Die Verfahren im Überblick

Im Folgenden werden die Verfahren in Kurzform vorgestellt.[1] Der Kreis bestand aus 64 Kaufleuten (77%), sechs Rechtsanwälten, neun Ärzten, einem Apotheker, zwei Beamten und einem Journalisten.[2] Von der Gesamtzahl der 274 Genossen im Jahr 1954 [3] hatten sich 83 einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen müssen (30%). Jeder vierte Eiswettgenosse (68) war Mitglied der NSDAP. Die meisten von ihnen waren 1937 eingetreten, als die Aufnahmesperre vorübergehend aufgehoben worden war und die Partei sich denen öffnete, die sich in einer der anderen nationalsozialistischen Organisationen bewährt hatten. Nur zwei waren vor 1933 eingetreten. Acht waren sogenannte Märzgefallene, also jene, die unmittelbar nach den Reichstagwahlen vom 5. März 1933 Parteimitglieder wurden, als die NSDAP im Reich 43,9 % der Stimmen gewonnen hatte.

[1] Grundlage der Daten ist die Festschrift zum 125. Jubiläum der Eiswette, in der die 274 Mitglieder des Jahres 1954 mit ihren Eintrittsdaten erfasst sind. (Es fehlen die zwischen 1940 und 1953 Verstorbenen, bzw. im Krieg Gefallenen.) Das Staatsarchiv Bremen hat über mehrere Jahre – bis Ende 2016 – alle ca. 30.000 Bremer Entnazifizierungsakten nach Namen und Geburtsdaten in alphabetischer Reihenfolge in eine Datenbank aufgenommen. Damit war es möglich, die 274 Eiswettgenossen Zug um Zug darauf zu überprüfen, ob sie einem Entnazifizierungsverfahren unterworfen waren. Verwechslungen bei gleichlautenden Namen konnten dadurch ausgeschlossen werden, dass in der Festschrift von 1954 auch die Privatadressen vermerkt sind, die im mit den Daten in den Entnazifizierungskaten abgeglichen werden konnten. Vgl. Eiswette von 1829. Gedenkschrift zum 125. Stiftungsfest am 16. Januar 1954. Broschüre, 20 Seiten. StAB 16 N.10.006.
[2] Die beiden Beamten waren Oberfinanzpräsident Friedrich Carl und Studienrat Otto Heins. Carl wurde zwar formell erst 1949 Eiswettgenosse, war aber schon in den zwanziger Jahren regelmäßiger Gast und Redner auf den Eiswetten. Heins war Mitglied seit 1924, „poeta laureatus“ und Mitglied des Vorstandes seit den dreißiger Jahren. Der Journalist war Georg Borttscheller, spätere langjähriger Präsident der Eiswette.
[3] Neu aufgenommen wurden 1949:51, 1950:24, 1951: niemand, 1952:29, 1953:13 und 1954: 28. Die Eiswette bestand 1954 in etwa je zur Hälfte aus Alt- (129) und Neumitgliedern (145 = 53%).

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35 erhielten den Status des „Mitläufers“. Sie mussten eine „Sühnezahlung“ leisten, in der Regel 2000 RM. 39 wurden „entlastet“ oder galten als „nicht betroffen“, weil sie nur „nominelle“ Parteimitglieder waren. Zwei Betroffene wurden in der britischen Zone entlastet.[1] Sieben Akten sind unvollständig; dort fehlt das endgültige Ergebnis.[2] Die Verfahren waren im Wesentlichen im Frühjahr 1948 abgeschlossen. Dass sie sich teilweise bis in das Jahr 1949 hinzogen, lag einerseits daran, dass in Bremen das „Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“ erst am 9. Mai 1947 in Kraft trat, war andererseits dem Umstand geschuldet, dass viele Betroffene solange Widerspruch gegen ihre „Klassifizierung“ einlegten, bis sie den angestrebten Status des „Entlasteten“ oder des „Nicht Betroffenen“ erhielten.[3]
Die beiden Listen enthalten – neben den Eintrittsdaten in die Eiswettgenossenschaft – Geburtsdaten, bzw. soweit verfügbar Lebensdaten, berufliche Tätigkeiten, Mitgliedschaften in politisch relevanten, bzw. militärischen Organisationen – Stahlhelm, Freikorps, Stadtwehren, Reichskolonialbund, Burschenschaften, Offiziersverbände, Veteranenverbände – vor 1933, die zur besseren Übersicht farblich markiert sind (Stahlhelm: rot, die anderen Organisationen: blau), Mitgliedschaften in der NSDAP oder / und in anderen NS-Organisationen, Ergebnisse der Vorstellungsverfahren und schließlich die rechtskräftigen Sprüche der Entnazifizierungs-Ausschüsse, bzw. der Spruchkammern, soweit sie in den Akten dokumentiert sind.

Verwendete Abkürzungen
NSV Nationalsozialistische Volkswohlfahrt
NSDStB Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund
NSRL Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibeserziehung
NSKK Nationalsozialistisches Kraftfahrerkorps
NSRDB Nationalsozialistischer Beamtenbund
NSFK Nationalsozialistisches Fliegerkorps
VDA Volksbund für das Deutschtum im Ausland

[1] Georg Borttscheller und Diedrich Putscher.
[2] Es sind die Entnazifizierungsakten von Fedor Deiters, Hermann Krause, Gert Ohlrogge, Irwin Schellhass, Franz Schlunck, Hermann Wenhold und Carl Raimund Wulff.
[3] Bis einschließlich Juni 1948 waren 45 Verfahren abgeschlossen; weitere 16 bis Ende des Jahres; die Verfahren gegen Heins, Schünemann und Stapelfeldt wurden im Februar 1949 beendet; im März, bzw. April die gegen Daseking und Fischer. Vgl. das folgende Kapitel.

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Die 52 Verfahren von Eiswettgenossen, die schon 1939 Mitglieder waren

Unter den 129 „Alt-Genossen“ gab es 37 NSDAP-Mitglieder (29%).[1] 52 (40%) hatten in einem Entnazifizierungsverfahren gestanden, darunter die Hälfte des Präsidiums aus den dreißiger Jahren: Hans Degener-Grischow, Otto Heins und Carl A. Wuppesahl.[2] Außerdem gehörten vier „Stammmitglieder“ der ersten Nachkriegsjahre[3] dazu: Heinz Bömers, Karl Bollmeyer, Franz Stapelfeldt und Friedrich Carl.

1.

Bartmann, Willy, Kaufmännischer Leiter der AEG Bremen; *3.9.1899; Eiswette 1936; Reichskolonialbund; NSDAP 1937; entlassen; Vorstellungsverfahren 26.4.1946: „Appeal approved“- Entlassung rückgängig gemacht. StAB – 407.[4]

2.

