurst und Waffeln versorgt und wo aus den Wettlisten die Gewinner gezogen werden. Für die musikalische Begleitung sorgte diesmal DJ Sven. Damen waren vom ersten Tag bei der Hagener Eiswette dabei, ebenso Kinder. Es ist sozusagen eine Familieneiswette. Nach dem Verkauf der Tombola-Lose geben die Teilnehmer gleich wieder ihre Wette für das nächste Jahr ab.

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Empfang im Rathaus: Eiswettschneider Christian Schwertfeger, Eiswett-Präsidentin Giesela Schwertfeger, Bürgermeister Andreas Wittenberg und Notarius Publicus Achim Thaler heißen die Gäste im Rathaussaal herzlich willkommen. Foto: Ursula Heß

Den Abschluss bildet ein Grünkohlessen in der Bauernschänke Bramstedt, zu dem wegen der regen Nachfrage rechtzeitige telefonische Anmeldung erforderlich ist. Außer dem Bürgermeister spricht dort auch mal die Frauenreferentin und der Präsident oder die Präsidentin „danken mit warmen Worten den Hagener Unternehmern für die Unterstützung der Veranstaltung. Eiswett-Präsidentin Gisela Schwertfeger freut sich heute schon auf das 50jährige Jubiläum im Jahr 2021: „Das wollen wir richtig feiern.“[1]
2020 war ein ganz besonderes Fest, denn zum ersten Mal berichtete buten und binnen über die Hagener Eiswette. Es war die erste Reportage von Radio Bremen über eine außerbremische Eiswette. „Da das Fernsehen nicht zur Bremer Eiswette eingeladen worden war, entschied sich die Redaktion zum Bericht über die Veranstaltung in der „Nachbarschaft“, „bei der schon immer Frauen und Männer gleichberechtigt mitwirken,“ schrieb Andreas Palme in seiner Reportage im Osterholzer Kreisblatt.[2]

buten und binnen-Reportage über die Eiswette in Hagen im Bremischen am 19.1.2020

Reportage auf buten und binnen von Johanne Bischoff , in der Eiswett-Präsidentin Giesela Schwertfeger und Schneider Christian Schwertfeger zu Wort kommen. (Zum Anschauen auf den Pfeil in der Bildmitte klicken.)

[1] Nordsee-Zeitung, a.a.O.
[2] Osterholzer Kreisblatt a.a.O.

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Wiedervereinigung an der Elbe: Neu Darchau – Darchau (1996)

Eiswette Neu Darchau – Darchau 2019: Der „Eisrat“. Foto: Tilo Röpcke

Sie nennt sich selbst die zweitgrößte Eiswette Norddeutschlands. Acht feierlich in schwarze Mäntel gehüllte „Eisräte“ stehen mit ihren Zylindern, langen weißen Schals und weißen Handschuhen am Südufer der Elbe bei Neu Darchau, als um elf Uhr der riesige Wecker in der Hand von „Eisrat“ Henning Bodendieck. klingelt.

Der Wecker klingelt. Es kann losgehen. Foto: Tilo Röpcke

In diesem Augenblick setzt sich die Fähre auf der nördlichen Seite des Flusses in Bewegung. An Bord ein „Gutachter“. Als sich das Schiff dem Fähranleger nähert, ruft es aus der Mitte der versammelten Eisräte: „Was mookt de Elv?“

[1] In Klammern jeweils das Entstehungsjahr.

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Der Gutachter steckt das Kontrollinstrument, einen Stockschirm, in den Fluß und ruft zurück: „Leve Lüü, wie kommt von drüben un dat mit Schipp un nich to Foot. Darum is klor un een jeder weit, de Elv de geiht“.

Die Eisprobe. Foto: Tilo Röpcke

Nach einem kurzen Halt gehen die Eisräte mit an Bord und mit ihnen etwa 100 Wettgenossen. So geht es wieder hinüber auf die Nordseite, zum alten Dorf Darchau.

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Auf geht’s zum „alten“ Darchau auf der anderen Seite der Elbe.
Foto: Tilo Röpcke

Dort findet um Punkt 12 Uhr das Eiswettessen mit warmem Kartoffelsalat statt.

Der Festschmaus. Foto: Tilo Röpcke

Das kleine Spektakel ist ein symbolischer Akt für die Verbindung der beiden ehemals durch die innerdeutsche Grenze getrennten Ortsteile:
„Vor 23 Jahren haben wir zu Zeiten des politischen Tauwetters in Europa und in der ganzen Welt mit dieser Eiswette angefangen, damit wir uns links und rechts der Elbe besser kennenlernen und zusammenwachsen können“, erzählt Jörg Neben, einer der ganz Aktiven aus dem „Eisrat“. Am 25. Januar 2020 wird ein Novize“ als neues Mitglied des dann neunköpfigen Eisrats vorgestellt werden, dessen Name für Kontinuität steht: Es ist Peer Habenicht, der Sohn von Gerd Habenicht, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Neu Darchau. Gerd Habenicht hat sich bei der Grenzöffnung besondere Verdienste erworben, als es um die Einrichtung der ersten Fähre ging, sowie um das Zusammenwachsen der ehemals getrennten Elbregion.  “Schon allein die Tatsache, dass wir in diesem Jahr erneut einen Teilnehmerrekord vermelden können, ist ein deutliches Indiz für den Erfolg unserer Mission“, zeigt sich Jörg Neben zufrieden über die hervorragende Resonanz zur 23. Eiswette 2019.“[1] Jedes Jahr fallen Überschüsse aus den Wetteinsätzen à 10.- Euro an, die zur Förderung von Jugendgruppen an beiden Elbufern verwandt werden „Der Überschuss aus der 22. Eiswette 2018 in Höhe von 1100 Euro wurde erst jüngst ausgeschüttet. Zu den Begünstigten gehörten unter anderem die Kinderchöre in Stapel und Neuhaus und der Kindergarten in Neu Darchau, aber auch die Freiwilligen Feuerwehren in Haar und Schutschur.“[2] Dieses Jahr nahmen 382 Darchauer an der Wette teil. „Unsere Eiswette ist schon von jeher eine Benefizveranstaltung. Deshalb ist es umso schöner, dass so viele daran teilnehmen wollen und es von Jahr zu Jahr mehr werden. Mittlerweile kommen unsere Anhänger nicht nur aus Darchau und Neu Darchau, sondern auch aus Neuhaus, Stapel, Dahlenburg, Walmsburg, Pommoissel oder Hitzacker“, freut sich Jörg Neben.“[3] Die Veranstalter, zu denen sich ein Bürgermeister mit Amtskette und in Amtskleidern gesellt, haben an alles gedacht: Im jährlichen Wechsel findet die Feier am Nordufer im „Café zur Elbe“ und am Südüfer im „Göpelhaus“ statt. Der Trinkspruch ist „De Elv geiht“. Dass er im Laufe des Tages sehr oft zu hören ist, „dazu tragen auch die rockigen Klänge der Band „Just for Fun“ sowie die mitreißenden Tanzdarbietungen des Karnevalvereins Neuhaus bei.“
Kein Wunder, dass die „Eiswette in Neu Darchau und Darchau“ angesichts ihrer „unbeschreiblichen Erfolgsgeschichte“ mittlerweile „Kultstatus“ genießt.[4]

[1] Zitiert aus einem Artikel von Tilo Röpcke in der Schweriner Volkszeitung svz vom 28.01.2019 mit dem Titel „Eisrat stellt fest: „De Elv geiht“ Quelle: www.svz.de/22412787.
[2] A.a.O.
[3] A.a.O.
[4] Internet Stichwort Neu Darchau: Eiswette. 14.04.2015. Jörg Neben erzählt die Geschichte, wie ein Eishockey-Spiel der Dorfbewohner den Anstoß zur Eiswette gegeben hat: „Am 28. Dezember 1995 fand auf einer Elbkuhle ein Eishockeyspiel mit vielen Teilnehmern aus dem Dorf statt. Gegen Abend fror die Elbe zu was beim späteren Einkehren in die Dorfgaststätte der Eishockeyteilnehmer dazu führte, dass letztlich die Eiswette in ihrer jetzigen Form gegründet wurde.“ E-Mail an den Verfasser vom 9. Dezember 2019.

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Trennendes überwinden: Schildesche/Jöllenbeck (1998)

Eiswette Schildesche / Jöllenbeck 2015. Eigentlich ein Jalousiengurt. Am Sonnabend, dem 31. Januar. wird er zum Band über den Obersee. Astrid Brausch, Heinz Flottmann, Mike Bartels und Detlef Knabe (von links) vor der Seekulisse. Foto: Sarah Jonek.

Auch diese Eiswette hat das Ziel, Trennendes zu überwinden. Die beiden Stadtbezirke von Bielefeld, an den gegenüberliegenden Ufern des Obersees gelegen, verbinden sich seit 1998 einmal im Jahr mit einem 120 Meter langen Schmuckband, das über den See gespannt wird. Jede Seite bereitet ein 60 Meter langes Stück vor. Am Tag der Eiswette treffen sich die beiden Bürgermeister in der Mitte des Sees, um sie zusammenzuknüpfen, bei Eis zu Fuß, sonst mit dem Boot. Es ist ein symbolischer Akt, der das Ziel hat, die praktische Zusammenarbeit der beiden Bezirke zu vertiefen. Nach der Eisprobe beginnt die eigentliche Veranstaltung mit Tanz und „mit Livemusik von der Band „The Fulltones“, mit Leuchtbechern und Flammlachsen.“[1]

Die Typische: Osnabrücker Eiswette am Rubbenruchsee (2013) 

Die Wette: Der See hält, wenn die leichteste Frau des Hauses am Rubbenbruchsee vom Eis getragen wird. Jede und jeder kann teilnehmen. Der Wett-/Spendeneinsatz beträgt 10.- Euro. Er muss bis zum 1.02.2020 im Café-Restaurant am Rubbenbruchsee abgegeben werden. Stichtag ist der 9. Februar 2020. Wettüberprüfung: 15 Uhr. Der gesamte Wetteinsatz wird an die AWO Kita-Halen und an die Grundschule Wersen verteilt. Das Café spendet für jede gewonnene Wette einen Liter Glühwein. „Nach der Eisprobe wird dann im Winterambiente bei Livemusik von Chris Reihers der Glüchwein ausgeschenkt, und es kann über den Wettausgang diskutiert oder eine Strategie zum Gewinn der nächsten Eiswette erarbeitet werden.“[2]

[1] Neue Westfälische online vom 8.1.2015
[2] Aus: www.osnabruecker-eiswette.de am 8.12.2019.

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Die Jüngste: Bad Essen (2015)

2019 fand die fünfte Bad Essener Eiswette statt. Bei Glühwein, Bratwurst und ein bisschen Musik starten 200-300 Bad Essener an einem Sonntagmittag ins neue Jahr Es wird darum gewettet, ob das Marina-Becken zugefroren ist oder nicht. Der Losverkauf beginnt traditionell am ersten Adventswochenende auf dem Bad Essener Weihnachtsmarkt. Organisiert wird die Eiswette vom Stammtisch des Wirtschafts-Beirats. Lose werden auf den lokalen Weihnachtsmärkten und in der Tourist-Info für 5€ das Stück verkauft. Je nach Meinung erhält man ein blaues Los (zugefroren) oder ein grünes Los (nicht zugefroren). 2019 trafen sich die Teilnehmer am 13 Januar am Marina-Becken am Mittellandkanal. Die gekauften Los-Abschnitte müssen um 12.00 Uhr zur eigentlichen Auflösung der Wette mitgebracht werden. Hafenmeisterin Ute Höfelmeyer geht dann unter den wachsamen Augen des Notarius publicus über das (zugefrorene) Wasser von einer Seite des Beckens zur anderen. Oder eben nicht. Der Notarius publicus stellt fest, ob das Wasser steiht oder geiht. Wenn es zugefroren ist, werden die Gewinner aus dem Topf mit den blauen Losabschnitten gezogen – ansonsten aus dem grünen. Als Gewinne sind dabei Bad Essen-Gutscheine des Gewerbevereins ausgelobt: Der Hauptpreis besteht aus 12 Gutscheinen à 12 €. Als zweiter Preis sind 6 Gutscheine à 12 € zu gewinnen und der Drittplatzierte erhält 3 Gutscheine à 12 €. Für die Plätze 4 bis 10 ist ebenfalls noch ein Gutschein im Einkaufswert von 12 € im Topf. „Es sollen natürlich mehr als 10 Wetten abgeschlossen werden.“, so Jens Strebe, „Denn schließlich gehen die Mehreinnahmen ungekürzt an die Bürgerstiftung Bad Essen!“. So tut also jeder mit seinem Wetteinsatz ein gutes Werk für die Gemeinde Bad Essen. Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, hatte der Wirtschafts-Beirat am 13.01.2019 ab 12.00 Uhr für ein kleines Rahmenprogramm gesorgt: Es gab „Winter-Essen“, „Winter-Getränke“ und auch die passende Musik zur Eiswette. [1]

[1] Aus organisatorischen Gründen fiel die Eiswette 2020 aus; 2021 wird sie, wie gewohnt, stattfinden, wie die Veranstalter versichern.


Die Eiswetter von Bad Essen 2019. Foto: Eiswette Bad Essen

Die Lustigste: Daverden (2004)

Am lustigsten dürfte die Eiswette im Flecken Daverden sein, die vom „1. Daverdener-Eiswett-Verein von 2004 n. e. V.“, also einem scherzhaft „nicht eingetragenen Verein“ veranstaltet wird. Dahinter verbergen sich die Mitglieder des Daverdener Schützenvereins von 1880. In ihrem Logo finden wir nicht nur die gekreuzten niederdeutschen Pferdeköpfe, sondern auch die Abbildung des Schneiders, den der Bildhauer Bernd Allenstein 1999 im Auftrag der Novizen angefertigt hatte. Geprüft wird öffentlich, ob der Hohbach oder die Alte Aller geiht oder steiht. Vor zahlreichen Zuschauern findet sich eine illustre Gesellschaft an der Weißen Brücke ein: die männlichen Mitglieder sind erkennbar an ihren langen weißen Schals, am Button und am Zylinder, die Damen an ihren winzigen Hütchen. Wenn sich der „Ordinarius“ und die „Schneidersche“ mit einem warmen Bügeleisen zu ihnen gesellen, empfängt man sie mit dem „Eiswettlied“ a capella, da die Instrumente der Daverdener Blaskapelle eingefroren sind und ihre Mitglieder die Aufgabe als „Eiswettsymphoniker“ leider nicht erfüllen können: „Wir steh’n an der Alten Aller, und wir fragen dich ganz schlicht: Meinst Du, dass der Fluss ganz dicht ist? Wir Eiswetter sind es nicht. Hollahi, hollahooo.“ Darauf werden zwei „Eiswett-Praktikanten“ in einer Zeremonie als „Eiswetter“ aufgenommen. „Ihr habt ein Jahr lang Bräuche, Gepflogenheiten, Sitten und Unsitten des Vereins kennen gelernt. Seid ihr für den neuen Lebensabschnitt bereit?“ fragt sie der „Plünnenwart“. Die beiden Praktikanten legen die Hand auf das Bügeleisen und sprechen den Eid nach: „Up’t Plättiesen legg ik miene Hand, un bün ik ooch nich bi Verstand, dücht mi, de Praktikanten-Tied is nu vörbi, nu is’t sowiet! Vun nu af, so swöör ik op denn Plätter, bün ik een Döber-Profi-Wetter. Mook jedeen Schiet mit usen Vereen, und wenn mol nich, schall’t ook so ween.“ Die beiden erhalten nun die Insignien ihres neuen Standes: Zylinder, Schal und Button. Mit einem Handschlag des Plünnenwarts sind sie endgültig „Wetter“ geworden. Die Schneidersche prüft mit einem Schneeball, ob die Alte Aller zugefroren ist und stellt fest: „Dicht is se nich, das sieht man doch.“ Nach gemeinsamem Absingen des Niedersachsenlieds geht es zum Vereinsheim, wo Knipp und das Einlösen der Wettschuld auf die Teilnehmer warten. Erst dort wird geklärt, wer das Ganze zu bezahlen hat, da die Lose erst hier verteilt und geöffnet werden.[1]

[1] Vgl. Kreiszeitung, online-Ausgaben vom 1.02.2011 und vom 4.02.2014. Vgl. auch die Webseite des Schützenvereins Daverden von 1880.

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Die Originellste: Hohnstorf an der Elbe (1993)

Gegenüber von Lauenburg liegt Hohnstorf an der Elbe. Hier findet seit 22 Jahren die vielleicht originellste Eiswette in der Provinz statt. Sie wird mit ziemlichem Aufwand betrieben, obwohl die Gemeinde nur 2398 Einwohner hat und von einem Bürgermeister ehrenamtlich geleitet wird. Was den Bremer Eiswettgenossen der Schneider, ist den Hohnstorfern der „Eisgucker“. Er ist einer von zwei Eiswettpaten, deren Aufgabe es ist, im Januar jedes Jahres festzustellen, „ob de Elv steiht oder geiht“.