Blaum, Rudolf, Vorstandsmitglied der Atlas-Werke; 20.4.1879 – 30.9.1955; Eiswette 1930; Reichskolonialbund; NS-Altherrenbund 1930; NSDStB; NSFK; NSV; NS-Bund Altherrenbund 1930; NSDStB; NSFK; NSV; NS-Bund Deutscher Technik; NSRL; NSDAP 1937;Wehrwirtschaftsführer 1938; entlassen;Vorstellungsverfahren am 27.November 1946 abgelehnt; zweites Vorstellungsverfahren am 11. Februar 1947 abgelehnt; Sonderausschuss entscheidet am 6. Mai 1947: Blaum ist „mehr als nomineller Nationalsozialist“: Sühnebescheid fehlt in der Akte; Verfahren wahrscheinlich im Juli 1948 aus gesundheitlichen Gründen eingestellt. StAB – 879

Flagge des Reichskolonialbundes

[1] Der Anteil von NSDAP-Mitgliedern an der Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches liegt nach heutigen Schätzungen bei 15%, so zum Beispiel der Historiker Herbert Ulrich in einem Vortrag im Haus der Bremer Bürgerschaft am 24.4.2014. Vgl. Elitenkontinuität in Politik und Verwaltung? Zur NS-Belastung hoher Funktionsträger in der jungen Bundesrepublik. In: Die NS-Vergangenheit früherer Mitglieder der Bremischen Bürgerschaft. Projektstudie und wissenschaftliches Colloquium. Hrsg. von der Bremischen Bürgerschaft. Bremen 2014.
[2] Die unbelasteten Vorstandsmitglieder waren Kapitän zur See a.D. Eduard Bartels, Kassenwart Heinrich Tietjen, Mitglied des Gründungs-Comités nach dem Ersten Weltkrieg und Paul Schwerdt – der „Revisor“, kaufmännischer Vorstand der AEG-Niederlassung Bremen, Mitglied der Eiswette seit 1924. Vgl. den Artikel in den Bremer Nachrichten „Nachklang zur Eiswette“ vom 14. 1.1936. Verstorben war Eiswette-Präsident Hugo Gebert, der im August 1944 bei einem Bombenangriff auf Bremen ums Leben gekommen war und offensichtlich ein Dr. Gerlach, dessen Name bei Löbe, a.a.O., nicht mehr genannt wird.
[3] Siehe Kapitel 5 „Auf leisen Sohlen in die zweite Republik“.
[4] Die Entnazifizierungsakten im Staatsarchiv Bremen sind unter der Bestands-Signatur 4,66-I- abgelegt. Dann folgt die Ziffer der jeweiligen Einzelakte. Hier werden nur diese Ziffern angegeben. Die vollständige Bezeichnung der Akte von Willy Bartmann ist also 4,66-I-407.

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Plakat der NSV(olkswohlfahrt)

3.

Bömers, Heinz, Kaufmann, Weinhandel Reidemeister & Ulrichs; * 13.9.1893 – 1978; Eiswette 1933; Stahlhelm – Landesführer Bremen 1933-1935;

NSDAP 1937; von August 1940 bis August 1944 Weinbeauftragter der NS-Regierung in Südfrankreich; von der Militärregierung entlassen; Antrag im Vorstellungsverfahren am 20. 11. 1945 stattgegeben; 23.3.1946 erneut von der Militär-Regierung entlassen nach Mitteilung aus dem Document Center Berlin as „ardent follower of the party“; im Spruchkammer-Verfahren vom 9.4.1948 als „Entlastet“ eingestuft. StAB – 1025.

4.

Bollmeyer, Karl, Kaufmann, 1933 Präses der Handelskammer, ab 1943 der „Gauwirtschaftskammer“; 25.6.1887 – 1.7.1962; Eiswette 1938; NSDAP seit 1.1.1932 (Mitgliedsnummer 885 503); ab Juni 1936 Hauptkreisstellenleiter der NSDAP; Wehrwirtschaftsführer; entlassen; Vorstellungsverfahren am 14.1.1947: Entlassung bestätigt; Spruchkammerverfahren am 16.2.1948: der öffentliche Kläger: „minderbelastet“ mit Sühnemaßnahme und Einziehung von 25% des Vermögens; Urteil der Spruchkammer: Entlastet; 21.4.1948: Der Senator für Befreiung Lifschütz kassiert das Urteil; 13.9.1948 Berufungs-Spruchkammer: „Minderbelastet“; 20.9.48 im Nachverfahren Einstufung in die Gruppe der „Mitläufer“. StAB – 1136.

5.

Borttscheller, Georg, Dr. rer. pol., Journalist; 5.7.1896 – 27.8.1973; Eiswette 1936; Stahlhelm;

Flagge des Reichskriegerbundes

Reichskriegerbund; SA-Reserve 1934 bis 1939; SA-Rottenführer 1937; NSDAP 1937; Entnazifizierung in der britischen Zone durch den Entnazifizierungsausschuss in Bielefeld: nur „nominelles“ Parteimitglied; 2.3.1948 Mitteilung: keine Beschäftigungsbeschränkung. StAB – 1214.

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6.

Brabant, Carl-Julius, Vorstand Jutespinnerei und Weberei Bremen; *19.7.1892; Eiswette 1938; Freimaurer (Katholische Loge); Förderndes Mitglied Allgemeine SS 1935; NSDAP 1937; entlassen; Einspruch am 25.4.1946 stattgegeben; 7.4.1948 Spruchkammer: Mitläufer und 2000 RM Sühnezahlung; 6.8.1948: „Entlastet“. StAB – 1253

7.

Braune, Willi, selbstständiger Kaufmann (Ausstattung und Einrichtung von Meldeämtern, Krankenkassen, Gas- und Wasserwerken mit Möbeln, Karteien und Maschinen für Buchungszwecke – 40 Beschäftigte); *2.12.1884; Eiswette 1935; NSDAP 23.5.1933; entlassen; Vorstellungsverfahren: Einspruch am 4.10.1946 stattgegeben; 17.4.1948 Sühnebescheid im schriftlichen Verfahren: „Mitläufer“ – Sühnezahlung 2000.- RM; am 17.4.1948 reduziert (Summe nicht genannt). StAB – 1325

8.

Daseking, Georg, Dr. jur., Rechtsanwalt und Notar; *21.1.1892; Eiswette 1933; Freimaurer (Loge „Zum Ölzweig“); 1920 Verein ehemaliger Offiziere im Feld – Art. Regiment 51; 15. Mai 1933 SA- Standarte 266 – Truppenführer; 1933 Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP wegen Mitgliedschaft in der Loge (Meister des 3. Grades) abgelehnt; deswegen auch „ehrenvoll“ aus der SA entlassen; NS- Rechtswahrerbund; 1946 keine Zulassung beim Hanseatischen Landesgericht; Entlassung als Geschäftsführer der Handelskammer; 7. Oktober 1946 Feststellungsergebnis des Berufungsausschusses zur Nachprüfung von Beamtenentlassungen: Gesuch abgelehnt; 22. Februar 1947 Vorstellungsverfahren: mehr als nomineller Nationalsozialist; 30. Oktober 1948 Sühnebescheid: 600.- DM Sühnezahlung; 30. März 1949 Schriftliches Spruchkammer-Verfahren: „Vom Gesetz nicht betroffen“. StAB – 2037.

9.

Degener-Grischow, Hans, Dr. jur., Rechtsanwalt und Notar; 6.3.1879 – 14.1.1960; Eiswette 1924; Burschenschaft Franconia / Freiburg im Breisgau – Narbe auf der linken Wange; Reichskolonialbund; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1933; NSDAP 1933; NSKK; NSFK 1938; NS-Rechtswahrerbund 1934; NS-Reichskriegerbund; 8. November 1945: „Non-Employment“ – Beschluss der Militärregierung; 22.1. 1947 Vorstellungsverfahren: Mehr als nomineller Nationalsozialist – Militarist; 22. August 1947 nur Beschäftigung als gewöhnlicher Arbeiter erlaubt; Öffentlicher Kläger fordert Einstufung in die Gruppe 2 der „Belasteten“; 12.11.47 Beschluss der Spruchkammer: „Minderbelastet“ – 1 Jahr Bewährung, Sühne-Sonderbeitrag in Höhe von 30% des Vermögens; Revisionsverfahren am 11. Juni 1948. Die Spruchkammer unter Richter Dr. Brassel hebt den Spruch auf; 12. Juli 1948 „Verfahren eingestellt“; der Geschäftsführende Vorsitzende der Spruchkammern Bremen, Schmidt, beantragt beim Senator für Befreiung, Lifschütz, eine Nachprüfung dieses Beschlusses. Ob sie stattgefunden hat, lässt sich der Akte nicht entnehmen. StAB – 2057

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10.

Deiters, Friedrich, Kaufmann, Norddeutsche Spinn- und Webstoff-Handelsgesellschaft Deiters & Co., 5.4.1877 -14.5.1965; Vater von Fedor (s.u.); Eiswette 1934; Freimaurer 3. Grad / Loge „Friedrich Wilhelm zur Eintracht“ 1920 bis 1933; Stahlhelm 1923; NSDAP 1937; entlassen; 27.11.1946 Vorstellungsgesuch abgelehnt; 27.2.1947 „Appeal not approved“; 17.11. 1947 „Mitläufer“; 19.2. 1948 Antrag auf „Einreihung“ (Erlaubnis zur Tätigkeit als Inhaber der Firma) am gleichen Tag positiv beschieden. StAB – 2075

11.

Dröge, Fritz, Kaufmann, Drogengroßhandel, *12.09.1907; Eiswette1933; NSDAP-Eintritt am 1.8.1932; NSDAP-Austritt am 1.4.1933; 22. Juni 1948 „Mitläufer“ – Sühnezahlung 360 DM; 22.1.1949 „Nicht vom Gesetz betroffen“. StAB – 2377

12.

Fischer, Heinrich, Kaufmann, Teilhaber der Firma Otto H. Henk & Co Wollgroßhandel; *10.03.1884; Eiswette 1937; NSDAP 1931; SA 1932; 1936 SA-Ob.Truppführer“; NSV 1934; 12. August 1948 Öffentlicher Kläger: „Belastet“; 31. August Spruchkammer „Minderbelastet“; 23. November 1948 Berufungskammer: „Mitläufer“ und 500,- DM Sühnezahlung; 4. Dezember 1948 Kassation des Spruchs durch Senator Lifschütz; 5. Januar 1949 der öffentliche Kläger vertritt „voll und ganz“ die von Lifschütz vorgebrachten Argumente: der Betroffene kann „niemals als Mitläufer eingestuft werden“. 22. Februar 1949 unter Nichtbeachtung der Kassation des Senators Wiederholung des Spruchs vom 23. November 1948 durch die Berufungskammer; am 19. März 1949 wird der Spruch zum zweiten Mal von Senator Lifschütz kassiert; 21. April: die Berufungskammer beachtet zum zweiten Mal nicht die Kassation des Senators und geht in der Entlastung über die ersten Sprüche hinaus: „Mitläufer“ – aber keine Sühnezahlung. StAB – 2953

13.

Frese, Roland, Kaufmann, Vorstandsmitglied des Bremer Tabakhändlervereins; *7.3.1877; Eiswette 1933; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1936; NSV 1936; Vorstellungsverfahren am 28.5.1947: „Appeal approved“, Entlassung rückgängig gemacht. StAB – 3114

14.

Fritz, Emil, Gastronom; Eigentümer des Variétés „Astoria“ und des Tanzcafés „Atlantic“; 25.3.1877 – 25.7.1954; Eiswette 1933; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1934; NSDAP 1937; Reichstheaterkammer 1937; Reichsfilmkammer 1937; Reichskulturkammer 1938; von der amerikanischen Militärregierung als Direktor entlassen; 16. August 1946 im Vorstellungsverfahren Bescheid der Militärregierung: „Appeal not approved – „beschäftigungsunwürdig“; Fritz beantragt seine Entnazifizierungsverfahren in der britischen Zone; er gibt seine Jagdhütte in Rotenburg an der Wümme als seinen Wohnsitz an; 24. April 1947 Bescheinigung der britischen Militärregierung: Fritz „entlastet“; die Spruchkammer im Landkreis Rotenburg entscheidet am 24.Juni 1947 ebenso; inzwischen – am 9. Mai – ist in Bremen das Entnazifizierungsgesetz verabschiedet worden; auf der Grundlage seiner Angaben auf dem Fragebogen wird ein Entnazifizierungsverfahren gegen ihn in Bremen angestrengt. Die Spruchkammer in Bremen entscheidet am 5. Juli 1947 die Einstellung des Verfahrens, da für ein Entnazifizierungsverfahren aufgrund des Urteils in der englischen Zone „kein Raum mehr“ sei; Aufhebung dieses Spruchs durch Senator Lifschütz; 5. September 1947: die Berufungskammer entscheidet gegen den Aufhebungsbeschluss des Senators wiederum auf Einstellung des Verfahrens; Lifschütz hebt ein zweites Mal den Spruch auf; die Berufungskammer entscheidet am 17.2.1948 zum dritten Mal gegen die Aufhebungsbeschluss des Senators die Einstellung des Verfahrens: Fritz „entlastet“; 23.4.1948 Eingriff der Militärregierung; dritte Aufhebung des Urteils als „Entlasteter“ – Vermögenssperre; 8. Juli 1948: der öffentliche Kläger Frese entscheidet: „Entlastet“ – Verfahren eingestellt; StAB – 3189

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15.

Heins, Otto, Dr. phil.; 23.5.1887 – 20.5.1959; Studienrat; Leiter des Sprechchors der „Horst-Wessel-Schule“; Eiswette 1927; Stahlhelm; Burschenschaft (keine näheren Angaben)[1]; Reichskolonialbund; NS-Lehrerbund 1933; NSV; VDA; NSDAP 1937; 26.4.1948 „Mitläufer“ – 390 RM Sühnezahlung; 2.12.1948 Berufung durch III. Spruchkammer abgelehnt; 18.2.1949 im schriftlichen Verfahren „Entlastet“.[2] StAB – 4290

16.

Hinrichs, Carl, Kaufmann – Textilhandlung Hinrichs und Bollweg, Wachtstraße 27/29; *19.11.1878; Eiswette 1924; Freimaurer (Loge zum Ölzweig); Stahlhelm – Ortsgruppenführer 1934; Antrag auf NSDAP-Mitgliedschaft 1934; NSV 1935; NSFK 1935; NS-Reichskriegerbund 1940; 27.4.1948 „Mitläufer“ – Sühnezahlung 2000 RM; 2. Juni 1948 Aufhebung des Sühnebescheids; Verfahren eingestellt.StAB – 4605

17.

Jess, Heinrich, Leiter der Bremer Niederlassung der Continental Caoutchouc-Compagnie GmbH Hannover (36 Beschäftigte); *2.5.1884; Eiswette 1935; Wagenführ U-Boot-Tisch; Reichskolonialbund 1927; Förderndes Mitglied Allgemeine SS 1933; NS-Reichskriegerbund 1935; NS-Reichsbund für Leibeserziehung 1935; NSDAP 1937; 1939 bis 1943 Korvettenkapitän – Wehrmachtskommandant Wilhelmshaven; 1943 – 1945 Hafenkommandant Rotterdam; entlassen; 23.10.1945 Vorstellungsverfahren abgelehnt; 10.1.1946 Feststellungsbescheid: „beschäftigungsunwürdig“ im Sinne des Gesetzes Nr. 8 – 1 Jahr Bewährung; 28.4.1948 Sühnebescheid: „Mitläufer“ – 1030 RM Sühnezahlung. StAB – 5124

18.

Kahler, Georg, Direktor (Prokurist) der Norddeutschen Steingut GmbH Bremen-Grohn; *17.2.1892; Eiswette 1936; NSDAP 1937; NS-Reichskriegerbund 1937; NSFK 1937; Reichsbund für Leibeserziehung 1937; NSV 1938; wahrscheinlich entlassen; 19.4.1948 „Mitläufer“- 2000 RM Sühnezahlung. StAB – 5242

19.