Eiswette Hohnstorf 2012 Der „Éisgucker“. Holzskulptur von Piter Wichers; für die Eiswette mit der Kettensäge „geschnitzt“. Hinter dem Fernglas Wettpate Eckart Panz.
Foto (Ausschnitt): Ortwin Kork

Die Wettpaten stehen in familiärer Tradition: Den Elbschiffer Rolf Lohmann löste sein Sohn Thomas ab und auf den Fischermeister Erich Panz folgte dessen Sohn Eckart. Am Ufer stehen dann etwa zweihundert Zuschauer und ein Dutzend Eiswettgenossen in festlicher Kleidung und mit Zylinder. Natürlich sind auch Frauen dabei. Höhepunkt der Veranstaltung ist ein Dialog zwischen dem Bürgermeister und einem Überraschungsgast, bei dem es um einen

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humoristischen und ernsthaften Jahresrückblick geht. In der Regel ist das ein (Lokal-) Prominenter, der „durch den Kakao gezogen wird und dann die Möglichkeit hat, in seiner Rede zu kontern.“[1] Die Veranstaltung hat in den letzten Jahren eine ziemliche Popularität erreicht. Neben Landtagsabgeordneten, Bürgermeistern und Journalisten gab es „hohe“ Gäste wie die Ministerpräsidenten Wulff und McAllister und Minister der niedersächsischen Landesregierung, die sich beim anschließenden Matjesessen wortreich zur Wehr setzen mussten. Das Ganze findet bei „Musik, viel Spaß und guter Laune“ statt. Es ist, wie Bürgermeister Feit sagt, „eine etwas andere Art des Neujahrsempfangs“[2]

Eiswette am 6. Januar 2008 Bürgermeister Jens Kaidas (links) und Ministerpräsident Christian Wulff mit Fernrohr als „Eisgucker“. Zwischen beiden Wettpate Erich Panz.       
Foto: Ortwin Kork

[1] So Bürgermeister André Feit in einer e-mail an den Verfasser vom 17.4.2015.
[2] A.a.O.

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Eiswette am 9.Januar 2011 mit Ministerpräsident David McAllister.       Foto: Ortwin Kork
Eiswette am 6. Januar 2013. Wettpate und Elbschiffer Rolf Lohmann antwortet dem Bürgermeister Jens Kaidas auf die entscheidende Frage: „Geiht de Elv oder steiht de Elv?“
„De Elv geiht.“ Zuschauer in der Mitte ist der
niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann
Foto: Ortwin Kork

Da die Elbe immer offen ist, kommen die beiden Wettpaten mit einem Boot zum Fähranleger, wo das Publikum schon auf ihr Urteil wartet. War es früher meist ein Ruderboot oder bei Eisgang auch ein Eisbrecher vom Lauenburger Wasser- und Schifffahrtsamt, lassen sich die „jungen“ Wettpaten jedes Jahr ein anderes Gefährt einfallen, oder sie verkleiden ihr Fahrzeug abenteuerlich. 2017 legte die „Bunte Kuh“, am Ufer an, die um 1400 auf Piratenjagd in der Nordsee gewesen sein soll. Auch über Land sind sie schon zum Fähranleger gelangt, zum Beispiel mit einem „Raumschiff Enterprise“ (2016). Aber neben diesem Jux gehen die Wettpaten auch das ernste Thema des Umweltschutzes an.[1]

[1] Vgl. das letzte Kapitel „Ausblicke“.

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Eiswette 2017 Die „Bunte Kuh“ aus dem Jahr 1400 auf „Piratenjagd“ in der Nordsee. Foto: Piter Wichers

Die Kleinste: Clüversborstel an der Wieste (1976)

Die kleinste aller norddeutschen Eiswetten – und die zweitälteste –  findet jährlich am 27. Dezember um 19 Uhr an der Wiestebrücke in  Clüverborstel (Landkreis Rotenburg/Wümme) statt.[1] Sie besteht praktisch nur aus einem Mann. Seit 1976 macht sich Cord Schlobohm jedes Jahr mit einem Wanderstock in der Hand auf den Weg zum Flüsschen Wieste, die er entweder über- oder durchschreitet, je nachdem, ob sie geiht oder steiht. Das ist für Schlobohm in seiner zivilen Kleidung eine echte Herausforderung, für die Schaulustigen aber ein Spektakel, weil die Wieste fast immer geiht. Abends sitzt man dann gemütlich beisammen und feiert ein bisschen, denn der Wetteinsatz von 2,50 Euro pro Person kommt dem Dorf zugute. 2015 machte Cord Schlobohm mit 60 Jahren Schluss.[2] Der Kulturverein fand aber einen Nachfolger, der die entscheidende Voraussetzung für dieses Amt mitbrachte: eine gewisse Unempfindlichkeit gegen Kälte. Er heißt Merten Schlobohm, ist aber mit seinem Vorgänger gleichen Namens weder verwandt noch verschwägert. Wie kommt ein 19Jähriger dazu, so eine ungemütliche Aufgabe zu übernehmen? „Man hat mich gefragt, und weil ich diese Tradition richtig gut finde, möchte ich meinen Teil dazu beitragen,

[1] Die folgenden Ausführungen stützen sich auf die Berichterstattung in der MK Kreiszeitung online vom 30. 12.2014.
[2] „Ein neuer Schlobohm für die Eiswette. Bericht in der MK Kreiszeitung.de vom 23.12.2016:    

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dass sie erhalten bleibt.“ Die Familie und Freunde unterstützten ihn, trotzdem wolle er bei seiner Premiere zusammen mit seinem Vorgänger über, beziehungsweise durch die Wieste schreiten. „Für Manfred Nieder vom Kulturverein ist diese Staffelübergabe auch eine Chance, die Jugend im Allgemeinen für die Eiswette zu interessieren. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Jugendlichen es sich gerne ansehen, wenn einer von ihnen bis zum Nabel im kalten Wasser steht“, sagt er und weist ausdrücklich darauf hin, dass auch Zuschauer aus anderen Dörfern und Gemeinden willkommen sind.“[1]

Die Besondere: Das „Isen“ im spätmittelalterlichen Bodenburg (1992)

Bodenburg ist ein spätmittelalterlicher Burgflecken im Hildesheimer Wald. Ihre Eiswette ist etwas ganz Besonderes, soll sie doch ausdrücklich an das “Eisen“ („Isen“) erinnern, also an die Verpflichtung der Bodenburger im Mittelalter, die Festungsgräben der Burg im Winter eisfrei zu halten. Dies war eine der Bedingungen der Burgherren für die Selbstverwaltung der Ansiedlung.

Auf dem Holzweg: Die Vergabe von Eiswette®-Lizenzen

Die Bremer Eiswette® als Warenmarke

1968 war die Eiswette schon einmal eine „Marke“. Der neue Präsident Karl Löbe hatte, zu Alt-Präsident Borttscheller gewandt, gesagt: „Sie haben der Eiswette ihren Stempel aufgedrückt, so dass sie zu einem Markenzeichen geworden ist.“[1] Es war in der Zeit, als es noch „Markenartikel“ in der Bundesrepublik gab, Waren, die sich wegen ihrer angeblich gleichbleibenden Qualität einer gesetzlich geschützten Preisgarantie erfreuen konnten.[2] Was Löbe gesagt hatte, war eine Metapher. Inzwischen ist die Eiswette real den Weg zum patentamtlichen Schutz als Warenmarke gegangen. Seit 2007 ist der Name „Eiswette“ patentamtlich als „Wortmarke“ geschützt.[3] Aber es galt, hohe Hürden zu überwinden. Der erste Versuch unter Präsident Peter Braun (2004 bis 2012) scheiterte. Das Patentamt lehnte

[1] Alle Zitate a.a.O.
[2] Weser-Kurier vom 22.1.1968.
[3] Das „Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen“ („Kartellgesetz“) von 1957 legte die „Preisbindung der zweiten Hand“ fest. Es verpflichtete den Handel gegenüber dem Hersteller von „Markenartikeln“ beim Wiederverkauf festgesetzte Preise einzuhalten. Die Preisbindung wurde am 1. Januar 1974 abgeschafft. Vgl. Gunhild Freese „Die ausgebliebene Wende“ in: ZEIT online vom 8. Februar 1974.
[4] Informationen des Deutschen Patent- und Markenamtes zur Eiswette unter den Nummern 30674300 und 30674301. Der Schutz galt bis zum 31.12.2016 und konnte dann gegen eine Gebühr von 100 Euro pro Klasse für zehn Jahre verlängert werden, was mit Sicherheit geschehen ist.

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den Eintrag ins Register ab, weil die Eiswette kein eingetragener Verein sei, also nicht rechtsfähig. Sie erfülle nicht die dafür erforderlichen Kriterien Satzung, Mitgliederversammlung, gewählten Vorstand und Kassenführung. Mit einem Wort: Sie sei nicht „markenfähig“. Nicht strittig sei ihre Gemeinnützigkeit, weil ihr „vereinsrechtlicher“ Zweck im Erbringen von Spenden besteht. In einem Widerspruchsverfahren, das von einem Schreiben an das Justizministerium wirksam unterstützt wurde, gelang es dem Präsidium unter Federführung des Patentanwalts und Alt-Präsidenten Günther Eisenführ (1993 -1996), dieses Hindernis zu überwinden.[1] Dabei spielte die „Besitzstandswahrung“ eine Rolle. Die Eiswette gehört zu den sogenannten vorkonstitutionellen Vereinen, die als „Altverein“ schon vor Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs am 1. Januar 1900 bestanden. Sie erhielt vom Gericht einen Sonderstatus als „nicht ins Vereinsregister eingetragener Verein“, für den nur ein Vorstand erforderlich ist, aber keine Satzung und keine Buchhaltung. Dem Eintrag ins Register des Patentamtes stand damit nichts mehr im Wege. Am 4. 12. 2006 meldeten die Präsidiumsmitglieder Peter Braun und Georg Abegg das Wort „Eiswette“ als „Wortmarke“ und das Kohl- und Pinkel-„Wappen“ als „Bildmarke“ beim Deutschen Patent- und Markenamt an.[2]

[1] Information aus einem Gespräch des Verfassers mit Günther Eisenführ am 31.12. 2012. Günther Eisenführ ist am 3.Oktober 2019 86jährig verstorben.
[2] Nach neuester Rechtsprechung ist die Eiswette – obwohl keine juristische Person – wie ein eingetragener Verein rechts- und parteifähig.

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Bei diesem Verfahren wählen die Inhaber aus dem Waren- und Dienstleistungsverzeichnis die „Klassen“ aus, für die ein zehnjähriger Schutz gilt. Jede „Klasse“ kostet 100.- Euro.[1] Das Präsidium wählte folgende aus: elektronische Aufzeichnungsträger, Druckerzeugnisse, Fotografien, Textilwaren, Bekleidungsstücke, Schuhwaren, Kopfbedeckungen,

[1] Möglicherweise ist die Eiswette wegen ihrer Gemeinnützigkeit von diesen Kosten befreit.

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Mineralwässer/Biere und die Nr. 41: „Unterhaltung; kulturelle Aktivitäten, insbesondere Veranstaltungen von Mitgliedertreffen, Stiftungsfesten und Volksfesten“. Auf dieses „Schutzgebiet“ wird sich im Jahr 2014 ihr Lizenz-Begehren stützen.

Nun hatte man zwar mit der Klasse 33 des Waren- und Dienstleistungsverzeichnisses die Wortmarke Eiswette auch im Bereich „Alkoholische Getränke“ geschützt, besaß aber nicht die Patentrechte über die „Wort-Bildmarke“ der alten Bremer Kornbrennerei Güldenhaus, die deren „Eiswette“-Korn seit 1959  zierte. Sie zeigte ein hübsch ausgedachtes und gut gestaltetes Motiv der Eiswettprobe an der Weser mit Schneider und Bügeleisen.

Die „Wort- Bildmarke“ der alten Bremer Kornbrennerei Güldenhaus von 1959

Es war schwierig, gerade diese Verbindung unter Kontrolle zu bekommen, hatte die Firma doch 1999 ihr Produktion eingestellt[1] und die Rechte an der Wort-Bildmarke am 11.04.2000 an einen Berliner Getränkevertrieb[2] verkauft. Der bot die „Die Bremer Kornspezialität mit Tradition“ auf einem graphisch erheblich verbesserten Etikett an. Man erkennt in aller Deutlichkeit, wie der Schneider im Biedermeierkostüm und mit Bügeleisen in der Hand

[1] Sie war 1818 gegründet und über acht Generationen geführt worden. 2004 wurde das 10.000qm große Areal in der Neustadt im Bereich Neustadtswall/ Große Sortillienstraße zwangsversteigert. Käufer war das Bremer Immobilien-Unternehmen Müller & Bremermann GmbH & Co (dem auch das Grundstück mit dem abgebrannten Textilhaus „Harms am Wall“ gehört). Die Firma ließ das Areal brach liegen. Es verrottete total, bis sich 2014 der SPD-Ortsverein Neustadt wegen einer Nutzung des Geländes an den Senat wandte. Informationen aus: Detlev Schell, „Güldenhaus-Areal im Visier.“ Artikel im Weser-Kurier vom 13.07.2014.
[2] Deutsches Patent- und Markenamt. Informationen zur Marke 722628. Der Käufer war die drinks & foodsVertriebs GmbH in Berlin, die eine Dependance in Bremen hatte. Sie scheint nicht mehr zu existieren. Im Internet findet sich eine „Euro Drinks&Food GmbH in Mainz, wahrscheinlich die Nachfolge-Firma. (Stand Nov.2019).

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vorsichtig das Eis der Weser betritt. Mehrere feierlich gekleidete Herren mit Zylinder beobachten ihn vor der Kulisse eines Halbmondes über den Domtürmen.[1]

Das graphisch verbesserte Güldenhaus-Motiv eines Berliner Getränkevertriebs.

Zu allem Überfluss hatte der Berliner Spirituosenhändler das Patent inzwischen um weitere zehn Jahre bis 2010 verlängert, und so blieb den Eiswettgenossen nichts anderes übrig, als es ihm abzukaufen. Am 10.06.2010 wurde die Eiswette auch Inhaberin dieser „Wort-Bildmarke“.[2]

[1] Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob er je in die Produktion gegangen ist. 
[2] Informationen des Deutschen Patent- und Markenamtes zur Marke 2008959 und 772628 mit Datum vom 19.1.2012. Da die Eiswette seit 2009 auch die „RauPiPau“ alias „Rauch- und Pinkelpause“ angemeldet hat, ist sie im Besitz von vier Patenten.

Inspektionsbesuche des Eiswette®-Präsidenten

Pünktlich Mitte Mai, nachdem die Hohnstorfer ihre 14. Eiswette gefeiert hatten, suchten die gestrengen „Eisheiligen“ die Gemeinde heim und sorgen für eine längere Frostperiode im Frühjahr 2014, von der man heute noch spricht. Es begann mit einem überraschenden Einschreiben, das Bürgermeister André Feit den Tag verdarb. Der Brief an die Verantwortlichen der Hohnstorfer Eiswette stammte aus der Feder des Patentanwalts Günther Eisenführ, Mitglied des Präsidiums der Eiswette von Bremen. Er informierte die Hohnstorfer, dass die Eiswette in Bremen sich das Wort „Eiswette“ als Wortmarke habe schützen lassen und forderte von den Veranstaltern, im Ton freundlich, in der Sache hart, den Abschluss eines Markenlizenzvertrags. „Wir wollen und müssen unsere Marke schützen“, stand da, deshalb müssen sich die Hohnstorfer dazu verpflichten, ihre Eiswette in „Zuschnitt und Durchführung so zu gestalten, dass den anständigen Gepflogenheiten Genüge getan wird und das Ansehen der Lizenzgeberin … nicht beschädigt werden kann.“ Im Gespräch mit der BILD-Zeitung wurde Eisenführ konkreter: „Bestimmte Charaktereigenschaften, wie die Tradition und die Bodenständigkeit, müssen bei

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Veranstaltungen unter dem Namen gewährleistet sein. Es darf kein Remmidemmi und Schindluder betrieben werden.“ „Der Begriff Eiswette dürfte zukünftig nur noch mit dem Zusatz ® – für Registered Trade Mark – verwendet werden. Außerdem wären die Hohnstorfer verpflichtet, immer, wenn sie ihre Eiswette „bewerben“ wollen, einen Lizenzvermerk anzubringen[1] , z.B.: Die „Eiswette ist eine eingetragene Wortmarke der „Eiswette von 1829“. Jedes Schreiben, jede andere Form der Verlautbarung aus der Gemeinde, die für die Teilnahme an der Hohnstorfer Eiswette ® wirbt, hätte ihn „an geeigneter Stelle“ zu tragen.

Vor allem diese zweite Forderung brachte Bürgermeister Feit in Harnisch: „Das geht gar nicht.“[2] Eher könnte er sich vorstellen, eine Umbenennung vorzunehmen als „vor den Bremer Herren zu Kreuze zu kriechen.“[3] Alt-Bürgermeister Jens Kaidas, Erfinder der Hohnstorfer Eiswette, nannte das Verhalten der Bremer einfach „eine Frechheit“[4] und der Bürgermeister von Neu Darchau, Veranstalter der Eiswette flussaufwärts, reagierte ebenfalls verständnislos, als er von der Sache erfuhr: „Haben die in Bremen nichts Besseres zu tun?“[5]

Die Hohnstorfer schlugen sich wacker. Den geforderten Lizenzvertrag haben sie nicht unterschrieben. Die lokale Presse stellte die Machtverhältnisse klar: „Auf der einen Seite der Bremer Verein „Eiswette von 1829“, eine honorige „Eiswettgesellschaft“ mit noch honorigeren Persönlichkeiten … auf der anderen Seite: das kleine Hohnstorf an der Elbe … das gerne auch als gallisches Dorf tituliert wird.“[6] Auch SAT 1 und NDR Hörfunk berichteten. Die BILD-Zeitung ließ sich die „irre“ Geschichte nicht entgehen. Unter dem Titel  LIZENVERTRÄGE UND STRENGE AUFLAGEN FÜR NACHMACHER-STÄDTE erfuhren die Leser vom „bizarren Sommerstreit“, den das „ehrwürdige Präsidium“ der Bremer „Eiswette“ entfacht hätte.[7] Der Zeitung lag Eisenführs Brief vor, in dem er den Hohnstorfern Schadenersatz androhte und ihnen eine Frist zur Unterzeichnung des (kostenlosen) Lizenzvertrags bis zum 4. Juni des Jahres gab. Bis es zu einer Einigung „mit der großen Schwester“ kam, die „eine friedliche Koexistenz“ ermöglichte, gab es „mehrere Treffen, Telefonate und Schriftverkehr mit dem Eiswette-Präsidium in Bremen“[8], berichtete Bürgermeister Feit. Für die Hohnstorfer würde sich an ihrer Eiswette nichts ändern. Sie schlossen mit der Bremer Eiswette statt des Lizenzvertrags einen Kooperationsvertrag, von dem keine Signalwirkung im Sinne der Bremer ausgehen würde. Der Bürgermeister betonte, im Gegenteil, dass er „grundsätzlich kein Interesse daran habe, anderen Eiswette-Enthusiasten Restriktionen aufzuerlegen“, da „wir das Engagement aller anderen ehrenamtlich tätigen Mitbürger nicht sabotieren wollen.“ Er brachte das leidige Thema auf den Punkt: „Mir ist nicht bekannt, dass die Münchner den Begriff „Oktoberfest“ haben schützen lassen, … genauso wenig wie das Wort „Volksfest“[9] Die Bremer Eiswettgenossen fanden in Hohnstorf keinen Verbündeten für ihre neue Linie. Das wäre bei ihrem Auftreten auch zu viel verlangt gewesen. Am 4.01.2015 war Patrick Wendisch[10] als Präsident der Bremer Eiswette Gast und Inspektor zugleich bei den

[1] Die Auszüge des Briefes sind abgedruckt in Landeszeitung für die Lüneburger Heide vom 21. Mai 2014 (im Folgenden „Landeszeitung“).
[2] Landeszeitung, a.a.O.
[3] A.a.O.
[4] Landeszeitung online vom 30.5.2014.
[5] Landeszeitung online vom 21.5.2014
[6] A.a.O.
[7] Artikel von Sebastian Rösner am 28.05.2014.
[8] E-mail vom 17.4.2015 an den Verfasser.
[9] Landeszeitung online vom 30.5.2014.
[10] Dr. Patrick Wendisch, seit 2013 Präsident der Eiswette, geboren am 3. 10.1957 in Bremen, ist ein deutscher Versicherungsunternehmer und ehemaliger Politiker. Er war von 1995 bis 1999 Mitglied der Bremischen Bürgerschaft für die Wählergemeinschaft Arbeit für Bremen und Bremerhaven und von 2004 bis 2007 Präses der Handelskammer Bremen. Aus wikipedia am 5.11.2019.

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Hohnstorfern, wo er im vollen Eiswette-Ornat mit Zylinder antrat. Allerdings traute Bürgermeister Veit dem Frieden nicht und lud einen weiteren Ehrengast ein. Es war Dr. Norbert L., Patentanwalt aus Lüneburg.[1]

Hohnstorfer Eiswette am 5.Januar 2015: Patrick Wendisch, Präsident der Eiswette von 1829 in Bremen als Gast und Beobachter neben Bürgermeister André Feit (links) und Manfred Nahrstedt, Landrat des Landkreises Lüneburg (rechts), dem Überraschungsgast. 
Foto: Ortwin Kork
Hohnstorfer Eiswette 2015. Im Vordergrund: Die Wettpaten Thomas Lohmann
(am Mikrophon) und Eckart Panz, daneben Bürgermeister André Feit (mit Amtskette). Zwischen den beiden Wettpaten: Patrick Wendisch. Am anderen Elbufer die Unterstadt von Lauenburg. Foto: Ortwin Kork 

[1] Landeszeitung online vom 5.1.2015.

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Hohnstorfer Eiswette 2015. Der Bremer Eiswett-Präsident Dr. Patrick Wendisch hat das Wort. Foto: Ortwin Kork

„Voll erwischt“ hatte es die kleinste aller Eiswetten, die Clüversborsteler Ein-Mann-Veranstaltung. Seit Dezember 2014 war dort alles anders – bzw. auch nicht: „Als Eiswette dürfen wir unser Event nur noch mit Einschränkungen bezeichnen,“ berichtete Herbert Cordes, Vorsitzender des „Vereins zur Förderung des Niedersächsischen Kulturgutes“, der Veranstalter. Im Sommer hatte er den gleichen Brief aus Bremen erhalten wie die Hohnstorfer und den Vertrag unterschrieben – „aus Angst vor einem Rechtsstreit.“ Die Rollen wären zu ungleich verteilt gewesen.[1]

[1] Zitate und Bericht aus Kreiszeitung vom 30.12.2014.

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Man beachte den Copyright-Hinweis ® über der Zeichnung: „eingetragene Marke der EISWETTE von 1829“. Quelle: Internet.

Und eine zweite Eiswette unterzeichnete den Vertrag: die Eiswetter von Neu Darchau- Darchau. Auch hier trat Präsident Wendisch zunächst als Inspektor auf.

Nach dem fulminanten Start mit dem lauten Echo in der Presse hätte man erwarten können, dass es heute in den Internetdarstellungen der norddeutschen Eiswetten von Lizenznehmern der Bremer Eiswette nur so wimmelt und dass die Wortmarke Eiswette® ebenso weit verbreitet ist, wie die norddeutschen Eiswetten reichen. Die aktuelle Internet-Bilanz bei 20 Eiswetten im Dezember 2019 gibt aber ein anderes Bild. Den einzigen Hinweis auf ein Copyright fanden wir auf der Eiswette von 2019 in Neu Darchau- Darchau.

2019. Das Logo der Eiswette von Neu Darchau – Darchau.

Man könnte die Aufschrift auch so verstehen, dass die Eiswette von Neu Darchau-Darchau seit 1996 eine eingetragene Marke ist. Einen Hinweis auf die „Eiswette von 1829“, gar von Bremen, finden wir auch hier nicht. Allerdings bedeutet das Fehlen von copyright®- Hinweisen nicht, dass die Eiswette nicht weitere „Kooperationsverträge“ geschlossen hätte. Wie viele Eiswetten – außer den Hohnstorfern, den Neu-Darchauer Darchauern und den Clüversbortelern – Lizenzverträge, bzw. „Kooperationsverträge“ abgeschlossen haben, ließ sich nicht feststellen; eine schriftliche Anfrage beim Präsidium in dieser Sache blieb unbeantwortet. [1] Auch über den Inhalt der Vereinbarungen bewahren die Beteiligten Stillschweigen, warum auch immer. Soweit bekannt, sollen die Lizenznehmer zwei Bedingungen erfüllen:

[1] Brief des Verfassers an das damalige Präsidiumsmitglied Günther Eisenführ vom 7.2.2016.

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Es sollen Benefizveranstaltungen sein und sie sollen in einem würdigen Rahmen stattfinden. 2014 hatte das Eiswett-Präsidium mit seiner Schadenersatz-Drohung hier und da Schrecken verbreitet und Teilerfolge erzielt. Möglicherweise hätte es alle norddeutschen Eiswetten zu Hinweisen auf das Copyright der Wortmarke Eiswette® zwingen können. Sie hat offensichtlich davon Abstand genommen, und das aus guten Gründen. #
Es war den Eiswettgenossen ja nicht um einen formalen Anspruch gegangen, sondern um die Gestaltung der Eiswetten nach ihrem Maß. Da dürften sie Überraschungen erlebt haben mit der Originalität, der Bodenständigkeit und dem sozialen Charakter der Konkurrenz. So lässt sich möglicherweise das schnelle Umschlagen der Inspektions-Besuche bei den Hohnstorfern und den Neu Darchauern-Darchauern in freundschaftliche Verbindungen erklären.Bürgermeister Feit war schon im nächsten Jahr Gast auf der Eiswette in Bremen und Jörg Neben war inzwischen schon zweimal dort. Jedes Jahr laden die Neu-Darchauer Darchauer Patrick Wendisch zu ihrer Eiswette ein. Dazu hätte es allerdings keiner Forderungen und Drohungen bedurft. Den Eiswettgenossen dürfte auch klar geworden sein, wie schwierig es gewesen wäre, den vielfältigen Eiswetten ein Maß aufzuzwingen, das sie selbst gar nicht genau definieren können, haben ihre Veranstaltungen im Laufe ihrer Geschichte doch mehrere Metamorphosen durchlaufen. Und schließlich wird der Sturm der öffentlichen Entrüstung ein Übriges dazu getan haben, dass sie von ihrem Vorhaben Abstand nahmen, sollte sich ihr Ziel, „Beschädigungen des Ansehens der Lizenzgeberin abzuwenden“ nicht in ihr Gegenteil verkehren. Auch wenn die auswärtigen Eiswettproben manches Element der Bremer übernommen haben, sind ihre Profile doch ganz unterschiedlich. Die eine oder andere ist im Laufe der Jahre an ihrem Ort zur „Kultveranstaltung“ geworden. Die Dinge scheinen auf dem Kopf zu stehen, wenn der ehrenamtliche Bürgermeister einer Dreitausend-Seelen-Gemeinde sich veranlasst sieht, „die Bremer“ „zu mehr Gelassenheit (zu) ermuntern.“[1]

Mit der Eiswette der 800 Herren in Bremen haben die norddeutschen Eiswetten im Grunde auch gar nichts zu tun. Vermutlich kennen viele ihrer Teilnehmer sie gar nicht. Präsident Wendisch erhielt sogar einmal von einem Gast für die große Eiswette im Jahr 2017 eine, wie er sich ausdrückte, „originelle Absage“. Der hochgestellte Gast hatte nämlich keine Lust, „acht Stunden am Weserdeich zu stehen und ein Glas Glühwein abzukriegen.“[2]

[1] Hohnstorf-Bürgermeister André Feist in der Landeszeitung online vom 30.5.2014.
[2] Im Interview mit Lisa-Maria Röhling im Weser-Kurier vom 21.1.2017.

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Die Bremer Eiswettprobe am Punkendeich

Hundert Jahre ohne 

Die Wette der 18 Bremer Kegelbrüder im Schürmann‘schen  Wirtshaus zu Horn am 6. November 1828 lautete:„Die Weser oberhalb der grossen Brücke bis hinauf zum Punkendeich, oder wenigstens der grösste Teil des Flussgebietes soll im Laufe des nächsten Winters bis spätestens zum 4. Januar, morgens vor Sonnenaufgang, zugefroren oder zum Stehen gekommen sein, Betrag: Ein Taler!“[1]                                                                                        

[1] Aus der Festschrift „Zur Feier des 75jährigen Jubiläums der im Jahre 1829 gegründeten Eiswette nach den geführten Protokollen aufgestellt. Bremen, am 25 Januar 1904“, 18 Seiten, S. 3/4. Ein Exemplar befindet sich im Staatsarchiv unter der Signatur.Ak-9994-22. Vietsch war von 1899 bis 1913 Präsident der Eiswette.Vgl. zur Gründung der Eiswette Kapitel 1 dieser Website, besonders die ersten drei Unterkapitel.

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In der Wette stand nichts von einer Eisprobe vor Ort, schon gar nichts davon, dass ein Schneider mit Bügeleisen diese Probe vornehmen sollte. Beides hat die Weser am Punkendeich vor 1929 auch nicht gesehen.

Die Protokolle der Eiswetten von ihren Anfängen bis heute, halb im Scherz (mal gereimt, mal plattdeutsch), halb aus deutscher Vereinsmeierei heraus – eine typische Mischung der originären Veranstaltung – liegen in ihrem Archiv auf dem Bremer Teerhof, gehütet von Georg Abegg aus der traditionellen Kaufmannsfamilie Wuppesahl, Eiswettgenosse in der vierten Generation, Schriftführer in der dritten.[1] Sie haben die Kriegszerstörungen des Börsenhofs B am 20. Dezember 1943, in dem sich die Räume der Firma C. Wuppesahl befanden, in einem Panzerschrank unbeschadet überstanden.[2] Zwei Eiswettpräsidenten haben sich die Mühe gemacht, sie zu studieren. Der eine ist der Kaufmann Hermann Vietsch, der als Präsident 1904 eine Festschrift zu ihrem 75jährigen Jubiläum verfasste[3]; der andere ist der Kaufmann, Politiker und Jurist Dr. jur. Karl Löbe (Präsident von 1968 bis 1970), der sich selbst zu Recht einen Chronisten der Eiswette nennt. Er erzählt die Geschichte der Eiswette weiter bis 1979, dem Jahr ihres 150. Jubiläums. Beide Autoren sind sich einig, „dass förmliche Eisproben wie heute früher nicht veranstaltet wurden.“ [4]

Schutzumschlag der Ausgabe von 1979.

[1] Georg Abegg, (geboren am 3.6.1934 in Bremen) von 1994 bis 2004 Vorsitzer des Kunstvereins Bremen, war von 1975 bis 2012 Schriftführer der Eiswette, ein „Amt“ das er von seinem Onkel Henrich, bzw. von seinem Großvater Carl August übernommen hatte. Sein Ur-ur-Großvater Carl Johann (1815 bis 1901) gilt als Nestor der Eiswette vor dem 1. Weltkrieg. Sein Urgroßvater Henrich August Wuppesahl (1846 bis 1918) war nicht Mitglied der Eiswettgenossenschaft. In der Firma C. Wuppesahl Kommanditgesellschaft war Georg Abegg – als Sohn einer Tochter von C.A. Wuppesahl, verheiratete Abegg – in der fünften Generation als einer von drei persönlich haftenden Gesellschaftern tätig, bis die Firma überging in C. Wuppesahl Anlagen GmbH & Co.KG. Vgl. Kapitel 1 “Geschlossene Gesellschaft“, Anmerkungen 167 und 181.
[2] Vgl. Georg Borttscheller, Bremen, mein Kompaß, „Schön war’s“, Bremen 1973, S.168.
[3] „Zur Feier des 75jährigen Jubiläums …“ a.a.O.
[4] Karl Löbe, 150 Jahre Eiswette von 1829 in Bremen, Bremen 1979. 181 Seiten, S.47. Vgl. die zweite, vom Präsidium (postum) überarbeitete Ausgabe von 1998. Vgl. Kapitel 2 dieser Website, Unterkapitel „Legende 2: Eiswettproben

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Festschrift von Präsident Hermann Vietsch 1904. Staatsarchiv Bremen
 

Als der Schneider 1863 zum ersten Mal in einem Protokoll erwähnt wurde, hatte er es wahrscheinlich als „bremischer Schnack“ schon zu einer gewissen Berühmtheit in der Stadt gebracht. Auf der Eiswette trat er in den ersten hundert Jahren nur einmal auf, aber nicht im Rahmen seines „Amtes“, sondern in den Räumen des vornehmen Clubhauses der „Union“am Wall, wo er 1869 zur Belustigung der 58 Eiswettgenossen „in vollem Ornat, mit Maß, Schere und Bügeleisen“ erschien. [1] Die Verkündung des Wettausgangs war bis 1913 allein Sache des Präsidenten. Hermann Vietsch, der letzte in der Reihe vor dem Ersten Weltkrieg, hatte noch 1908 einen Vorschlag abgelehnt, dem „geplagten Präsidenten“ eine Kommission mit einem 99 Pfund schweren Schneider mit Elle und Bügeleisen zur Unterstützung zur Seite zu stellen.[2] Als dieser schließlich 1956 doch noch regelmäßig zur Überprüfung des Eisgangs eingesetzt wurde, war es zu spät. Er hat die Weser nie trockenen Fußes überqueren können.[3]

[1] Wir folgen hier der Darstellung von Löbe. 1868 wird er noch einmal im Protokoll erwähnt. Löbe, a.a.O., S.64.
[2] Löbe, a.a.O., S. 48.
[3] Sein Bad in der Weser am 6. Januar 1934 nahm er in der Wagenbrett’schen Badeanstalt neben dem Stadionbad. Vgl. unten: „Der erste Auftritt des Schneiders an de Weser 1934.“ 

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Haus der „Union“ am Wall 205. Hier trat der Schneider 1869 einmalig im „vollen Ornat“ auf. Lithografie, um 1845.
Focke-Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte

Die Anfänge
1929 bis 1939

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Die erste Eisprobe in der Geschichte der Eiswette. Untertitel: „Feststellung der Eisverhältnisse der Weser am Sonntag (Heilige Dreikönige) am Punkendeich (Sielwall) für das 100jährige Stiftungsfest der „Eiswette von 1829“. Foto: Bremer Nachrichten 8.1.1929

Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt lieferte die Eiswette gleich die Legende mit, dass die Eisproben seit 1829 jedes Jahr am Punkendeich stattgefunden hätten. Sie wird – obwohl seit der Eiswett-Chronik von Löbe bekannt – bis heute von den Eiswettgenossen gepflegt und ist inzwischen Teil des Bremer Kulturguts geworden, wie schon ein kurzer Blick in aktuelle Zeitungsreportagen zeigt: „Seit mehr als anderthalb Jahrhunderten wird dieses Bremer Kaufmannsritual gepflegt: Bei der Eiswette am Osterdeich überquert ein Schneider die Weser, um zu prüfen …“ (Weser-Kurier 2016). „Ein wesentlicher Bestandteil der Eiswette, die nunmehr seit 190 Jahren am Weserufer ausgetragen wird.“ (Weser-Kurier 2019). In Wahrheit war es Präsident Hans Wagenführ, der am 6 Januar 1929 zum ersten Mal eine Prüfung vor Ort ansetzte.[1] Auf dem Foto der Bremer Nachrichten sieht man fünf Herren mit Hut am Weserdeich, feierlich in schwarze Mäntel gehüllt. In der Mitte, als einziger mit Zylinder, der Initiator, Präsident Wagenführ. Er schaut in die Kamera und bedeutet mit seiner ausgestreckten Hand dem geneigten Betrachter, seine Aufmerksamkeit auf die beiden Herren neben ihm zu lenken; auf den einen, der einen Messstab hält und auf den anderen, der einen Plan in Händen hat. Sie prüfen, ob sie an der richtigen Stelle stehen und scheinen feststellen zu wollen, welche Stärke das Eis auf der Weser hat. Im Untertitel des Fotos erfährt der Zeitungsleser vom hundertjährigen „Stiftungsfest“ der „Eiswette von 1829“. 