Kasten, Franz, Teilhaber der Versicherungsgesellschaft F. Reck & Co / Börsenhof; *5.2.1902; Eiswette1935; SA 1933 -1935; Deutsche Christen 1933 – 1935; NSDAP 1938; entlassen; 10.12.1946 Vorstellungsgesuch angenommen; 10.2.1947 Spruch „nicht stichhaltig“; Antrag abgelehnt; 10.5.1948 Entnazifizierungsverfahren: „Mitläufer“ und 1410 RM Sühnezahlung; StAB – 5318

20.

Kliemchen, Franz, Technischer Direktor und Prokurist der Dampfschifffahrtsgesellschaft „Neptun“ (D.G. „Neptun“); *31.8.1883; Eiswette 1937; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1934; NSDAP 1937; vom 3.8.1945 bis 28. Februar 1947 interniert; vermutlich, weil er verantwortlich war für den Umbau von 26 Handelsschiffen zu Kriegsschiffen; 18. August 1948 „Mitläufer – keine Sühnezahlung wegen seiner Internierung. StAB – 5577

21.

Krause, Hermann, Beiratsmitglied der Bremer Landesbank; Vorstandsmitglied der Sparkasse; Direktor der Girozentrale Hannover / Bremen; Vorstand der Norddeutschen Kreditbank; 14 Aufsichtsratsmandate in zahlreichen Banken und Unternehmen – die meisten nach 1939 übernommen; *18.8.1886; Eiswette 1935; das Verfahren der Militärregierung wegen Verdachts der Nutznießerschaft an Arisierungen jüdischer Firmen zieht sich bis Juli 1948 hin; die Akte ist unvollständig; es fehlt das Ergebnis des Entnazifizierungsverfahrens. Offensichtlich aufgrund der Tatsache, dass er nicht Mitglied der NSDAP war, ist er im Februar 1946 Vorsitzender eines Untersuchungsausschusses für Vorstellungsverfahren (am 21. Und 25. Februar im Verfahren gegen Emil Fritz.) StAB – 5983

[1] Vgl. seinen Meldebogen vom 9. Juli 1949.
[2] Nur drei Verfahren zogen sich noch länger hin; die gegen Daseking und Fischer bis März, bzw. April 1949 und das gegen Röhrscheidt bis Juni 1950.

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22.

Kröncke, Wilhelm, Geschäftsführer der Menck, Schultze & Co Rohrfabrik (150 – 170 Beschäftigte); *10.6.1903; Eiswette 1937; SA Reserve 1933; SA-Rottenführer 1934; NSDAP 1937; entlassen; 17.11.1945 Vorstellungsverfahren abgelehnt; dito am 9.1.1946: „Appeal not approved“; 17.1.1947 „Review board“: wieder „Appeal disapproved“; 5.6.1947–„ Appeal approved“ -„beschäftigungswürdig“; 20.4.1948 Sühnebescheid des Senators für politische Befreiung: 2000 RM Sühnezahlung (entspricht dem „Mitläufer“- Status der im Text nicht erwähnt wird). StAB – 6053

23.

Lindemann, Karl, Teilhaber der Firma Melchers & Co., 1933 Aufsichtsratsvorsitzender des Norddeutschen Lloyd; von 1933 bis 1945 wird er Aufsichtsratsmitglied von 17 weiteren Bank- und Industrieunternehmen, u.a. der Dresdner Bank, der Atlas-Werke und des Rüstungskonzerns VIAG; letzter Präsident der Reichwirtschaftskammer; 17.4.1881 – 4.7.1965; Eiswette 1934; Reichskolonialbund; seit 1932 Mitglied im „Freundeskreis Reichsführer SS“ (Heinrich Himmler); Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1937; NSDAP 1938; vom 9.5.1945 bis 12. Januar 1948 in verschiedenen amerikanischen Lagern interniert, unter anderem vom 7.2.1947 bis zum 10.1.1948 in Nürnberg; 25.11.1948 Spruchkammer: „Mitläufer“ – keine Sühnezahlung; StAB – 6620 und 6621

24.

Meyer, Alfred, Kaufmann – Inhaber der Firma Carl Ed. Meyer (Import von Kork); *26.1.1890; Eiswette 1938; Stahlhelm; Deutsche Christen 1933 – später wieder ausgetreten; NS-Reichskriegerbund; NSV; NS-Reichsbund für Leibesübung; NSDAP 1937; entlassen; 10.12.1945 Vorstellungsgesuch stattgegeben (Vorsitz Hermann Krause); 25.4.1946 Militärregierung: „Appeal approved“; 26.5.1948 Spruchkammer: „Mitläufer“ – 2000 RM Sühnezahlung. StAB – 7256

25.

Meyer, Gustav, Kaufmann – Teilhaber der Firma August Strube und Ueltzen (Kaffee-Rösterei Import); Einkäufer des spanischen Tabakmonopols; *19.5.1878; Eiswette 1929; Freimaurer (Loge zum Ölzweig); Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1935; NSFK; 20.4.1948 Spruchkammer: „Mitläufer“ – Sühnezahlung 1250 RM; 2.6.1948 Bestätigung im erneuten Verfahren; 26.11.1948 Berufungskammer (Vorsitzender Dr. Brassel): vom Gesetz nicht betroffen. StAB – 7318

26.

Meyer, Otto, Dr. jur., Rechtsanwalt und Notar; *21.6.1887; Eiswette 1934; NSDAP 1.5.1933; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1933; Deutsche Christen 1935; VDA; NS-Rechtswahrerbund; NS-Altherrenbund; NSV; 9. Oktober 1945 Beschlagnahme des Vermögens und Verbot der Berufsausübung durch die Militärregierung; 6.11.1945 „Appeal not approved“; 8.12.1945 Vorstellungsverfahren: keine Bedenken gegen Beschäftigung als Rechtsanwalt und Notar; 16.4.1946 und 24.6.1946 jeweils im Vorstellungsverfahren „Appeal approved“; 24.6.1948 Spruchkammer: „Mitläufer“ – 2000 RM Sühnezahlung. StAB – 7396

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27.

Michael, Hermann, Prokurist der Firma Johs. Surmann & Co. (Großhandel Kaffee-Import); *11.4.1891; Eiswette1927; Verein ehemaliger Artilleristen; ab 1935 jedes Jahr 4 bis 6 Wochen Teilnahme an Militärübungen; 1935 als Leutnant der Reserve, 1936 als Hauptmann der Reserve; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS; 25.2.1947 Vorstellungsverfahren: keine Einwendungen gegen Beschäftigung. StAB – 7447

28.

Otten, Ludwig, Kaufmann an der Bremer Baumwollbörse; *10.11.1886; Eiswette 1937; Freimaurer; Reichskolonialbund; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1933; NSV; 22.7.1946 Militärregierung im Vorstellungsverfahren: „nicht geeignet“; 19.6.1947 „Appeal approved“; 21.4.1948 Spruchkammer: vom Gesetz nicht betroffen. StAB – 8175

29.

Panhorst, Gustav, Kaufmann – Eigentümer der Möbelfabrik Gustav Panhorst in Bremen-Hemelingen, ein von der Wehrmacht „betreuter“ Betrieb (78 Beschäftigte); *24.7.1884; Eiswette1935; Freimaurer (Loge Hansa); Vereinigung der alten Burschenschaften V.D.A. 1930; Reichskolonialbund 1930; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1934; NSV; 26.3.1946 entlassen; 9.4.1946 nach Intervention von Bürgermeister Kaisen „temporary reinstatement“; 1.6.1947 „Appeal approved“ – „employable“; 30.4.1948 Spruchkammer: „Entlastet“ – nicht vom Gesetz betroffen. StAB – 8217

30.