Von nun an pilgerte eine Prüfungskommission jedes Jahr an den Punkendeich, um den Zustand der Weser zu überprüfen. Wie lange sie mit dem Messstab hantierte, ist nicht überliefert. Spätestens 1936 war man zu Steinwürfen übergegangen, wie aus dem Untertitel eines Fotos der Eisprobe in der nationalzialistischen Bremer Zeitung hervorgeht. Auf dem Foto ist die anschließende „Beurkundung“ des Vorgangs im Büro des finnischen

[1] Löbe behauptet irrtümlich, dass schon 1929 „die heute (1979 – d.Verf.) übliche Eisprobe mit einem Schneider“ veranstaltet worden wäre. Ihm standen offensichtlich nicht die lokalen Zeitungsreportagen der dreißiger Jahre zur Verfügung. So konnte er auch zu der falschen Behauptung kommen, dass 1929 ein Dromedar und drei Könige mit von der Partie gewesen wären. Er datiert die erste Eiswettprobe auf das Jahr 1928. Wenn dem tatsächlich so war, geschah es im privaten Rahmen. Vgl. Löbe S.47/48.     

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Generalkonsuls und Schriftführers der Eiswette, Wilhelm Holsing, im Schnoor zu erkennen. Diese Zeremonie gehörte nun zu jeder Eiswettprobe. [1] 1939 erschien in den Bremer Nachrichten eine erste längere Reportage zur Eisprobe: „Kernfrage der Eiswette“: Zum 110. Mal wird wie „jedes Jahr an diesem Tage am Punkendeich (…) der Tatbestand vom Präsidium der Eiswette sachlich und zweifelsfrei festgestellt.“ [2] Auf dem Foto sieht man die Herren der Kommission schwungvoll ausholen, um dieses Mal Schneebälle in die offene Weser zu werfen. Die Zeitung druckte sogar den Text des Protokolls ab, das – offensichtlich vom „Notarius publicus“ Hans Degener-Grischow noch an Ort und Stelle verfasst – wieder am gleichen Ort wie 1936 unterzeichnet worden war.

Am 6. Jänner ist geschehen
Und von mir mit eigenen Augen gesehen,
Dass der Punkendeich zwar weiß
Und ziemlich steif von Schnee und Eis:
Dass ich aber trotzdem gar nichts fand,     
Was drauf schließen ließ, dass die Weser stand.

Es trieben zwar ein paar klägliche Schollen, 
Die sich nicht zu einer Decke fügen wollen.
Ich sah auch wuchtig geschleuderte Ballen
Weißen Schnees in die Weser fallen.
So ist enttäuscht wieder manches Hoffen,
Es ist festgestellt: Die Weser war offen.

Der Eiswettschneider war nicht zur Stelle.
Die Gewerbepolizei hatte auf alle Fälle
Seine Teinahme untesagt und verboten
Wegen des Risikos und der hohen Versicherungsquoten

[1] (Nationalsozialistische) Bremer Zeitung vom 7.1.1936.
[2] „Die Weser war offen am Dreikönigstag“. Reportage Bremer Nachrichten vom 7.1.1939.

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Das Schneeball werfende Präsidium am 6.1.1939. Foto Bremer Nachrichten vom 7.1.1939

1949 bis 1955

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Zeremonie mit der Kommission wieder aufgenommen. Am 6. Januar 1948 traf sich der harte Kern von etwa 20 Eiswettgenossen aus den zwanziger und

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dreißiger Jahren zum ersten Mal am Punkendeich, aber es war noch keine „offizielle“ Eisprobe.[1] Die fand erst 1949 unter dem Nachkriegs-Präsidenten Richard Ahlers statt – wie in den zwanziger und dreißiger Jahren noch ohne Publikum, aber in Anwesenheit der Presse. Der Weser-Kurier berichtete am 8. Januar: „Feierlich und gemessenen Schrittes ging am 6. Januar, Punkt 12 Uhr, eine Delegation von acht alten ehrwürdigen Bremern den sogenannten Punkendeich an der Ecke Sielwall-Osterdeich hinunter, um nachzusehen, ob die Weser „zu“ oder „offen“ war. Sie gehörten zur Kommission der bremischen Gesellschaft „Eiswette“, die damit nach zehnjähriger Unterbrechung zum ersten Mal wieder an die Öffentlichkeit trat. Nachdem die acht am steinigen Ufer des Flusses humorvoll konstatiert hatten, dass das Weserwasser in diesem Jahre sogar noch einige Grad Wärme aufweise und noch gar nicht daran denke, sich mit einer Eisdecke zu überziehen, strebte man ebenso feierlich, wie man gekommen war, wieder zu den parkenden Wagen hinauf. Im Bacchuskeller unter dem Rathaus wurde darauf bei funkelndem Wein beschlossen, das Resultat der Untersuchung allen Mitgliedern der Gesellschaft am 19. März mitzuteilen und dann auch die Eiswette für das nächste Jahr abzuschließen.“[2] So verlief die Zeremonie auch 1950 und 1951, nur dass man die Zylinder zu Hause ließ. Es gab immer noch keine Fotos in den Lokalzeitungen. Die Bremer erfuhren davon nur in den Reportagen über das anschließende Eiswettfest.[3] 1952 erschienen die ersten Foto-Reportagen.[4]

[1] Vgl. Löbe, a.a.O., S.126.
[2] „Eiswette“ – Fortsetzung eines alten Brauches“. Reportage im Weser-Kurier vom 8.1.1949.
[3] Weser-Kurier vom 30. Januar 1950 und vom 5. Februar 1951.
[4] Bremer Nachrichten vom 7.1.1952: „… der Notarius Publicus überzeugte sich davon, dass auch nicht das winzigste Schneiderlein imstande gewesen wäre, den Fluss zu überschreiten.“

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Präsident Borttscheller zeigt den „Eisschollengruß“. Weser-Kurier 7. Januar 1952
Foto: Rosemarie Rospek.
Eiswettprobe am 6.1.1952. Links „Notarius publicus“ Degener-Grischow, ganz rechts Präsident Borttscheller. Die Zahl der Kommissionsmitglieder betrug zehn.
Foto Weser-Kurier vom 7.1952

Nun sah man die ersten Neugierigen herumstehen. Ihre Zahl war überschaubar. 1955 mögen es zweihundert gewesen sein, die sich um die fünf Steine werfenden Kommissionsmitglieder – nun wieder mit Zylinder – scharten.[1] Der Gang zum Punkendeich lohnte sich für Zuschauer eigentlich nicht, denn der Spuk war immer schon nach drei Minuten vorbei.[2]   

Zur 125-Jahr-Feier, die er mit großem Aufwand und einer illustren Schar geladener Gäste vorbereitet hatte, ließ sich Präsident Borttscheller auch für die Eisprobe etwas Besonderes einfallen. 1934 war er als Gast der Eiswette Zeuge einer Filmvorführung gewesen, auf der die einmalige Eiswettprobe mit Schneider, Kamel und drei “Heiligen Königen” zu sehen war.[3] Das wollte er wiederholen. Am 23. November 1953 kündigte er öffentlich an, dass er “im Januar eine alte Tradition wieder aufleben lassen wollte: Ein ausgewachsenes Kamel sollte mit dem Komitee der Eiswette ans Weserufer treten.” Das Spektakel war ihm so viel wert, dass er das Tier sogar aus dem Hannover’schen Zoo entleihen wollte, weil es in Bremen noch keins gab.[4] Aber als es soweit war, hatten die Hannoveraner ihr “Wüstentaxi” verkauft, Hamburg wollte kein Kamel bereitstellen, und das nächste in Köln war doch zu weit weg. So erfuhr das Bremer Publikum einen Tag vor der Eisprobe aus der Presse, dass kein Kamel mit von der Partie sein würde.[5] Die anderen Ingredienzen der Gebert’schen Prozession übernahm Borttscheller aber. So erschien 1954 zum ersten Mal der Schneider am Punkendeich (1934 war er ja lediglich in der Wagenbrett’schen Badeanstalt neben dem Weserstadion gewesen) und mit ihm traten für immer drei “Heilige Könige” ans Weserufer. Darüber gab es allerdings nichts Aufregendes zu berichten: “Bibbernd vor Kälte stand gestern (…) ein spitzbärtiger Schneider im Biedermeierkostüm am vereisten Ufer der Weser am Punkendeich vor dem versammelten Präsidium der Eiswette von 1829”. 14 Steine, von jedem Teilnehmer geworfen, plumpsten in die Weser, deren Fließen der “Notarius publicus” verkündete “ Das war’s.
1955 kehrte man zunächst wieder zur alten Zeremonie zurück.[1]

[1] Vgl. Bremer Nachrichten vom 7.1.1955.
[2] Vgl. Bericht im Weser-Kurier vom 7.1.1955.
[3] Vgl. die Darstellung im folgenden Abschnitt: „Exkurs …“
[4] Bremer Nachrichten vom 23. November 1953.
[5] Bremer Nachrichten vom 5. Januar 1954.

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1954: Das erste Mal am Punkendeich: der Schneider mit den drei Königen. Dahinter mit Zylinder Georg Borttscheller und die Kommission des Prasidiums. Weser-Kurier 7. Januar 1954. Foto: Rosemarie Rospek

[1] Auch Eiswettgenosse Klaus Berthold bringt in seiner ansonsten sorgfältigen Darstellung der Eisprobe die Erscheinungsdaten der Protagonisten Schneider, Dromedar und Könige durcheinander. Vgl. Klaus Berthold, Bremer Kaufmannsfeste. Rituale, Gebräuche und Tischsitten der bremischen Kaufmannschaft, Bremen 2008, hrsg. von der Handelskammer Bremen, S.108/109.

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6. Januar 1955: Die Drei Minuten -Zeremonie.
Foto: Bremer Nachrichten 7.1.1955

Exkurs
Der erste Auftritt des Schneiders an der Weser 1934 

Seinen ersten Auftritt an der Weser, wenn auch noch nicht am Punkendeich, hatte der Schneider bei der Eiswettprobe am 6. Januar 1934. Präsident Hugo Gebert hatte eine Art Prozession auf die Beine gestellt, die den Schneider vom Bürgerpark bis zur Weser begleitete. Sie bestand aus drei phantasievoll „morgenländisch“ gewandeten „Heiligen Königen“ – unter ihnen ein als Mohr angemalter – in Begleitung eines Kamels mit einem arabisch gekleidetem Kamelführer und drei uniformierten Herren – allem Anschein nach Busschaffner– die feierlich einen Holzkasten mit der Aufschrift „Eiswette von 1829“ wie eine Monstranz trugen, aus der dann das Bügeleisen herausgeholt wurde. Hinter diesen marschierte die sechsköpfige Eiswette-Kommission der zylindertragenden Präsidiumsmitglieder. Mit im Gefolge war noch ein „Notar“ in Talar und mit Barett. In der Wagenbrett‘schen Badeanstalt (neben dem Stadionbad) angekommen, nahmen die „Könige“ Platz[1] Sie gestikulierten und diskutierten anscheinend darüber, was auf einem Zwischentitel stand: „Nee det is wirklich allerhand, wegen so’n Schiet holt se us ut’n Morgenland“ und schauten zu, wie der Schneider, der in Begleitung eines umherspringenden Hundes gekommen war, sich seines Biederkostüms bis auf eine klassische Dreiecks-Badehose entledigte. Einige Eisschollen am Weserufer ließen keinen Zweifel daran, dass der Schneider vor einer großen Herausforderung stehen würde. Am Strand hatte ein Arbeiter (an seiner Kleidung erkennbar) in einem Holzofen mit Hilfe eines Schwungrads Feuer mit großer Rauchentwicklung entfacht. In dessen Hitze hielt Präsident Gebert das an einer langen Stange befestige Bügeleisent. Er reichte es dem Schneider, der es mit dem nötigen Respekt ergriff und damit ohne zu Zögern in die eiskalte Weser stieg, bis er, das heiße Bügeleisen vorsichtig über seinem Kopf schwenkend, darin umherschwamm. Der Hund tat ihm gleich (wenn auch ohne Bügeleisen). Am Strand wurde der kälteresistene Schneider ausgiebig mit Händeschütteln begrüßt, bevor ihm jemand einen Bademantel um die Schultern legte. Noch am Strand und im Stehen bestätigten die Herren unter Aufsicht des „Notars“ mit ihren Unterschriften den Vorgang, bevor Präsident Gebert mit großen Gesten die Beteiligten mit Münzen entlohnte: zuerst den Arbeiter, den man im Film allerdings nur von hinten sieht, dann die drei „Könige“ und den Kamelführer, der noch einen „Nachschlag“ forderte und erhielt.

[1] Die „Könige“ setzten sich auf eine einfache Bank. Im Hintergrund sind die Umkleidekabinen der Wagenbrett’schen Badeanstalt zu sehen.

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Vom Schneider war jetzt nichts mehr zu sehen, auch nicht von den drei Holzkistenträgern, als sich die übrigen Herren nach der siebenminütigen Zeremonie, wie im Zwischentitel angekündigt, zunächst in einem Autobus der B.B.G. (Bremer Bus Gesellschaft ?), dann zu Fuß zur finnischen Botschaft begaben, wo sie in einem umständlichen Zeremoniell einer nach dem anderen das Protokoll der Eisprobe unterzeichneten, die Könige, offenbar des Schreibens nicht mächtig, mit einem Kreuz zeichnend. Die spektakuläre Aktion ist in einem neunmitnütigen (Stumm)Film mit dem Titel: „Austragung der 105. Eiswette in Gegenwart der heiligen drei Könige am 6. Januar 1934 am Punkendiek“[1] mit mehreren Zwischentexten festgehalten. Gedreht hat ihn Fritz Fröllje, einer der ersten Filmamateure in Bremen. Drehbuch, Schnitt, optische Qualität, perfekt gestaltete Zwischentexte und vor allem die schnelle Fertigstellung lassen darauf schließen, dass hier eine Auftragsarbeit vorlag.[2] Er wurde im Rahmen der nächsten Eiswette den Teilnehmern vorgeführt.  Unter ihnen war eine neue Kategorie von Gästen, denen Präsident Gebert die Einladungen persönlich im Rathaus überbracht hatte: acht Mitglieder des nationalsozialistischen Senats, einschließlich Bürgermeister Heider[3], und zehn weitere Teilnehmer im Belieben der NSDAP,[4] die es sich nicht nehmen ließen, in SS- und SA-Uniformen zu erscheinen.[5]

[1] Tatsächlich fand sie in der Wagenbrett’schen Badeanstalt neben dem Stadionbad statt, wie die Kulissen beweisen.
[2] Fritz Fröllje war ein leidenschaftlicher Amateurfilmer. Er war Mitbegründner der Bremer Filmamateure und Mitglied im jungen „Bund der deutschen Filmamateure“ (B.d.F.A.), den es heute noch als Bundesverband Deutscher Film-Autoren e.V. (BDFA) gibt. Es ist der Dachverband der nicht-kommerziellen Filmer in Deutschland mit etwa 3400 Mitgliedern. 1936 hatte er schon etwa 1000 Mitglieder. Vgl. wikipedia, Stichwort „Bundesverband Deutscher Filmautoren“. Vgl. die Website des Vereins www.bdfa.de . Beide Stand 31.12.2019.
[3] Es war das erste Mal, dass ein Bremer Bürgermeister die Einladung zur Eiswette annahm. Bürgermeister Martin Donandt hatte noch 1930 eine Einladung kategorisch abgelehnt. Vgl. Anm. 295 in Kapitel 2 der Website. Heider sagte kurzfristig ab
[4] Vgl. Kapitel 3 „Mit den Wölfen geheult“.
[5] „Man sah also im Saal einige SS- und SA-Uniformen“. Löbe, a.a.O., S.93. „Die unter den Gästen befindlichen uniformierten Parteisoldaten“ Hermann Gutmann, Jochen Mönch, Die Eiswette von 1829. Ein Bremer Fest – Geschichte und Geschichten. Bremen 2010, S.101. Vgl. Kapitel 3 „Mit den Wölfen geheult“, Unterkapitel „Übergabeverhandlungen“.

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Fritz Fröllje in seinem Studio in den dreißiger Jahren. Foto: Landesfilmarchiv Bremen (Zentrum für Medien, LIS)

Möglicherweise wollte Präsident Gebert den neuen Gästen mit seinem Spektakel an der Weser imponieren. Vielleicht war es aber auch nur einer jener “Husarenritte”, für die Gebert schon zu Zeiten der Bremer Räterepublik und bei der vorzeitigen Enthüllung des Kolonialdenkmals bekannt war.[1] Ob man sich an höchster Stelle an dem öffentlichen Schauspiel gestört hatte, weil das nun einmal in die Kernkompetenz der NSDAP fiel, für die sie ein totales Monopol beanspruchte, sei dahingestellt. [2] Es fand jedenfalls keine Fortsetzung.

[1] Die sozialdemokratische Bremer Volkszeitung hatte ihm 1932 anlässlich der vorzeitigen Enthüllung des Kolonial-Elefanten bescheinigt, dass er „von jeher zu Husarenritten Neigung und Talent hatte.“ Vgl. Kapitel 2 Unterkapitel „Trauma Räterepublik“, Stichwort Hugo Gebert und Unterkapitel „Eiswettgenossen enthüllen vorzeitig das Kolonialdenkmal“.
[2] Der Film befindet sich im Besitz des Bremer Medienarchivs LIS (Landesinstitug für Schule) Zentrum für Medien, Große Weidestraße 4-16. Vgl. auch Weser-Kurier vom 22. Januar 1934.

Film über die erste Bremer Eiswettprobe mit Schneider am 6.1.1934

Der Schneider in Badehose übernimmt von Eiswett-Präsident Hugo Gebert das heiße Bügeleisen. (Zum Anschauen auf den Pfeil in der Bildmitte klicken.)

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Das winterliche Bad des Schneiders in der Weser hatte einiges Aufsehen in der Stadt erregt. Das geht aus der folgenden Anekdote hervor, die Paula Bücking[1], Tochter des damals von den Nazis entlassenen Senators Theodor Spitta, dem Verfasser am 4.6.2013 erzählte:

Am Tag nach dem Spektakel, am 7. Januar, war die Großfamilie Spitta, wie jeden Sonntag, um die Familientafel versammelt. Die neun Kinder saßen am „Untertisch“ und langweilten sich, denn gesprochen wurde nur am „Obertisch“ der Erwachsenen. Da erzählte Vater Spitta, dass ein Schneider versucht hätte, die Weser zu Fuß zu überqueren, um festzustellen, ob sie offen oder zugefroren wäre. Die Kinder lauschten und staunten. Was machten die Erwachsenen da? Die Großen spielten mit der Gefahr und amüsierten sich auch noch dabei? Es baute sich eine Stille auf, bis die Kleinste plötzlich zu piepsen anfing und sich die die aufgestaute Spannung in einem schallenden Gelächter der anderen Kinder Bahn brach. Nun erzählte der Vater von einem alten Bremer Brauch, dem „Isen“.

Er mag es mit den Worten getan haben, die er später aus seiner Erinnerung an das aufschrieb, was ihm sein Großvater Arnold Duckwitz, einst Bürgermeister der Stadt, erzählt hatte: „In den Jahrhunderten, in denen Bremen Festung war – also vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts – musste im Winter dafür gesorgt werden, dass der Bremer Stadtgraben immer offen war (…) damit kein Feind den Stadtgraben überschreiten konnte.“ Das Zerschlagen des Eises – das „Isen“ – war eine wichtige Aufgabe, für die ein Ratsherr zu sorgen hatte, der für die Festungswerke der Stadt verantwortlich war. Er zog für diese Arbeit Bürger aus armen Schichten heran, die zwar nicht dafür bezahlt wurden, weil es eine Bürgerpflicht war, die er aber nach getaner Arbeit traditionell bei sich bewirtete. [2]

[1] Paula Bücking: geboren 1921 in Bremen, inzwischen verstorben. 1957 bis 1985 Tätigkeit am wissenschaftlichen Institut für Schulpraxis; Mitbegründerin von Prinz Höfte, Zentrum für ökologische Fragen und ganzheitliches Lernen, Mitarbeit in der „Blauen Karawane e.V.
[2] Theodor Spitta, Aus meinem Leben. Bürger und Bürgermeister in Bremen. München 1969, S.243/244.

Der Schneider, das Boot und drei „Heilige Könige“ (1956 bis 1970)

Borttscheller ließ nicht locker. Für die Eisprobe 1956 hatte er wieder ein Kamel als Begleitung der drei Könige geplant. Es wohnte, wie sein Vorgänger aus den dreißiger Jahren, im Wildgehege des Bürgerparks. Aber auch dieses Mal scheiterte sein Auftritt; diesmal an einer Erkältung des Kamels.[1] Borttscheller verzichtete dann auf weitere Versuche, und so blieb die Prozession von 1934 die einzige ihrer Art. Der Punkendeich im kalten Norden war für das morgenländische Spektakel offensichtlich nicht geeignet. Warum die “Heiligen Drei Könige”, die ohne Kamel nun zu Fuß aus dem Morgenland anreisen mussten, weiterhin Teil der Bremer Zeremonie blieben, erschließt sich dem Zuschauer bis heute nicht recht, zumal sie jahrzehntelang nur stumm dabeistanden.[2] In der Reportage von damals hieß es lapidar: „weil der 6. Januar doch ihr Tag ist.“[3] Es war halt ein Stück Spektakel, wie es Gebert und Borttscheller liebten. Was den Schneider anging, der seine 1956 beginnende Karriere bis heute fortgesetzt hat, war das Herumstehen keine Option. Das hätte nicht zur Figur des pfiffigen Schneiderleins gepasst.

[1] Weser-Kurier vom 7.1.1956.
[2] Das hat sich erst in jüngster Zeit unter Präsident Wendisch geändert. Vgl. das entsprechende Kapitel auf dieser Website.
[3] Weser-Kurier vom 7.1.1956.

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Borttscheller dachte sich zur Erweiterung des Zeremoniells deshalb die kleine Geschichte aus, dass es der Schneider durch eine List schafft, auch bei offener Weser trockenen Fußes über die Weser zu gelangen, um nicht die riesige Schnapsbuddel, die er als Lohn erhalten hatte, wieder hergeben zu müssen. Er verabredete sich heimlich mit einem Seemann am Punkendeich, der nach Erledigung der Zeremonie auf seinen Ruf “Eeen Boot, een Boot”! in einem Ruderboot heranfuhr und ihn am Fähranleger des Neustadtufers an Land setzte. Dabei kam es zu Streitgesprächen zwischen ihm und dem Präsidenten. Die Dialoge wurden von Amateur-Schneidern auf Platt geführt, manchmal auch in Verse gegossen.

1958 trug der Schneider folgende Verse vor:                                   
„Dat Se mine Sniedekurage kennt,                                                                    
Det weet ick woll, Herr Präsident.                                                                       
Siet hunnertnägentwintig Jahr                                                                                
Lop ick alljährlich de Gefohr.                                                                          
Ji wöt bi dat Wetten blot wat gewinnen,                                                                   
Und ick mutt mi mit dat Wagen affinnen.
Ober wer in de natte Werser pedd’t, 
De markt, dat dat Water keene Balken hett. 
Man will ja eene Sielwallbrücke bo’n.
Un wenn de fertig is, dann will ick et do’n.                                                       
Dat ick hüt guntsiet dröge land‘,                                                              
Dorto find’t sick all de hülprike Hand!“[1]

[1] Bremer Nachrichten vom 7.1.1958

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Seit 1956 immer dabei: der Schneider und das Boot. Am Ufer Präsident Georg Borttscheller.
Weser-Kurier vom 7.1.1956. Foto: Weser-Kurier

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Tatsächlich war das rettende Ruderboot von Anfang an Beiboot eines Seenotrettungskreuzers der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Als die Seenotrettungskreuzer einige Jahre später direkt am Punkendeich anlegten, verblasste die Geschichte von der Flucht. Bald kletterte der Schneider über eine steile Leiter direkt in die großen Boote hinein.

„Hol över!“, ruft der Schneider. Dann holt ihn der
Seenotrettungskreuzer Langeoog von der gleichnamigen Insel an Bord.
Foto: Bremer Nachrichten vom 7.1.1963.
6.1.1969. Noch auf der Osterdeichwiese am Fuß der Treppe Oberweserstraße vor 300 Zuschauern. Links Präsident Karl Löbe, rechts der Schneider. Die Zeremonie dauerte schon eine halbe Stunde. Foto: Weser-Kurier vom 7.1.1969.

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Mehr Spektakel mit Präsident Gätjen (ab 1971)

Die erste Eiswettprobe unter dem neuen Präsidenten Klaus Gätjen[1] im Jahr 1971 war, laut Weser-Kurier, „eine kleine Staatsaktion mit Polizeiaufgebot (…) und einer Reihe schwerer Limousinen.“[2] Bis dahin hatte sie auf der Osterdeichwiese stattgefunden; am Fuße der Treppe, die auf Höhe Oberweserstraße vom Osterdeich hinunterführt, bis sie im Flachen endet. Da sie recht schmal und steil ist, kam das Hinuntergehen nicht sehr würdevoll daher. Die Zeremonie spielte sich im flachen Stück der Osterdeichwiese zwischen dem gepflasterten Uferwanderweg und dem Treppenaufgang ab. Da waren nasse Füße nicht immer zu vermeiden. Präsident Gätjen verlegte den Ort des Geschehens zweihundert Meter weiter östlich auf die mit Steinplatten belegte Aussichtsplattform an der Sielwallfähre.

Die neue „Bühne“ seit 1971. Hier die Eiswettprobe am 6.1.2020. Foto: Micha Leykum

Die sorgt bis heute nicht nur für trockene Füße, sondern erlaubt es auch den in feierliches Schwarz gekleideten Männern sich in lockerer Formation über einen langsam abfallenden, asphaltierten Weg würdevoll zum Deich hinunter zu bewegen, [3] wobei sie

[1] Dr. jur. Klaus Gätjen, geboren am 1. April 1926, Rechtsanwalt, war von 1971 bis 1975 und von 1979 bis 1983 Eiswettpräsident. Er war Diakon und Bauherr der St. Remberti-Gemeinde, Aufsichtsratsvorsitzender der Schnoor GmbH. „Ihm verdankt die Eiswette eine deutliche Modernisierung der Dramaturgie der Eiswettfeier.“ In: Rüdiger Hoffmann, 175 Jahre Eiswette von 1829 in Bremen. Hrsg. von der Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg – Girozentrael. Bremen 2004. S.105.; Autoren: Günther Eisenführ und Heinz Holtgrefe. Fotos: Frank Pusch.
[2] Weser-Kurier vom 7.1.1971.
[3] Er zweigt vom Fußgängerweg auf dem Osterdeich in Höhe des Hauses Osterdeich 29 ab und ist 80 Schritte lang.

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es nicht versäumen, dem Publikum leutselig mit ihren Zylindern zuzuwinken.

6.1.2019 – „O alte Burschenherrlichkeit“ – Präsident Wendisch mit der Schneider-Elle schreitet inmitten der Eiswettgenossen den Osterdeich hinunter. Foto: Verfasser

Den Einmarsch der Protagonisten ließ Gätjen 1971 zum ersten Mal mit der Musik einer echten Kapelle begleiten. Das verlieh dem Ganzen eine bis dahin nicht gekannte spektakukläre Note. Die Plattform war auch der ideale Ort, um ein Utensiel standsicher aufzustellen, dass sich Gätjen ausgedacht hatte: die Sackwaage. Sie bot Gelegenheit zu einem Klamauk, der bis heute ein zentraler Teil der Zeremonie ist. Für die Überprüfung des Schneider’schen Gewichts hatten zwei weitere Neuheiten Sorge zu tragen: die Figuren des „Notarius publicus“ und des „Medicus“, gespielt von begeisterten Amateurdarstellern aus der Reihe der Eiswettgenossen. Sie erschienen in schwarzen Talaren mit altertümlichen Langperücken im Stil englischer Gerichte und verwickelten den Schneider in zum Teil absurde Gespräche.                                     

Für 1971 ist folgender Dialog überliefert
Notarius: Der Schneider fehlt!“ (Der Schneider erscheint).
Präsident: Sieh an, Meister Zwirn, die Letzten sollen die Ersten sein.
Schneider: Wi meent Se dat? Goon Dag ok.
Präsident: Ich wollte fragen, ob Sie es heute wagen – heute zu tragen – das Bügeleisen zum anderene Ufer hin.
Schneider: Klor, mokt wi, is’ lütttchen Spoß.
Präsident: Na, meint Ihr, die Weser trägt Euch?
Schneider: Gor keen Problem, loop ick rober!
Aber erst will ick mol min Buddel hebben.
                                                                 
Präsident: Erst das Wiegen!
Medicus: Der Schneider wiegt 100 und ein viertel Pfund. 
Präsident: Donnerslag, Snieder, wat kommt Se innen Sinn? Und nu?
Vize-Präsident: Der Schneider wurde mit Bügeleisen gewogen und die Kleidung wiegt auch was. Am besten, wir ziehen ihn aus.
Schneider: Hu gottuguttugut, uttrecken, hier vor all die Domens, nee, dat is mi to schenierlich.

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Präsident: Gut, lieber Schneider. Herr Medicus, wiegen sie Meister Zwirn noch einmal ohne Bügeleisen.
Medicus: Jetzt sind’s 99 Pfund!
Präsident: Alles in Ordnung. Ist das Bügeleisen auch heiß?
Schneider: Jo, klor, feste!
Präsident: Herr Notarius, bitte prüfen Sie!
Notarius: Au, au, hab‘ ich mich verbrannt!
Präsident (zum Schneider): Und was sagt Eure Frau dazu? Die hattet Ihr doch im vergangenen Jahr mitgebracht.

Schneider: Jo,jo, eenmol und nich wedder. Min Olsch hett her nix to seuken. Pussiert hett se letzt Johr mit den Alt-Präsidenten Löbe! Deubel noch mol – de kunn dat. 
                                                                                                     
(Der Schneider klettert an Bord des Schiffes.)
Präsident: Der Schneider hat uns reingelegt!
(Schlusswort nach dem Steinewerfen) Präsident: De Werser geiht![1]

Schon ein Jahr nach diesem Spektakel hatte der Bremer Schneider seinen ersten Auftritt im Bremer Umland. In Hagen im Bremischen prüft er seit 1972 auf einem Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), ob die Aue „geiht oder steiht“.

Die erste Kapelle 1971 war das Musikkorps der Schutzpolizei, um deren Teilnahme Präsident Gätjen den Bremer Bürgermeister Hans Koschnick persönlich gebeten hatte. Die Temperaturen waren allerdings mit 12 Grad minus so niedrig, dass die Musiker immer wieder im geheizten Mannschaftswagen Zuflucht nehmen mussten, um ihre Instrumente vor dem Einfrieren zu bewahren. Kappellen begleiteten die Zeremonie 26 Jahre lang. Sie spielten  Marschmusik (1972) oder „fröhliche Weisen (1974), ab 1975 dann „O alte Burschenherrlichkeit“, das alte Burschenschaftslied, das bis vor einigen Jahren auf jeder Eiswettprobe erklang, mal beim Einmarsch der Novizen, mal bei ihrem Abgang.[2] 1980 hatte der Dirigent des Polizei-Musikkorps, Max Milde, eine „Eiswettfanfare“ komponiert, die einige Male erklang. 1983 übernahm das Heeresmusikkorps 11 aus Grohn das musikalische Kommando mit Marschklängen. 1991 kam das Marinemusikkorps Nordsee aus Wilhelmhaven mit Korvettenkapitän Michael. „Die Musiker blieben mit ihren Instrumenten im Bus, um die kostbaren Teile vor dem Regen zu schützen.“[3] 1995 spielte das Bundesbahn-Orchester. Als 1996 ein Orchester der Bundeswehr seine Instrumente wegen der großen Kälte gar nicht erst auspackte und die Klänge des Marsches „Fredericus Rex“ und von „Tannhäuser“ vom Band erklangen, hatte man im Präsidium ein Einsehen. 1997 verschwand die Kapelle. Seitdem erklingt Musik, den Unbillen des Bremer Wetters geschuldet, vom Band.   