Peine, Hans, Dr. med., Frauenarzt; Schiffsarzt des Norddeutschen Lloyd; *21.7.1885; Eiswette 1930; Burschenschaft Teutonia seit 1905 – Gesichtsnarben; Stahlhelm; NS-Ärztebund; NSV; NS-Altherrenbund 1935; NS-Reichkriegerbund 1936; NSDAP 1937; NSFK 1938; 15.1.1946 Vorstellungsverfahren – Antrag gebilligt- nur nominell Nationalsozialist; 6.8.1946 „Appeal approved“; 10.12.1947 „Mitläufer“ 2000 RM Sühnezahlung und Kosten des Verfahrens:15.500 RM. StAB – 8288

31.

Pellens, Hans, Dr. jur., selbstständiger Geld- und Häusermakler; Titulardirektor (Prokurist); stellvertretender Leiter des Reichsverbandes Deutscher Makler; *8.12.1895; Eiswette 1930; NSV; NSFK 1937; NSDAP 1937; 23.4.1948 „Mitläufer“, 2000 RM Sühnezahlung und Kosten des Verfahrens; 20. Mai Spruchkammer bestätigt das Urteil; 8. September Bürgermeister Kaisen ermäßigt die Sühnezahlung und die Kosten für das Verfahren auf je 150.- RM. StAB – 8293

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32.

Pukalla, Wilhelm, Grundstücks- und Hypothekenmakler, *13.3.1892; Eiswette 1933; Stahlhelm; Offiziersbund; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1934 – Austritt 1934; NSDAP 1937; Erstes Vorstellungsverfahren (ohne Datum) abgelehnt; vorläufige Berufserlaubnis durch den Senator für politische Befreiung; 13.2.1947 Zweites Vorstellungsverfahren: abgelehnt; 6.4.1948 „Mitläufer“ 1170 RM Sühnezahlung. StAB – 8604

33.

Putscher, Dietrich, Unternehmer, Eigentümer der „Weser-Druckerei“; *4.7.1886; Eiswette 1926; NSDAP Mai 1933; Vermerk auf seinem Meldebogen vom 25.6.1947 : in der britischen Zone entnazifiziert – Gruppe N (wahrscheinlich „Nichtbetroffen“) – keine Bedenken gegen Belassung im Dienst; 22.4.1948 in Bremen „Mitläufer“, 1600 RM Sühnezahlung und Kosten des Verfahrens; 4.Juni 1948 Rücknahme des Sühnebescheids durch die IV. Spruchkammer in Bremen: Der öffentliche Kläger anerkennt die Entnazifizierung in der britischen Zone. StAB – 8618

34.

Puvogel, Heinz, Aufsichtsrat der Ernst Grote AG; Direktor (Geschäftsführer) der Seehandels AG; *17.4.1891; Eiswette 1926; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1936; NSDAP 1937; NSKK 1937; NSV; NS-Reichsbund für Leibesübungen 1937; Reichsschrifttumskammer 1939; Reichskulturkammer 1943; in der britischen Zone am 18.7.1947 eingestuft als „N2“ – bedingt tragbar – Kategorie IV, Zahlung einer Buße; 23.4.1948 in Bremen „Mitläufer“, 2000 RM Sühnezahlung und 242 RM Kosten des Verfahren.; StAB – 86

35.

Rasch, Gustav H., Konsul, Tabakgroßhändler (15 Angestellte); seit 1915 führend in der Einfuhr von Kentucky- und Virginia-Rohtabak und von Tabak aus Ungarn; *6.4.1875; Eiswette 1913 (!); NSDAP 1937; 8.8.1946 und 21.1.1947 Vorstellungsgesuche „approved“; 18.12.1948 „Mitläufer“ 2000 RM Sühnezahlung. StAB – 8702

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36.

Röhrscheidt, H., Dr. med., *10.6.1895; Eiswette 1926; NSV; NSDAP 1938; Vorstellungsverfahren 12. Juli 1946 „Appeal approved“; 26.11.1947 „Mitläufer“ und 1620 RM Sühnezahlung; Kosten des Verfahrens 1000 RM; rechtskräftig am 10. Januar 1948; ( am 10.6.1950 „Gemäß dem Gesetz zum Abschluss der politischen Befreiung vom 4 April 1950 gilt der Benannte seit dem 18. März 1950 als vom Gesetz nicht betroffen (Kategorie V). Er unterliegt keinen tatsächlichen oder rechtlichen Beschränkungen.“ – Der öffentliche Kläger.) StAB – 9093

37.

Rusche, Waldemar, Dr. med., Augenarzt; *10.6.1882; Eiswette 1938; 1919-1923 Stadtwehr Bremen; Stahlhelm 1931; NS-Reichskriegerbund 1938; NS-Altherrenbund 1942; NS-Ärztebund 1942; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1933; 17.6.1946 Military Government – Special branch stimmt Vorstellungsausschuss zu: Keine Maßnahmen notwendig. StAB – 9320

38.

Schier, Emil, Geschäftsführender Direktor der Bremer Baumwollbörse; seit 13.11.1941 Aufsichtsratsvorsitzender der Baumwoll AG; 7.12.1886 – 3.8.1956; Eiswette 1934; Stahlhelm 1927; NSDAP 1933; NS-Rechtswahrerbund; NSV; 19.9.1945 Amtsenthebung durch die Militärregierung; 5. November 1945 „Non-Employment Mandatory“ durch Special branch; 11.3. 1946 Ärztliches Attest: nicht einsatzfähig für Beschäftigung als „gewöhnlicher Arbeiter“; 5.9.1946 Vorstellungsverfahren: „beschäftigungsunwürdig“; 9.10. 1946 „Appeal not approved“; 19.12.1946 Military Government: „removed“ – Bestätigung der Entlassung; 22.5.1948 „Mitläufer“ 2000 RM Sühnezahlung, 1862 RM Kosten des Verfahrens. StAB – 9548

39.

Schlunck, Franz, Dr. med., praktischer Arzt; Beamter; *28.8.1897; Eiswette 1933; SA 1933-1934; NSV; aus dem Amt entlassen; 29.5.1946 „Appeal approved“; 14.9.1946 Berufungsausschuss zur Nachprüfung von Beamtenentlassungen: Berufungsverfahren abgelehnt; 10.2.1947 Vorstellungsgesuch abgelehnt; 14.6.1947 „Appeal not approved“; 9.7.1947 „Appeal approved: employable“. StAB 9689

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40.

Schünemann, Walther, 6.4.1896 – 1974; Eiswette 1935; Zeitungs- und Buchverleger; Stahlhelm; Reichskulturkammer, Reichspressekammer (1936 ausgeschlossen), Reichsschrifttumskammer; Öffentlicher Kläger: NS-Propaganda als Zeitungsverleger der „Bremer Nachrichten“; im November 1948 „minderbelastet“;15.2.1949 „nicht betroffen“. StAB – 10073 bis -10076 (4 umfangreiche Aktenordner für die Brüder Walther und Carl, der Mitglied der NSDAP war)

41.

Smidt, Hans, Dr. med., Professor, Direktor der Chirurgie in der Klinik der Krankenanstalt Bremen; *9.10.1886; Eiswette 1934; Reichskolonialbund; Stahlhelm 1933; Verband der alten Burschenschaften V.D.A.; NS-Reichskriegerbund; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1933; NS-Ärztebund 1938; NSV; NSDAP 1937; am 9.1.1946 durch die Militärregierung überprüft und im Amt gelassen; 23.3.1948 Spruchkammer: „Mitläufer“, 2000 RM Sühnezahlung und Kosten des Verfahrens; 20. August 1948 Widerspruch; 27.August 1948 Berufungskammer (Vorsitz Dr. Brassel) im schriftlichen Verfahren: „Entlastet“. StAB – 10573

42.

Stapelfeldt, Franz, Direktor der „AG Weser“; 18.1.1877 – 4.6.1954; Eiswette 1933; Stahlhelm; Reichskolonialbund; NSV; NSDAP 1937; Wehrwirtschaftsführer 1940; Mai 1945 bis Februar 1946 interniert; von der Militärregierung entlassen; 2.8.1946 Vorstellungsgesuch stattgegeben; am 8.2.1947 im „Weser-Kurier“, am 12.2. im Rundfunk Aufruf: Zeugen in seinem Verfahren gesucht; 18.2.1947 Sonderausschuss Stapelfeldt: nur „nomineller“ Nationalsozialist (4:1 Entscheidung gegen Hermann Prüser – KPD, Mitglied im Hauptausschuss zur Entnazifizierung; Prüser legt daraufhin sein Mandat in der Spruchkammer zur Entnazifizierung nieder); am 2.3.1948 Öffentlicher Aufruf des Klägers zur Zeugenfindung; 10.3.48 „entlastet“; 15.2.1949 „Nicht betroffen“; StAB 4 Ordner über 755 Seiten; -10733 bis -10736

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43.

Stein, Fritz, Dr. med., Praxis als Frauenarzt; *2.9.1889; Eiswette 1933; Burschenschaft Transrhenania München – Narbe an linker Wange und Schläfe; SA-Marine1934 – 1936; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1936; NSV; NS-Ärztebund 1940; 8.9.1945 – 16.7.1946 interniert im Interment Camp 74 Ludwigsburg/Württemberg; 13.9.1946 „removed“ – „will be allowed private and Kassen practice with restricted income“; 19.5.1947 Vorstellungsverfahren „Appeal approved“; 5.2.1948 „Mitläufer“ 2000 RM Sühnezahlung und Kosten des Verfahrens 1500 RM. StAB -10797

44.

Stuck, Robert, Direktor der Bremer Bank, Filiale Dresdner Bank; *19.10.1889; Eiswette 1924; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1933; Bankenausschus der Deutschen Arbeitsfront (DAF) 1935; NSV; NSKK 1939; NSDAP 1939; 14.11.1945 Employement Discretionary – ins Belieben der deutschen Behörden gestellt; 10.12.1945 „Non-employment“; 8.5.1946 Vorstellungsausschuss: „beschäftigungsunwürdig“; 12.9.1946 Military Government „Appeal disapproved“; 11.5.1948 „Mitläufer“ 2000 RM Sühnezahlung und Kosten des Verfahrens; StAB – 11039

45.

Stickan, Franz, Reedereidirektor; 5.7.1887 – 3.12.1953; Eiswette 1929; NSDAP 30.4.1933; 18.12.1945 Notiz auf dem Fragebogen: „No objection to retentation. Employee Retained“ – keine Entlassung; Sühnebescheid 27.4.1948 „Mitläufer“ – Sühnezahlung 2000 RM; 28.5.1948 Spruchkammer: Sühnebescheid aufgehoben, „überhaupt nicht belastet“ – „nicht betroffen; StAB – 10885

46.

Stüsser, Theodor, Apotheker, Inhaber der „Einhorn“-Apotheke; *13.2.1883; Eiswette 1930; Freimaurer; Burschenschaft Germania Marburg – 4 „Schmisse“; Deutscher Offiziersbund Bremen -Kameradschaftliche Vereinigung der Reserve-Offiziere seit 1.10.1913; NSDAP 30.4.1933; 19.2.1946 „Removed“; 30.10.1946 „Employement discretionary“ – ins Belieben der deutschen Behörden gestellt; 13.9. 1946 Headquarters Office of Military Government für Bremen: „Will be allowed to continue in profession with restricted income.“ 22.4.1948 Spruchkammer: „Nicht betroffen“. StAB – 11064

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47.

Tellmann, Arend, Dr. jur., Rechtsanwalt und Notar; *27.7.1894; Eiswette 1935; Mitglied in zwei Freimauer-Logen („Zum Ölzweig“ vom 1.4.1927 – 1.11.1937 und „Andreas-Loge“ vom 8.10.1931 – 11.1.1937); Freikorps Marburg / Zugführer 1920; Burschenschaft „Germania“ Marburg 1919 – 1921 – „1. Chargierter“; Altherrenbund der Burschenschaft „Germania“ Marburg 1921; Vereinigung der alten Burschenschaften (V.D.A.) Bremen 1921; Deutscher Gardeverein e.V. 1922; Offiziersverein R.I.R. 262 -1925; Deutscher Offiziersverband – zwanziger Jahre; Kameradschaftliche Offiziersvereinigung Bremen – zwanziger Jahre; Freicorps Caspari seit 1925; Stahlhelm 1931; Reichskolonialbund; SA 1934; NS-Rechtswahrerbund; NS-Reichskriegerbund; Reichsluftschutzbund; NSDAP 1935; Zugführer beim Volkssturm (bei der Sicherheitspolizei) in den lelzten vier Wochen vor der Einnahme Bremens; 4.11.1946 Military Government: „Non-employment“; 12.4.1947 „Headquarters – Action Sheet“, auf Veranlassung des „Chief Legal Officer“ „removed“; 24.8.1948 Spruchkammer: „Belastet“ – Kategorie II – „als Führer des Volkssturms Errichtung von Straßensperren beim Einmarsch der Alliierten“; 23.12.1948 Spruchkammer: „Vom Gesetz nicht betroffen“; 12. Januar 1949 Arbeitserlaubnis erteilt vom Senator für Befreiung. StAB – 11181

48.

Theye, Fritz, selbstständiger Handelsvertreter; *5.12.1907; Eiswette 1935; SA-Marine 1934; NSDAP 1937; 26.4.1948 „wegen geringen Einkommens und Vermögens nicht betroffen“. StAB – 11227

49.

Weidemann, Alexander, Direktor und Aufsichtsrat der Lloyd Dynamo Werke AG; Mitglied der Handelskammer; *21.5.1881; Eiswette 1930; Freimaurer (Loge Herder); Bremer Stadtwehr von 1919 bis zur Auflösung; Reichskolonialbund; NSV; NS-Bund Deutscher Technik; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1934; Wehrwirtschaftsführer; Abwehrbeauftragter in der Firma 1938; 26. September 1945 entlassen; 25.10.1945 von der Miliärregierung „removed“; bestätigt am 23. Januar 1946; 24.9.1946 Feststellungsbescheid des Hauptausschusses für die Befreiung vom Nationalsozialismus und Militarismus: „beschäftigungsunwürdig“ (Vorsitz Prüser); bestätigt am 23.1.1947; 5.4.1948 „Mitläufer“ – 2000 RM Sühnezahlung; 4.11. 1948 Spruchkammer: „Entlastet“. StAB – 11984

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50.

Wragge, Wilhelm, Inhaber der Firma Brennmaterialien-Vertrieb Wilhelm Wragge (Kohlenhändler); *12.12.1885; Eiswette 1934; Stahlhelm 1933; NSDAP 1937; NS-Reichskriegerbund 1939; entlassen; 21.11.1945 Vorstellungsgesuch offensichtlich abgelehnt; 27.9.1946 Militärregierung: „Appeal approved“; 29.3.1946 Vorstellungsgesuch abgelehnt: „beschäftigungsunwürdig“ – Militarist; 26.4.1948 „Mitläufer“ – 510 RM Sühnezahlung. StAB – 12595

51.