Immer wieder wurde die Eisprobe „aufgepeppt“. 1970 hatte das „arme Schneiderweib“ einen Auftritt, als ihr „wildes Schluchzen“ und das ihrer „drei armen, unmündigen Kinder“ die Ansprache des Präsidenten unterbrach. „Sie stand trauervoll … vor dem grausamen Herrn Eiswettpräsidenten, der da so einfach verlangte, Meister Zwirn solle sich stracks auf die Weser begeben.“ Es blieb bei diesem Auftritt. 1972 erchien ein Mann im „Herold“-Kostüm, was immer das heißen mochte. Ihm hatte man die ehrenvolle Aufgabe übertragen, einen Rupfensack mit den für die Eisprobe nötigen Steinen mit sich zu führen. Nach einigen Jahren verschwand er wieder. Seine Aufgabe übernahmen ab 1975 zwei als „Pagen“ verkleidete Kinder. 1980 erschien zum ersten Mal ein „Zeremonienmeister“, der seitdem, in Begleitung der beiden „Pagen“, als erster den Punkendeich hinabschreitet und eine kurze Einführungs-Ansprache auf Platt hält. Er war ebenso der Phantasie Gätjen entsprungen, wie auch die „Frau Weser“, eine Dame „im wallenden weißen Mantel und mit blitzendem Diadem im

[1] Bremer Nachrichten vom 7.1.1971. Reportage von E. Grunwald.
[2] Es ist „fester Bestandteil des von Studentenverbindungen gesungenen Repertoires von Studentenliedern und im Allgemeinen Deutschen Kommersbuch abgedruckt.“ Wikipedia Stichwort o alte Burschenherrlichkeit am 4.1.1917.
[3] Weser-Kurier vom 7.1.1991.

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Ingrid Anders vom Niederdeutschen Theater, die Ehefrau des Schneiders Manfred Ebel, als Frau Weser. Weser-Kurier 7. Januar 1982. Foto: Staatsarchiv Bremen / Jochen Stoss

„Blondhaar“. Sie war 1982 und 1983 dabei. Nachdem sie bei ihrem dritten Auftritt 1984 den Schneider „verführt“ und ihn auf das Seenotrettungsboot „Tünnis“ entführt hatte, ward sie nicht mehr gesehen.[1]

Seit 1958 durften die „Novizen“ – damals „Junioren“ genannt – mit aufmarschieren, aus Respekt vor den Zylinder tragenden Altgenossen nur Melonen tragend. Sie stehen seit vielen Jahren schweigend herum, durchliefen aber eine lange Klamauk-Phase. 1980 brachten sie zum ersten Mal das dreifache „Hepp, hepp, hurra!“ zu Gehör, ein Ruf, der auf dem Schaffermahl üblich ist. Er gehörte bald zum festen Ritual, wobei das erste „Hepp“ langgezogen wird. 1992 kamen sechs von ihnen „nur so zum Spaß“ mit einem alten Feuerwehrwagen und rannten, mit Feuerwehrhelmen den Deich hinunter.[2] 2000 kamen sie in einer „Grünen Minna“ der Polizei. 2003 paddelten sie vom Martinianleger bis zum Punkendeich in einem Boot-Gebilde, das sie Eisscholle nannten. Lehrlinge der Werft des Eiswettgenossen Lürssen hatten es gebaut. Es war mit einem (unechten) Eisbären und einigen (ebenso unechten) Pinguinen bestückt.

[1] Weser-Kurier vom 7.1. 1982, 1983 und 1984.
[2] Weser-Kurier vom 7.1.1992.

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Die Novizen kommen auf der „Eisscholle“ über die Weser, ein Eigenbau der Reederei Lürssen:  Weser-Kurier 7.Januar 2003. Foto: Staatsarchiv Bremen / Jochen Stoss

2004 kamen sie in vier „Rikschas“ zum Osterdeich gerollt. Die letzte Eselei wurde von 2006 berichtet, als sie tatsächlich auf richtigen Eseln angeritten kamen. Gätjen hatte 1975 auch den Laufschritt der Novizen den Punkendeich hinunter eingeführt. Seit 2009 hat man in Anbetracht des nicht mehr ganz jugendlichen Alters der Neuen davon Abstand genommen.Der größte Klamauk des Schneiders – auch der von Gätjen 1980 eingeführt – war sein Zuspätkommen, das er bis zum heutigen Tag als „running gag“ beibehalten hat. Auch der Schneider bemühte sich um mehr Klamauk: 1995 kam er in einer riesigen Mülltonne den Deich hinuntergerollt, 1996 auf einem Skateboard, 1998 mit einem Helm der „Vulkan“-Werft auf dem Kopf, 2008 mit einem Rennrad und 2014 mit einer Friedhofs-Urne. 

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Schnappschüsse aus jüngster Zeit

Januar 2013

Ein einsamer Zeremonienmeister spricht die ersten Worte. Foto: Verfasser 
Eine alleinstehende Sackwaage vor klassischer Binnenwasserkulisse im Regen.
Foto: Verfasser

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Regenschirme unerwünscht – sonst sieht man ja nix. Foto: Verfasser

Januar 2014

Für’n Bier zu kalt. Foto: Verfasser

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Lieber n’Kaffee zum Aufwärmen. Immerhin kein Regen : Foto: Verfasser

Januar 2017

Die Schlange ist lang. Hier gibt’s was umsonst. Foto: Verfasser

Seite 51


Die Portion ist übersichtlich. Foto: Verfasser
Diesmal sind die Pagen nicht geflohen. Auch am gegenüberliegenden Ufer stehen Schaulustige. Foto: Verfasser

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Politisch korrekt, historisch fragwürdig: Zum ersten Mal ohne schwarz geschminkten König. Foto: Verfasser

Januar 2019

Zeremonienmeister und Pagen bilden die Spitze. Im Hintergrund die Allonge-Perrücken von „Medicus“ und „Notarius Publicus“. Foto: Verfasser

Seite 53


Die Herren lassen sich Zeit. Foto: Verfasser
Die Novizen mit ihren Melonen kommen als Letzte auf die Bühne. Foto: Verfasser

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Vom „Jungstheater“ …

Mit dem ständigen Auftritt des Schneiders im Jahr 1956 war Leben in die dröge Steinwurf-Zeremonie gekommen, zumal seine Amateur-Darsteller, das Plattdeutsche pflegend, kräftig ins Horn des Alltäglichen stießen und im Gespräch mit dem Präsidenten eine gewisse Frechheit an den Tag legten. Mit dem Medicus und dem Notarius publicus als Partner hatte es der Schneider nun mit drei Dialogpartnern zu tun. Das wirkte sich auf die Lebendigkeit des Ganzen vorteilhaft aus. Während der Präsident eher den seriösen Part spielte, verwickelte der Schneider die beiden anderen „Offiziellen“ gern in absurde Dialoge. Der Schneider wurde die zentrale Figur der Zeremonie. Die Zahl der Zuschauer stieg – wenn auch wetterabhängig. Bald waren es mehrere hundert. 1971: 300; 1980: 1000: 1981: 2000: (1983: 300; 2018: 400; 2020: 1000) so dass man dazu überging, einen Lautsprecher einzusetzten. Bei „Sauwetter“- wie 1991 – kamen auch mal nur 100. Medicus und Notarius publicus schrieben ihre Texte selbst und lasen sie abwechselnd im Wechsel vor. Das ging nicht immer gut. In den Zeitungsreportagen war von so manchem „Hänger“ die Rede: „Und dann plötzlich war es still. Text vergessen. Auch ein paar Versprecher. Kommt vor. Nur, wie weitermachen? Guck mal auf Seite 14, sagt der Schneider. Ich habe nur ungerade Seiten, ist die Antwort.“ Manche Textstellen lagen auch daneben. Schneider: „Das geht in die Annalen der Eiswette ein:“ Medicus: „Bitte keine proktologischen Anspielungen!“ Es ging, ohne erkennbaren inhaltlichen Zusammenhang, von „Migration“ über „Vibration“ zu „Vibrator“ bis hin zur verbalen Entgleisung, wie 2013, als der Schneider irgendwie auf brennbare Kleider zu sprechen kam, um dann zu sagen. „Da kann einem ja Angst und Bangldesh werden!“  Das war eine geschmacklose Anspielung auf den Brand in der Tazreen-Kleiderfabrik, der sich sechs Wochen vorher mit 117 Toten in Bangldesh ereignet hatte.[1]
Es war immer laut und nicht unbedingt für zarte Gemüter geeignet. Der Schneider hatte einen Text auswendig gelernt, der von einem Theater-Dramturgen aus Hamburg verfasst war. Dabei kam fast jedes Mal die Verkehrspolitik des Senats zur Sprache. Sie wurde mehrfach „in Grund und Boden verdammt,“ wie es in einer Reportage hieß. Die angebliche Autofeindlichkeit des Senats wurde in allen Fällen durchdekliniert. Mal ging es um Tempolimit und Ampeln, die den Verkehr behinderten, mal um „Krampfradler – alles „Lohse-Apostel“ (so hieß der grüne Verkehrssenator – d. Verf.). Das Thema war unerschöpflich: von der Umgestaltung einer Kreuzung (der„Stern“- zu teuer und wirkungslos) bis zu Baustellen, die den Verkehr behinderten, von einer vorübergehenden Einbahnstraßenregelung Am Wall bis zu einem viel

[1] Der Brand geschah am 24. November 2012. Es war der bis dahin schwerste in einer Textilfabrik in Bangladesh. Die Kleiderfabrik produzierte unter anderem auch für C&A, Walmart und Li & Fung. Der Ministerpräsident rief einen Tag nationaler Trauer aus. Vgl. Wikipedia, Stichwort „Brand in der Tazreen-Kleiderfabrik“ vom 28.12.2019.

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zu teuren  Verkehrsgutachten für den Concordia-Tunnel; zusammengefasst in der Schreckens-Vision, dass man „schon gar nicht mehr mit dem Auto in die Stadt fahren kann.“ Die drei Könige demonstrierten das, als sie auf Fahrrädern den Punkendeich hinunter ankamen. Beliebte Themen waren auch Bildungsdefizite Bremer Schüler und die Pro-Kopf-Verschuldung des Landes. Die klare politische Ausrichtung der Texte war das eine, ihr Niveau das andere. Ein Reporter schrieb: „Ein Stakkato an Stichworten und selten mal eine Pointe.“ Ein anderer fasste sein Lob in einem vieldeutigen Satz zusammen: „Das Schauspiel am Deich ist ein Gaudi, wenn es gelingt.“ Die Ansprüche an das kulturelle Niveau waren bescheiden. Der bis 2012 amtierende Präsident Peter Braun war’s zufrieden: „Das ist Jungstheater“. [1]„Die Eiswettprobe ist so ein bisschen wie „Dinner for one“ an Silvester.Man weiß genau, was passiert und trotzdem ist es immer wieder toll.“.

… zur professionellen Schauspieltruppe

Mit dem Amtsantritt von Präsident Patrick Wendisch 2013 trat die Eisprobe in eine neue Phase. Sie ist heute „in fester Hand der Bremer Shakespeare-Company.“[2] Es begann 2014 mit der „Flurbereinigung“, als die Bremer mit Lizenzverträgen versuchten, die Eiswetten im norddeutschen Raum nach ihrem Maß zu gestalten. In das gleiche Jahr fiel das Engagement des Schweizer Schauspielers Peter Lüchinger von der Shakespeare-Company als Schneider. Mit ihm hörte auch „Medicus“ Uwe Lühring auf, der, wie „Alt-Schneider“ Goebel, seit 1989 dabei war. Ihn ersetzte Christian Bergmann, ebenfalls von der Shakespeare-Company. Es folgte die Bestellung von Jürgen Kropp, Autor und Dramaturg aus Blickstedt bei Kiel, als Texter. [3] Seit 2016 spricht der Schneider seine Texte[4]. Im nächsten Akt wurden die drei Könige als musikalischer Part in die Zeremonie eingebaut. Dafür wurden Tobias Dürr, Markus Seuß und Michael Meyer von der Shakespeare Company engagiert.

[1] „Am Deich, das ist Jungstheater, und 2500 Menschen schauen zu. Es ist ein Stück Kult und ein Stück Kultur.“ Gespräch mit Jürgen Hinrichs. Weser-Kurier am 18. Januar 2013. Peter Braun, Eiswette-Präsident von 2004 – 2012. 1995 bis 1999 Landesvorsitzender der FDP; Geschäftsführer der Peter Braun GmbH Personalberatung.
[2] Sigrid Schuer im Weser-Kurier vom 5. Januar 2019 in ihrer Reportage „Wie eine Narrenfigur von Shakespeare.“
[3] Er schreibt Lyrik, Prosa und Theaterstücke auf Hoch- und Plattdeutsch. Vgl. Wikipedia, Stichwort „Jürgen Kropp“ am 16. Oktober 2019.
[4] „Für mich geht es vor allem darum, den Text auswendig zu lernen. Das ist immer sehr stressig, weil ich den Text ja nur ein einziges Mal brauche.“ Auf die Frage , ob er „eigenes mit einbringen“ könne, antwortete Lüchinger: „Etwas schon. Wir geben (…) einige Themen vor, die wir uns vorstellen können. Der macht daraus dann eine Geschichte.“ Aus: Interview mit Peter Lüchinger im Stadtmagazin Bremen. Januar 2017, S. 8.

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2018 erhielt die Zeremonie ein Vorprogramm mit dem Alleinunterhalter und Shanty-Sänger Jonny Glut, alias Herbert Jebens, und der Akkordeonistin Gila Fischer erweitert.[1] Die Eiswettgenossen lassen sich ihr Privattheater einiges kosten. Auch der organisatorische Aufwand ist erheblich. 2018 waren  außer der Polizei acht Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) und über zwanzig Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft zur Schiffbrüchige (DGzRS) im Einsatz, um einen gesicherten Ablauf zu garantieren und für Absperrungen der „Bühne“ zu sorgen, damit der Schneider sich großräumig vor den 400 Zuschauern entfalten konnte.[2]

Seit 2017 im Vorprogramm: Hubert Jebens alias Jonny Glut, Shanty-Sänger (und mehr); in Begleitung von Gila Fischer am Akkordeon. Foto: Verfasser

[1] Er war 2020 wegen eines anderen Engagements ausnahmsweise nicht dabei.
[2] Bericht im Weser-Kurier vom 7. Januar 2018 von Antje Stürmann, S.11

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Die Stadtmusikanten-Pyramide der Shakespeare-Company 2019. Von unten nach oben: Peter Lüchinger, Markus Seuß, Michael Meyer und Tobias Dürr.Im Hintergrund links mit Schneider-Elle und Manuskript Präsident Patrick Wendisch. Foto: Frank Thomas Koch

Die Metamorphosen der Eiswettprobe

Das Spektrum der 91 Eisproben seit 1929 ist breit. Schon ihre Dauer variiert gewaltig zwischen 3 Minuten und einer Stunde. Der Initiator Hans Wagenführ hatte sich noch den Spaß gemacht, die Eisdicke und den Ort der Begehung mit Messgerät und Lageplan zu prüfen, bevor sein Nachfolger Hugo Gebert zu schlichten Steinwürfen oder Schneebällen überging. Die Eiswettprobe mit dem Kamel von 1934 war das Vorbild für Präsident Borttscheller, der sich zweimal vergeblich um eine Neuauflage des Spektakels bemühte. Ab 1956 war dann der Schneider mit seinem „Fluchtboot“ immer dabei, begleitet

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von drei stummen „Königen“. In den nächsten Jahrzehnten folgte nur noch eine Reihe von Garnierungen, von denen sich lediglich die Figuren des „Notarius publicus“ und des „Medicus“, sowie die Sackwaage gehalten haben. Das Ganze war eher Schaubild als Schauspiel, weil die weitaus größte Zahl der Protagonisten – das Dutzend Präsidiumsmitglieder, die fünf bis acht Novizen und die drei „Könige“ – stumm und bewegungslos der Zeremonie beiwohnte. Am meisten Spaß hatten wohl immer die drei aktiven Eiswettgenossen in ihren Dialogen mit dem Schneider. Es war das von Präsident Braun 2013 so trefflich charakterisierte Jungstheater: Heute wird das Eiswette-Spektakel von einer Profitruppe dargestellt. Neben sieben Berufsschauspielern (das Vorpiel eingerechnet), befindet sich nur noch einen Amateur in ihren Reihen, der „Notarius publicus“ Thomas Röwekampf, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes. Den Status des laienhaften „Jungstheaters“ hat sie längst verlassen.[1]

Der Bremer Kulturwissenschaftler Rainer Stollmann hat die Eiswettprobe einmal als „Ersatzkarneval“ bezeichnet. [2] Aber das Bild stimmt nicht, denn die Wirkung der Eisprobe endet unmittelbar nach Abmarsch der Darsteller. Das Publikum löst sich sofort auf; ein jeder geht seinen privaten oder geschäftlichen Tätigkeiten nach. Nur die Präsidiumsmitglieder finden sich anschließend noch in geselliger Runde bei einem guten Tropfen oder auch mal zu einem guten Essen zur Protokollunterzeichnung zusammen. [3] Der eigentliche Festakt findet erst am dritten Sonnabend im Januar im größten Festsaal Bremens statt, wenn die 234 Eiswettgenossen mit ihren 536 handverlesenen Gästen (Zahlen vom 18. Januar 2020) – seit 2020 fernab der Öffentlichkeit – ihr exklusives Fest feiern. Eher findet man in den außerbremischen Eiswetten Elemente von Karneval, wenn sie ihren Ehrengästen auch mal auf den Zahn fühlen. Bei ihnen liegen Planung, Durchführung und vor allem das anschließende Feiern in den Händen von allen Bürgern, die daran teilhaben wollen. Es ist kein Wunder, dass die norddeutschen Eiswetten den Bremern die kalte Schulter zeigten, als sie Lizenzverträge nach dem Maß der Bremer abschließen sollten. Die Anwesenheit bei der Bremer Eisprobe erfordert vom Zuschauer unter Umständen sogar eine gewisse Leidensfähigkeit, wenn er bei „Schietwetter“ über eine Stunde Halt auf dem glitschigen Deich suchen muss. Niemand wird ernsthaft erwarten, dass der Klecks Kohl und Pinkel für lau eine karnevalsähnliche Stimmung aufkommen lässt.