Wuppesahl, Carl A., Assekuranzsmakler, Teilhaber der Firma C. Wuppesahl – Schwerpunkt Seeschifffahrt und Welthandel (9 Angestellte); 5.7.1873 – 1.12.1954; Eiswette 1924; Freimaurer; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1933; Patenschaft der SA; NSFK; NSV; auf dem Fragebogen vom 2. Oktober 1945 verschweigt er die Mitgliedschaft in der Allgemeinen SS und im NSFK; 19. April, 22. Mai und 29. August 1947 jeweils: „appeal approved“ –„employable“; 19.4.1948 „Mitläufer“ 2000 RM Sühnezahlung und Kosten des Verfahrens; 31.5.1948 Spruchkammer (schriftliches Verfahren): Sühnebescheid aufgehoben, „Nicht betroffen, Kosten des Verfahrens fallen der Staatskasse zur Last. StAB – 12643

52.

Wuppesahl, Henrich, Assekuranzmakler, Teilhaber der Firma C.Wuppesahl, Schwerpunkt Seeschifffahrt und Welthandel (9 Angestellte); Sohn von Carl A. Wuppesahl; *31.10.1903 (75 -80 % schwerbeschädigt infolge einer spinalen Kinderlähmung); Eiswette 1935; NSDAP 1933; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1933; Patenschaft SA 1938; 12.2.1946 Vorstellungsgesuch: vorläufige Erlaubnis zur Beibehaltung seiner Stellung, bis das Vorstellungsverfahren abgeschlossen ist; 24.9.1946 Vorstellungsverfahren: „beschäftigungsunwürdig“ 11.1.1947 Ausschuss: „beschäftigungsunwürdig“; 19. März 1948 Spruchkammer: „Nicht betroffen“, Verfahren eingestellt aufgrund von Invalidität von mindestens 50 %; StAB – 12644

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Die 31 Verfahren von Eiswettgenossen, die zwischen 1949 und 1954 Mitglieder wurden

Von den 145 neu aufgenommenen Genossen waren 25 Mitglieder der NSDAP gewesen (17%). 31 mussten sich einem Entnazifizierungsverfahren stellen (21%).

1.

Adler, Richard, Reeder; Gesellschafter der ARGO-Reederei; im Vorstand der Atlas-Levante-Linie; *15.5.1881; Eiswette 1950; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1935; Entlassung (dissmissal) im Vorstellungsverfahren am 15.11.1945: am 10.12. 1945 von der Militärregierung rückgängig gemacht („rescinded“); 7. 1.1948 Sicherheitsüberprüfung durch Security Office for Bremen; Ergebnis aus Berlin Document Center negativ am 8.4.1948. StAB – 29.

2.

Borgward, Carl Friedrich Wilhelm, Automobilfabrikant, *1.10.1890 – 28.7.1963; Eiswette 1950; Obersturmführer im NSKK; NSDAP 1938; Wehrwirtschaftsführer 1938 – Rüstungsinspektion Hamburg; Rüstungsobmann Hamburg 1943; entlassen; Klage dagegen – 6.12.1947: „Belastet“; Spruchkammer 24.12.1947: „minderbelastet“ – Sühnezahlung: 50.000 RM; 7.7.1948: „minderbelastet“ – Sühnezahlung: 5000 DM; im „Nachverfahren“ am 15.7.48 aufgehoben zugunsten des „Mitläufer“-Status – Sühnezahlung: 2000 DM. StAB -1188 bis 1190.

3.

Carl, Friedrich, Oberfinanzpräsident; *1.7.1876; Eiswette 1949; seit 1904 Offiziersverband ehemaliger 126er Stuttgart; NS –Reichs-Beamtenbund (RDB) 1934; NS-Rechtswahrerbund 1935; NSV; NSDAP 1939; Entlassung; 13.09.46 „Appeal approved“ – Entlassung rückgängig gemacht; 10.04.1948 „Mitläufer – Sühnezahlung 2000 RM; 16.10.1948 „Entlastet“ StAB – 2821.

4.

Carstens, Karl, Dr. jur., Rechtsanwalt; 14.12.1914 – 30.5.1992; Eiswette 1953; 1933 – 1935 Dienst im SA-Hochschulamt München; NS-Rechtswahrerbund 1937; NSDAP 1940; 24.4.1948 Sühnebescheid: „Mitläufer“ – 1170 RM Sühnezahlung; 5.Juni 1948 Verfahren eingestellt; 3. August 1948: „Entlastet“. StAB – 1830

5.

Deiters, Fedor, Kaufmann, * 5.06.1906; Sohn von Friedrich Deiters (s.o.); Technischer Kaufmann-Prokurist im Betrieb seines Vaters Norddeutsche Spinn- und Webstoff-Handelsgesellschaft Deiters & Co; Eiswette 1949; Mitglied der SS seit 2.9.1931 (Mitglieds-Nummer 19 244) – Obersturmführer;

Träger des SS- Totenkopfrings; Mitglied der NSDAP seit 1. Dezember 1931 (Mitglieds-Nummer 764 903); bis 1.4.1938 im Rassen- und Siedlungshauptamtes tätig; danach beim Stab XIV (?); 17. August1939 bis November Militärdienst; dann bis Ende des Krieges unabkömmlich (u. k.) gestellt, weil er „von der Firma bei der kriegsbedingten Umstellung der Produktion dringend benötigt wurde“; später wegen der Folgen eines Betriebsunfalls „ausgemustert“; seit 1941 in Holland Betriebsleiter der Firma N.V. Textielmaatschappij v.h. M. &S. Serphos in Enschede; zunächst als „Treuhänder“; ab Ende 1942 als „Betriebsführer“; 21.6.1944 Beförderung zum Obersturmführer; nach dem Krieg Aufenthalt unbekannt; am 9.7.1946 Internierung durch die britische Militärregierung im Lager 2.C.I.C. Sandbostel; am 23.11.1947 Spruch des Spruchgerichts der Spruchkammer Stade: 2500 RM Geldstrafe, durch die Internierung abgegolten. Entlassung am 2. Dezember 1947[1]; Entnazifizierungsverfahren in Bremen im April 1948; in der Akte befindet sich der politisch belastende Bericht des „Investigators“ mit zahlreichen Zeugenaussagen; das Spruchkammer-Verfahren und sein Ergebnis fehlen. StAB – 2075

[1] Bundesarchiv Koblenz Bestand Z 2 Spruchgerichte in der Britischen Besatzungszone – Signatur Z 42 VII/2480

Seite 16


6.

Grobien, Tom, Kaufmännischer Direktor der Haacke-Beck-Brauerei; *5.09.1904; Eiswette 1954; Allgemeine SS 1933 – Rottenführer 1935 – 1937; NSDAP 1937; wahrscheinlich entlassen; 3.7.1948 „Mitläufer“ – 2000 DM Sühnezahlung; 22.12.1948 Berufung: „entlastet“. StAB – 3725

7.

Hartung, Bernhard, Prokurist des Bankhauses Martens & Weyhausen (bis 31. 1.1934 Bankhaus Schröder); *26.10.1905; Eiswette 1954; Stahlhelm; SA September 1933 – Rottenführer SA Reserve 1936 bis 1939; NSDAP 1937; NSV; 11.1. 1946 entlassen („removed“); 9.2.1946 Vorstellungsverfahren: Wiedereinstellung abgelehnt; Einspruch bei der Militärregierung ebenfalls abgelehnt; 27.2.1946 Vorstellungsgesuch: noch einmal „removed“ – Anmerkung von der Militärregierung: „His employment in other than ordinary labor is prohibited“; Beschäftigung nur als einfacher Arbeiter erlaubt; 1.4.1946 Vorstellungsverfahren: „beschäftigungsunwürdig“; 19.8.1946 Widerspruch erneut abgelehnt; 27.2.1947 erneut „Removed“ -„Appeal disapproved“. 16.6.1947 Vermerk auf dem Meldebogen: „Vermögen gesperrt!“; 20.4.1948 „Mitläufer“ – Sühnezahlung 2000.- RM. StAB – 4135

8.