Entscheidend dafür ist noch etwas anderes: Es fehlt das, was den Karneval erst ausmacht: der deftige Spott auf die Mächtigen.

[1] Außer Peter Lüchinger, der mit seinem Bügeleisen eine feste Größe bei der Novizen-Inauguration ist, war auch Christian Bergmann, Eiswette-Darsteller und Regisseur der shakespeare company, Gast auf der Eiswette am 18. Januar 2020. 
[2] In einem Gespräch mit dem Journalisten Jörn Hüttmann im Weser-Kurier vom 22.1.2012.
[3] „Das Präsidium (…) wanderte wieder den Osterdeich hinauf, um bei Wein und gutem Essen das Protokoll zu unterschreiben”. Weser-Kurier vom 7.01.1954.

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Das konnte sich sogar einmal umkehren wie 2011, im Jahr des schwäbischen Volkszorns gegen den neuen Stuttgarter Bahnhof, als sich der Schneider nicht über die Politiker, sondern über die empörten Bürger lustig machte. Er marschierte – einen Demonstranten imitierend – mit einem Pappplakat, auf das er die alberne Parole gemalt hatte „Wir sind dagegen“, auf das Publikum zu und forderte es – mit mäßigem Erfolg – auf, diesen Spruch zu skandieren. Der Wind am Deich weht eher von rechts. Das gilt auch für einen Aspekt, der die Eiswette von der Shakespeare Company unterscheidet. Mit ihrem Theaterformat „Von den Akten auf die Bühne“ widmet sie sich der Darstellung politisch frag- und denkwürdiger Vorgänge in der jüngsten Bremer Geschichte.[1] Die gestandenen Herren der Eiswettgenossenschaft hingegen sind seit  75 Jahren nicht Manns genug, sich ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit zu stellen.[2]

Der Schneider hätte noch am ehesten das Zeug dazu, den Eisproben einen Anflug von Volksfest zu geben. Er genießt auch über Bremen hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad und Popularität, wie die Nachahmer-Eiswetten zeigen. Das erfährt Peter Lüchinger manchmal am eigenen Leib, wenn er in der Stadt wohlwollend auf seine Rolle als Schneider angesprochen wird. Lüchinger hat das ehrgeizige Ziel, ihn als „volksnahe Shakespeare’sche Narrenfigur“ anzulegen[3]: „Einmal im Jahr darf er sagen, was er denkt – was vorgeht in der Stadt und im Leben.“[4] Da hätte sich im Jahr 2020 das Thema Frauen auf der Eiswette angeboten. Der Reporter von buten und binnen, der diese Überlegung anstellte[5], wurde enttäuscht: „Kein schneiderischer Spott. Gar kein Seitenhieb zum Frauenthema. Ob da nicht die einflussreichen Herren wohl Einfluss genommen haben?“ Das ist nicht von der Hand zu weisen, ist der Schneider doch selbst Teil des Novizen-Rituals.[6] Der Reporter hakte nach und befragte den Vorgänger Burckhard Goebel, der 25Jahre lang der Schneider war, ob

[1] Allein im Januar und Februar 2020 plante sie im Rahmen der Bremer “Tage des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ die Teilnahme an vier Aufführungen, bzw. deren eigene Gestaltung.
[2] Alle Hinweise zu diesem Thema in ihren Veröffentlichungen sind geschönt. Jüngstes Beispiel ist die Website. Dort wird das Kapitel in einem kryptischen Halbsatz zusammengefasst als die „zunächst ungewisse Zukunft der Eiswette nach dem Zweiten Weltkrieg“. Stand 25.12.2019. Vgl. Kapitel 3 dieser Website „Mit den Wölfen geheult.“und Kapitel 5 „Die Entnazifizierung der Eiswettgenossen“.
[3] „Wie eine Narrenfigur von Shakespeare“. Artikel von Sigrid Schuer im Weser-Kurier vom 5. Januar 2019, S.13. Im Gespräch sagte Lüchinger über den Schneider: „Er hat schon etwas von einer volksnahen Sphespeare‘schen Narrenfigur, die ihren Mitmenschen den Spiegel vorhält.“
[4] Lüchinger im Gespräch mit buten und binnen von Radio Bremen am gleichen Tag. Alle Zitate in diesem Absatz sind dieser Reportage entnommen, zum Teil aus einem kurzen Interview mit Burckhard Göbel, dem Vorgänger von Lüchinger.
[5] Der Reporter stellte sich die Schneider-Figur so vor: „Spöttisch, tollkühn. Er soll alles durch den Kakao ziehen, allen voran natürlich die Mächtigen, die Einflussreichen in Bremen.“ Vgl. die Originalaufnahme der Reportage unten.
[6] Sie schwören auf dem Eiswettfest den Eiswette-Eid auf sein Bügeleisen.

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er sich die Pointe mit den Frauen hätte entgehen lassen. Dessen Antwort überrascht nicht: Er hätte nie etwas Wichtiges selbst in den Text eingebracht.

buten und binnen-Reportage über die Bremer Eiswettprobe am 6.1.2020

Die Reportage von buten und binnen dauert 2:51 Minuten. (Zum Anschauen auf den Pfeil in der Bildmitte klicken.)

 „Der Eiswettpräsident bleibt verschont“, stand im Text der Reportage, „zum Glück. Wer lacht schon gerne über sich selbst?“ Unter diesen Voraussetzungen wird es der Eiswette-Schneider schwer haben, eine „Shakespeare’sche Narrenfigur“ zu werden. Im Grund ist er eher eine traurige Figur, hat er die Aufgabe, für die er einst erschaffen wurde, doch nie erfüllen können. Und das wird sich – aller Voraussicht nach – auch nicht ändern.

Die Eiswettprobe ist Teil der Novizen-Inauguration

Die Eiswettprobe ist zwar kein „190 Jahre altes kaufmännisches Ritual“, wie es unbeirrt in den Reportagen zu lesen ist, aber sie hat seit Jahrzehnten eine wichtige Aufgabe bei der Novizen-Inauguration. 1958 war deren Anwesenheit auf der Eiswettprobe noch eine besondere Ehre für sie. Heute ist es ihre Pflicht. Am Anfang des Aufnahme-Rituals steht die Entscheidung des Präsidiums über die Zahl der Novizen. Sie hängt davon ab, ob man die Gesamtzahl der Eiswettgenossen von 275 nicht wesentlich überschreitet. Seit 1970 hält man sich in etwa an diese Grenze.[1] Als Nächstes wählt das Präsidium die Novizen aus. „Wie man Eiswett-Genosse wird und welche Kriterien das hochweise Präsidium bei der Auswahl der Novizen anlegt, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse in Bremen. Nur so viel ist durchgedrungen: Wer sich selbst bewirbt, kann in der Gewissheit leben, nie Eiswettgenosse zu werden.“ Das Zitat ist von Alt-Präsident Günther Eisenführ – damals Mitglied des Präsidiums – aus seinem Aufsatz zur 150-Jahr-Feier.[2] Nach der Ernennung zum Novizen dauert es noch ein Jahr, bevor die Aufnahme als Eiswettgenosse erfolgt. „Armut (…) Demut gegenüber dem hochmögenden Präsidium und Keuscheit, (…) das sind die Forderungen, denen sich Eiswett-Novizen nach der Ernennung durch das Präsidium in ihrer einjährigen Vorbereitung auf die Aufnahme in die Eiswett-Genossenschaft gegenübersehen. Vom Bestehen dieser Prüfung hängt es ab, ob sie aufgenommen werden oder nicht.“

[1] Es gab einen formellen Beschluss auf der Grundlage eines Antrags von Präsident Löbe. Vgl. Löbe, a.a.O., S. 131/132. 
[2] In: Rüdiger Hoffmann, 175 Jahre Eiswette von 1829 in Bremen, hrsg. von der Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg. Bremen 2004, S. 5 -10, hier S.10.

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Das ist kein Zitat aus dem Programm der Bubenreuther Burschenschaft von 1856,[1] sondern der gleichen Festschrift entnommen.[2] Zur Überraschung des Publikums legten die Novizen auf der Eiswette von 1984 tatsächlich ein öffentliches Gelöbnis in diesem Sinne ab, ernteten aber Gelächter, weil man ihnen „das Gelöbnis der Armut nicht ganz abnehmen wollte“.[3] Derartiges findet heute nicht mehr statt. So ernst werden die Ansprüche ja nicht genommen. Allerdings leisten die Novizen am Tag ihrer Aufnahme, die auf der Eiswette nach der Eisprobe erfolgt, einen Schwur auf das Bügeleisen, in dem sich Spaß und Ernst mischen und in dem sie u.a. geloben, „in Liebe und Treue zu unserem Vaterland und zu unseren Heimatstädten Bremen und Bremerhaven zu halten …“[4] Seit etwa zwanzig Jahren ist für die Novizen eine weitere Pflicht mit der Eisprobe verbunden: Sie müssen am Vorabend des Tages, an dem sie sich pflichtgemäß mit ihren Melonen der Öffentlichkeit vorstellen, eine besondere Veranstaltung durchführen, „um sich dem hochweisen Präsidium (…) vorzustellen und dasselbe gnädig zu stimmen für den Akt der Aufnahme.“ Eine derartige Veranstaltung ist im Jubiläumsband zur 175-Jahr-Feier beschrieben: „In sieben Inszenierungen an wechselnden Schauplätzen in der nächtlichen Bremer Innenstadt stellte sich jeder der zukünftigen Eiswegttgenossen vor, nachdem sich alle sieben zuvor, einer alten Bremer Geschichte folgend, schläfrig und unmotiviert als „Die sieben Faulen“ in der Böttchergasse präsentiert hatten. Nach einer Irrfahrt in einem britischen Doppedeckerbus, zu dem das Präsidium wie selbstverständlich genötigt wurde, landete die Truppe, Präsidium im Oberdeck, Novizen in der unteren Busetage, in einem Bremer Landhaus, wo die durch solche Zumutungen ausgelöste schlecht Laune das Präsidium durch den 93er Château Angelus St. Emilion Grand Cru Classé und einem alles in allem bescheidenen Nachtmahl in sieben Gängen eine gewisse Milderung erfuhr.“[5] So wie die Eiswettprobe am Punkendeich integraler Bestandteil der großen Eiswette-Runde der 770 (am 18. Januar 2020) ist, so ist es auch der Schneider in persona.

[1] Martin Donandt (1852 bis 1937), Bremer Bürgermeister von 1920 bis 1933, war Mitglied  dieser Burschenschaft. Vgl. Theodor Spitta, Dr. Martin Donandt, Bürgermeister von Bremen. Ein bremisches Lebens- und Zeitbild. Für die Familie Donandt aufgezeichnet. Als Handschrift gedruckt 1938., S.30/31. Zweite, überarbeitete Auflage Bremen 1948.
[2] A.a.O., S.85.
[3] Reportage im Weser-Kurier vom 7. 1.1984. Wie oft und wann der Schwur öffentlich auf den Eiswettproben geleistet wurde, ergibt sich aus den Zeitungsberichten nicht. Damals waren es offensichtlich Novizen, die ihr „Bewährungsjahr“ noch vor sich hatten.
[4] Hermann Gutmann, a.a.O., S.128.
[5] Rüdiger Hoffmann, a.a.O., S.20. Beschreibungen von Vorabend-Feiern aus neuester Zeit finden sich im Bericht von Sigrid Schuer über die Eiswette 2019 im Weser-Kurier vom 8. Januar 2019.

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Ein bisschen Protest und mehr 

Normalerweise bietet eine harmlose Veranstaltung wie die Eisprobe am Punkendeich keine Veranlassung für Bürger-Proteste, wohl aber kann sie ein Medium dafür sein. Das geschah mindestens fünf Mal in ihrer Geschichte. 1988 kam es zu einer Aktion, über die der Weser-Kurier wohlwollend berichtete: „Mitten in dieser Honoratiorengruppe war plötzlich ein, sagen wir: „Paxicus pfifficus“ zu sehen, der Franz-Josef Strauß verblüffend ähnlichsah, aber nur, weil er eine entsprechende Maske über den Kopf gestülpt hatte. Wer war’s? Na klar, Dr. Ernst Busche von der Deutschen Friedensunion (DFU), der dagegen protestierten wollte, dass das bayrische Original zum Eiswett-Essen am 18. Janur in die „Glocke“ eingeladen worden ist.“ [1] Wie auf dem Foto ersichtlich, ließ man ihn gewähren.

Eiswettprobe am 6.1.1988. Ernst Busche von der Deutschen Friedensunion protestiert gegen die Einladung von Franz-Josef Strauß auf die Eiswettfeier. 
Foto: Staatsarchiv Bremen / Jochen Stoss

Im nächsten Jahr war der Protest weitaus gewichtiger und spektakulärer. Bremer Nautikstudenten und Seeleute protestierten gegen Zweitregister und Billigflaggen. Ihr Zorn richtete sich gegen den Bremer FDP-Landesvorsitzenden Manfred Richter, der als Bundestagsabgeordneter für das entsprechende Gesetz eingetreten war und als Gast auf der Eiswettfeier erwartet wurde. Auf einem Flugblatt warf man ihm vor, dass er sich „zum Totengräber der Seeschifffahrt unter zivilisierten Sozial- und Sicherheitsbedingungen“ mache.[2] Am Ende der Eiswettprobe blockierten Demonstranten mit einem langen

[1] Weser-Kurier vom 7.1.1988.
[2] Das Zweitregistergesetz erlaubte es deutschen Reedern, deutsche Besatzungen durch billigere Ausländer zu ersetzen, die nicht unter dem Schutz des deutschen Tarifrechts standen. Unter anderem klagten die Gewerkschaften ÖTV und DAG gegen das Gesetz von 1989 beim Bundesverfassungsgericht, das nach jahrelangen Verhandlungen 1995 zu dem Ergebnis kam, dass es verfassungskonform sei, weil es den Erhalt der deutschen Handelsflotte sichern sollte, einem wichtigen Gemeinschaftsgut.

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Ruderboot namens „Banana“ und einigen Seeleuten, die in Überlebensanzügen im Wasser herumspaddelten, das Ablegen des DGzRS-Bootes „Biene“, das den Schneider – den zum ersten Mal Burckhard Göbel spielte – wie üblich an das gegenüberliegende Weserufer bringen sollte. Stattdessen boten sie an, ihn auf der „Banana“ mit hinüber zu nehmen, damit er auch mal „für’n Appel und ’n Ei“ auf einem Boot unter Billigflagge fahre. Der Schneider nahm das Angebot nicht an, obwohl auch von Land gerufen wurde: “Schneider sei kein Frosch! Lass dich rüberpullen!“ „Das wäre eine politische Demonstration gewesen – im Namen des Eiswettvereins“, schrieb der Reporter. Und so warteten die Protestierenden vergeblich auf den Schneider. Nach einer halben Stunde gaben sie ihre Blockade auf und der Schneider konnte, wie gewohnt, mit einem Boot der DGzRS trockenen Fußes über die Weser schippern. Präsidium und Novizen hatten inzwischen längst den Ort des Geschehens „sang- und klanglos verlassen.“[1]

Eiswettprobe am 6.1.1989. Nautik-Studenten und Seeleute protestieren gegen Zweitregister und Billigflaggen. Im Hintergrund die „Banana“. Foto: Staatsarchiv Bremen / Jochen Stoss

[1] Alle Zitate aus der Reportage des Weser-Kurier vom 7.1.1989.

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Eiswettprobe am 6.1.1989. Protest gegen Billigflaggen.
Foto: Staatsarchiv Bremen / Jochen Stoss

Am 6. Januar 1998 stand Notarius publicus Ralf Borttscheller “im Visier einiger Friedens- und Asylantenfreunde, die auf einem Transparent anklagten: „Hier spielt er den Lieben, will sonst Menschen in den Tod abschieben.“[1] Borttscheller hatte sich als Innenenator den Ruf eines Hardliners in der Asylpolitik erworben. Unter fünfzehn Asylsuchenden aus Togo, für die er eine Ausweisungsverfügung bei der Ausländerbehörde bewirkt hatte, obwohl das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) dringend vor Abschiebungen nach Togo abgeraten hatte, waren auch zwei Heranwachsende, die an Bremer Schulen unterrichtet wurden. Das hatte zu heftigen Protesten in der Stadt geführt.[2] Am 6. Januar 2015 hatten sich Mitarbeiter von Beck’s eine Protestaktion gegen die geplante Entlassung von 151 gewerblichen Mitarbeitern ausgedacht. In Nachahmung der ukrainischen „globalen Frauenbewegung Femen“, deren Markenzeichen Oben-ohne-Aktionen waren, bei denen sie Blumenkränze im Haar trugen, stellten sich einige männliche Beck’s-Betriebsangehörige während der Eiswettprobe auf den Osterdeich, um ein Stück Bremer Öffentlichkeit für ihre Belange herzustellen.

[1] Weser-Kurier 7.1.1998.
[2] Etwa 80 Oppositionelle gegen die togoische Diktatur hielten sich damals in Bremen auf, darunter zwei Brüder von 16 und 18 Jahren, Halbwaisen, deren Vater in Togo nach seiner Verhaftung spurlos verschwunden war. Es kam zu Solidaritätsaktionen an Schulen, durch Menschenrechtsorganisationen, sowie durch kirchliche Organisationen, die Mahnwachen und Unterschriftenaktionen vor dem Rathaus, der Bürgerschaft und vor dem Amtssitz des Innensenators veranstalteten. Mit Erklärungen hatten sich auch Bündnis 90/Grüne und die PDS gegen das Vorgehen von Borttscheller gewandt. Vgl. Magazin „Friedensforum“ des „Netzwerks Friedenskooperative“, Newsletter 1998 und „Bremer Togo-Politik rechts der CSU“. Artikel von Jens Tittmann in: taz-Bremen vom 17.1.1998.

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Eiswettprobe am 6. Januar 2014 – Protestaktion auf dem Osterdeich während der Eiswettprobe. Foto: Verfasser

Der Schneider und das Klima

„Der Schneider und das Klima“ – „Die 191. Eiswette hat im Zeichen der Klima-Diskussion gestanden“ – „Klimawandel prägt Eiswette. Bei Bremer Tradition dreht sich in diesem Jahr alles um CO².“ – das waren die Schlagzeilen von Weser-Kurier und Nordwestzeitung am 7. Januar.[1] Die Reportage in der Nordwestzeitung beginnt so: „Nein, Greta Thunbert war nicht dabei. Dennoch ist der Klimawandel am Dreikönigstag so etwas wie das beherrschende Thema der 191. Eiswettprobe am Punkendeich gewesen. Das lag nicht zuletzt auch am Eiswettschneider selbst…“. Tatsächlich war der Schneider am 6. Januar in Sachen Umwelt unterwegs. Sein Bügeleisen, verkündete er, würde er aus Rücksicht auf den Klimawandel nicht mehr mit Kohle erhitzen. Und er hatte auch einen großen Auftritt zum Thema. Mit einem „CO²“- Sauger sammelte er die ausgeatmete Luft der Zuschauer in riesigen Plastik-Beuteln auf seinem Rücken, weil wir ja mehr CO² bräuchten angesichts der Tatsache, dass es während der Eiszeit vor 500 Millionen Jahren mehr CO² in der Atmosphäre gegeben hätte als heute.

[1] Reportage im Weser-Kurier von Timo Thalmann; Bericht in der Nordwestzeitung von Thomas Kuzaj.

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Eiswettprobe am 6.1.2020. Der Schneider sammelt mit einem „CO²-Sauger“ die ausgeatmete Luft der Zuschauer in Plastik-Beuteln. Foto: Micha Leykum

Seine scherzhaft gemeinte Nummer und sein forsches Auftreten standen in krassem Kontrast zur parallelen Veranstaltung von Darstellern der „Extincition Rebellion“, einer jungen Umweltschutz-Organisation, die mit Aktionen des zivilen Ungehorsams auf ihre Ziele aufmerksam macht. Ihre feuerroten Kostüme sollen, so schildern sie es selbst auf ihrer Website „für das Blut der unzähligen Arten (stehen), die derzeit durch unser Handeln in einem rasenden Tempo aussterben. (…) Wir zerstreuen, verzaubern und inspirieren die Menschen, die uns betrachten. (…) die pantomimischen langsamen Bewegungen laden zum Innehalten und Besinnen ein.“[1]
Außer dem eindrucksvollen Auftreten der „Roten Rebellen“ von „Extinction Rebellion“ kam es offensichtlich auch zu privat vorbereiteten Aktionen einzelner Zuschauer.

[1] Informationen der Bremer Website www.extincitionrebellion.de vom 16.01.2020.

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Protest auf der Eiswettprobe am 6. 1.2020. Foto: Micha Leykum
Protest auf der Eiswettprobe am 6.1.2020. Foto: Micha Leykum

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Eiswettprobe am 6.1.2020. Die „Roten Rebellen“ von „Extincition Rebellion“.
Foto: Micha Leykum
Die „Roten Rebellen“ von „Extinction Rebellion“ auf der Eiswettprobe am 6.1.2020.
Foto: Micha Leykum
Thema Klimawandel auf den Zuschauer-Rängen. Eiswettprobe am 6.1.2020. Blick auf den Osterdeich. Rechts im Bild, den Zylinder schwenkend, Präsident Patrick Wendisch.
Foto: Micha Leykum

Das Auftreten des Schneiders in Sachen Klimaschutz hat noch einen Aspekt, der in seiner Geschichte mit dem Boot steckt, auf dem er mit der ergaunerten riesigen Schnapsbuddel die Weser überqert. Von Beginn an kamen Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zum Punkendeich

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heraufgeschippert, um ihm zur Flucht zu verhelfen. Der erste kam aus Fedderwarden, nördlich von Wilhemshaven. 1963 und 1971 kam sogar die Langeoog von der gleichnamigen Insel. Die Wilhelmine Wiese von 1956 hatte noch ein Ruderboot an Bord, in dem ein Seebär mit Pfeife und Prinz-Heinrich-Mütze ihn zum anderen Ufer pullte. Sie war neun Meter lang und hatte 53 PS. Allein das Tocherboot der Hermann Rudolf Meyer, das den Schneider 2019 (und 2003) über die Weser transportierte, hat fünfmal so viel PS und ist sieben Meter lang. Das Mutterboot hat eine Länge von 23 Metern und zwei Dieselmotoren von je 1350 PS. Es dürfte auf dem 65 Kilometer langen Wasserweg von Bremerhaven bis zum Punkendeich und zurück sechs Stunden unterwegs gewesen sein, wenn es mit Höchstgeschwindigkeit (23 km/h) fuhr. Aber auch an der Weser gab es noch keinen Stillstand: „Schon vor Beginn der eigentlichen Eiswette“, berichtete der Weser-Kurier, „fuhr der Seenotrettungskreuzer Hermann Rudolf Meyer ungeduldig und unablässig die Weser hoch und runter.“[1]
In Zeiten, wo Umweltschutz auf der Tagesordnung der Weltpolitik steht, ist die lange Fahrt eines Seenotrettungskreuzers von der Nordsee in die Stadt, nur um einen 99 Pfund leichten Schneider von einem Weserufer zum anderen zu transportieren, schwer zu vermitteln. Den Eiswettgenossen mag es dabei um Werbung für die DGzRS gehen, aber die ist auch ohne Rettungskreuzer auf  jeder Veranstaltung unübersehbar. Ein Boot vom gegenüberliegenden Ruderverein täte es auch oder – wenn es denn unbedingt dramatisch zugehen soll – eines der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG)-Ortsverein Bremen. Und die ist ja die eigentlich Zuständige für Binnengewässer.

Ausblick

Kommen wir noch einmal zu den Hohnstorfern zurück, deren Wettpaten-Duo jedes Jahr mit einem neuen „Bootstyp“, bzw. Landfahrzeug für Überraschung und gute Laune sorgt. Die lassen auch Probleme des Umweltschutzes nicht aus. 2014 kam ihr Boot in Gestalt eines Castor-Behälters für hochradioaktive Abfälle. Es war ein Zeichen gegen das 75 Kilometer stromaufwärts liegende

[1] Sigrid Schuer, Wunder an der Weser, Weser-Kurier vom 7. Januar 2019

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Zwischenlager in Gorleben, das 300 m oberhalb der Elbe liegt. 2015 war „die Verbuschung“ des Flusses bei Hochwasser Thema ihres Gefährts, das in Form eines Floßes den Querschnitt der Elbe zeigte: Deiche, Flussbett, Büsche, Sand und vieles mehr „was da nicht hingehört“. 2018 kamen sie mit dem selbstgebauten Elbe-Kreuzfahrtschiff „Aida“, auf dessen rauchendem Schornstein „Braunkohle“ stand. Wettpate Thomas Lohmann begründete die Wahl: „Diesel müssen raus aus den Innenstädten, aber Kreuzfahrer werden mit Handschlag begrüßt.“ „Vielleicht gibt es ja bald Kreuzfahrten zwischen Lauenburg und Geesthacht mit Tagesausflügen ins Akw“, scherzte Panz. [1]

[1] Zitiert aus einem Bericht der Lübecker Nachrichten – Lauenburg vom 8.1.2018.

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Hohnstorfer Eiswette 2014; das Boot der Wettpaten als Castor-Atommüll-Behälter; „Eisgucker“ Thomas Lohmann mit Fernrohr.
Foto: Ortwin Kork
Hohnstorfer Eiswette am 4 Januar 2015. „Eisgucker“Thomas Lohmann und Eckart Panz, die Wettpaten,  paddeln über die Elbe zum Fähranleger.“
Foto: Ortwin Kork

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Hohnstorfer Eiswette 2018. „Elbe Cruises“ mit der „Aida“. Die Wettpaten Thomas Lohmann  und Eckart Panz (im Bademantel) auf Elbe-Kreuzfahrt mit Wellnessbad und rauchendem Braunkohle-Schornstein. Foto: Ortwin Kork

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Am 9. Januar 1993 erschien in der taz-bremen ein ganzseitiger Artikel des renommierten Bremer Physiker Cornelius C. Noack.[1]

taz Bremen vom 9. 01.1993

Auf einem Foto der Reportage sieht man die Eiswettgenossen unter Regenschirmen den Punkendeich hinunterschreiten. Untertitelt ist es mit: „Erinnerungsfoto von damals, 1993.“ Der erste Satz des fotobegleitenden Textes lautet: „In einem Ritual ohne realistischen Bezug zu der salzhaltigen Weser, die nie zugefroren ist, treffen sich jedes Jahr Anfang Januar die Herren der Eiswette.“

Die Geschichte von der „richtigen“ Bremer Eiswette.(Auszug)
Der Verfasser schildert eine fiktive Begegnung mit seinen Enkelkindern zwanzig Jahre nach dem Bau des neuen Weserwehrs im Jahr 1992.[1]
Er erzählt zunächst die Geschichte der Weser und auch, dass sie 1947 das letzte Mal zugefroren war, um dann fortzufahren:

Damals, im vorigen Jahrhundert, schien das die Bremer wenig zu kümmern. Sie hatten ohnehin nicht viel im Sinn mit ihrem Fluß, dem sie doch die Gründung der Stadt verdankten. Er wurde eigentlich nur als unpraktisches Verkehrshindernis angesehen, und so wurde er begradigt, angestaut, ausgebaggert, umgeleitet, an den Ufern einbetoniert und so recht nach Herzenzlust misshandelt, wie man es gerade für zweckdienlich hielt. Auf der Teerhofinsel (…), da hatten sie alles mit Häusern vollgebaut. An Fischen oder Baden aber dachte damals ja sowieso niemand – dafür war der Fluß viel zu schmutzig geworden, weil jeder seinen Dreck hineinkippte, wie es ihm gerade passte.“ Im 18. Jahrhundert wäre das anders gewesen: „Und so war ja auch die weltberühmte Bremer „Eiswette“ entstanden. Aber als

[1] Cornelius C. Noack (20. August1935 bis 6. April 2018 in Bremen), Lehrstuhl für theoretische Physik an der Universität Bremen. Er war vielfach als Experte und Gutachter tätig. Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl (1986) war er stellvertretender Vorsitzender des „Bremer Energiebeirates“. Die kommerzielle Nutzung von Kernenergie lehnte er ab. Vgl. widipedia Stichwort Cornelius Noack vom 16.01.2020
[2] Das Weserwehr in Bremen-Hastedt reguliert bei Weserkilometer 362 den Wasserstand der Mittelweser. Das Bremer Weserwehr von 1911 wurde in den Jahren 1989 bis 1993 durch ein völlig neues ersetzt. Es liegt etwa 180 Meter flussabwärts des alten Wehres. Wikipedia Sichwort „Bremer Weserwehr“ vom 16.1.2020.

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dann später die Weser einfach nicht mehr zufrieren wollte, wie meint ihr, konnte man da noch eine „Eiswette“ veranstalten? Wer hatte denn wohl Lust, auf „sie steiht“ zu wetten und mit Sicherheit zu verlieren? Wißt ihr, was sie da gemacht haben? Es gab eine neue Regel: die Roten mussten immer auf „sie steiht“ wetten, die Blauen auf „sie geiht“. Aber damit es nicht so ungerecht war, wurde zwischen den beiden Parteien der Kaufleute ausgelost, wer die „Roten zu sein hatten. „So ein Blödsinn“, werdet ihr sagen, „das ist ja gar keine richtige Wette mehr!“ Und das war es auch nicht. Die Eiswette war zu einem Gesellschaftsereignis ohne jeden Sinn verkommen. Damals gab es auch den „Bremer Eiswettpreis“ noch nicht, der jetzt jedes Jahr am Dreikönigstag an die Bremerin verliehen wird, die im Jahr davor am meisten für die Weser als unsere städtische Lebensader getan hat. Den Preis gibt es erst seit 1995, als die Bremer Handelskammer auf diese schöne Idee kam, um der Eiswette wieder einen richtigen Sinn zu geben.“[1]

Es muss nicht unbedingt die Handelskammer sein, und Gegenstand Bremer Umweltsorgen ist ja auch nicht nur die Weser. Aber die Idee einer Eiswette von 1829 als Stifterin des Bremer Umweltpreises, der jährlich vom Schneider auf der Eiswettprobe übergeben wird, hat einen gewissen Charme und könnte ihr sogar eine neue Perspektive geben.

[1] Die Geschichte endet damit, dass die Weser 2003 wieder zufrieren wird, weil es gelingt, die Einleitung von Salz und Kühlwasser zu beenden. Den Klimafaktor der Erderwärmung und die „Spurengase“ in der Atmosphäre schätzt Noack erst auf längere Sicht als Problem ein. 

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© Grafik-Designagentur Hespen 26127 Oldenburg

Dank

Die vorstehenden Ausführungen wären nicht annähernd so lebendig geworden ohne die zahlreichen Fotos, die mir Fotografinnen und Fotografen, bzw. Archive zur Verfügung gestellt haben. Mein Dank gilt den Damen und Herren Ursula Heß (Eiswette Hagen im Bremischen), Ortwin Kork und Piter Wichers (Eiswette Hohnstorf), Tilo Röpcke (Eiswette Neu Darchau / Darchau), Sarah Jonek (Eiswette Schildesche/ Jöllenbeck), Rosemarie Rospek (Eiswetten von 1829 in Bremen 1952 und 1954), Micha Leykum (Eiswette von 1829 in Bremen 2020 mit den Aktionen von „Extinction Rebellion“), Jochen Stoss (Eiswetten von 1829 in Bremen 1982, 1984, 1989, 2003), Frank Thomas Koch (Eiswette von 1829 in Bremen 2019), dem Club zu Bremen (Foto von Richard Ahlers), Boris Löffler-Holte vom Fotoarchiv des Staatsarchivs Bremen und Michael Schnelle vom LIS/Zentrum für Medien in Bremen (mehrere Fotos). Mein besonderer Dank gilt Dr. Daniel Tilgner vom LIS/Zentrum für Medien in Bremen, der mir den Film über die Eiswettprobe aus dem Jahr 1934 zur Veröffentlichung auf dieser Website zur Verfügung gestellt hat.

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