Hehnn, Robert, Teilhaber und Prokurist der Firma Friedrich Hehnn & Co – Textilgroßhandel und Berufskleidungsfabrik (30 Angestellte); *10.4.1907; Eiswette 1954; Burschenschaft Teutonia Reutlingen seit 1927; NSKK 1934 / Rottenführer; NSDAP 1937; 7.3.1946 entlassen; 6 Monate im Arbeitseinsatz bei Aufräumungs- und Aufbauarbeiten (Trümmerarbeiten); anschließend als kaufmännischer Angestellter im Arbeitsamt tätig; 10.7.1946 Vorstellungsverfahren; „beschäftigungswürdig“; 20.9.1946 dito: „retained“; 26.4.1948 „Mitläufer“ – 200 RM Sühnezahlung. StAB – 4222.

9.

Hesse, Gustav, kaufmännischer Direktor im Vorstand des Überlandwerks Nordenham – Bremen; *12.12.1887; Eiswette 1954; NSKK 1933; NSV; NSDAP 1940; entlassen; 17.5.1946 „Appeal not approved“; 11.2.1947 Vorstellungsverfahren: „Appeal approved“; 22.4.1948 „Mitläufer“ – 870 RM Sühnezahlung. StAB – 4501

10.

Kellner, Hernry, *26.12.1904; Teilhaber und Prokurist der Deutschen Cement Industrie H.Kellner & Co; Eiswette 1954; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1934; NSKK 1934; NSV; NSDAP 1937; entlassen; 4. Oktober 1945 „Non-employment“- „removed“; 11. Juni1946 erneut „removed“; 11. Juni 1946 Vorstellungsverfahren: dem Antrag wird stattgegeben; 26.11.1947 „Mitläufer“ – 2000 RM Sühnezahlung. StAB – 5393

11.

Lenderoth, Axel, Prokurist der Firma Wachsmuth -Fliesenhandel; *20.6.1896; Eiswette 1954; Stahlhelm 1930 – Kreisführer 1934; NSDAP 1937; entlassen; 12.6.1946 „Appeal not approved“ dito 17.9. und 17.11.1947; 26.4.1948 „Mitläufer“ – 810 RM Sühnezahlung. StAB – 6531

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12.

Leverenz, Hermann, Persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Franz Neelmeyer & Co.; *12.3.1888; Eiswette 1949; SA- Reitersturm 1933-1934; NSDAP 1937; entlassen; 30. November 1945 Entscheidung der Militärregierung: „Employment discretionary“ – ins Belieben der deutschen Behörden gestellt; 26.4.1948 „Mitläufer“ – 2000 RM Sühnezahlung. StAB – 6560

13.

Lützow, Friedrich, Textilwarenhandel in der Sögestraße; *9.6.1887; Eiswette 1954; Stahlhelm; NS-Reichskriegerbund; NSV; NSDAP 1937; 15.3.1947 „Appeal approved“ – employable; 9.4.1948 „Mitläufer“ – 1410 Sühnezahlung. StAB – 6863

14.

Ohlrogge, Gert, Spediteur und Reeder – Teilhaber und Bevollmächtigter der Firma Karl Gross Brake in Bremen, Oldenburg und Hamburg; *8.4.1904; Eiswette 1954; NSDAP 1930; SA-Reserve 1932 – zeitweise Obertruppenführer; Abwehrbeauftragter der Gestapo für seine Reederei; NSV; 22.9.1945 Militärregierung: „Non-employment; 28.2.1946 und 26. 8.1946 übereinstimmende Berichte der „Investigatoren“ Roschen und Göbel: Um seiner Entlassung zu entgehen, ist Ohlrogge (mit seinem Vater, der auch Mitglied der NSDAP war) zum Schein aus der Firma ausgeschieden; neuer Gesellschafter ist der Schwiegervater; O. gibt zu, dass er auch in der Leitung der neuen Firma tätig ist: die Akte wird der Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Gesetz Nr. 8 übergeben; 14.11.1946 Von einer Anklage wird abgesehen, weil das Gesetz Nr. 8 „nicht mehr voll in Kraft ist“. (Inzwischen war – am 5. März 1946 – das Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus in den drei amerikanisch besetzten Ländern – aber noch nicht in Bremen – in Kraft getreten.) Der „Investigator“ Buchenau hält einen Untersuchungsbericht für dringend erforderlich, um Ohlrogge „zur Rechenschaft zu ziehen und ihm eine entsprechende Arbeit zuzuweisen.“ Die Akte geht offensichtlich anschließend in die britische Zone, in die O. seinen Wohnsitz inzwischen verlegt hat. Die Bremer Akte endet hier. Sie enthält keinen Meldebogen, wie er nach dem Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus Militarismus, das in Bremen am 9. Mai 1947 verabschiedet worden war, erforderlich gewesen wäre. Sie enthält nur den Fragebogen vom 8.7.1945. StAB – 8075

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15.

Otten, Albert, Dr. med.; Zahnarzt; *1.1.1911; Eiswette 1954; Burschenschaft Germania (Narbe auf der rechten Wange); Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1934; NS-Ärztebund 1938; NSDAP vom 1.11.1930 bis 1.11.1931 und ab 1.11.1938; Führungsoffizier vom 1.4.1944 bis 6.4.1945; Vorstellungsverfahren am 24.5.1946: „Appeal approved“; 1.7.1946: „Non employment“; 7.6.1947 „Appeal approved“; 7.4.1948 „Mitläufer“ – Sühnezahlung 570 RM. StAB – 8166

16.

Pape, Helmut Martin, Kaufmann, im Wollhandel tätig bei W.A. Fritze und G.F. Overbeck Ltd.; *10.4.1912; Eiswette 1952; NSDAP 1933; 10.3.1947 „Appeal approved“; 16.4.1948 nicht betroffen wegen zu geringen Einkommens; StAB – 8229

17.

Rockmann, Ludwig, Dr. med., Röntgenologe; 1943 Röntgenarzt im Diako; *16.5.1913; Eiswette1954; Jenaer Burschenschaft „Turnerschaft Salia“ – Narben im Gesicht; NSDAP 1.7.1932; NSV; SA Juli 1933 – 1937; NS-Altherrenbund 1938; 13.12.1946 Untersuchungsausschuss: nur nomineller Nationalsozialist; 15.4.1947 „Apeal not approved“; 20. November 1947 „removed“; 4.4.1948 „Mitläufer“ 720 RM Sühnezahlung; der öffentliche Kläger hebt den Sühnebescheid auf (ohne Datum); StAB – 9059

18.

Rolfs, Wolfram, seit 1951 Prokurist (ohne nähere Angaben); * 9.7.1911; Eiswette 1950; NSDAP Juli 1933; NSV; 9.7.1948 wegen geringen Einkommens „nicht betroffen“. StAB – 9184

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19.

Schäfer, Johann-Heinrich, Möbelfabrikant; Direktor und Mitinhaber der Firma Schäfer & Co., ein von der Wehrmacht „betreuter“ Betrieb in Bremen-Steintor; *12.11.1893; Eiswette 1950; Freimaurer; 1919 Verein der Feld.-Art. Reg. 60; 1919-1921 Stadtwehr Bremen; 1920 Deutscher Offiziersbund; 1920 Verein ehemaliger Artilleristen; Reichskolonialbund; 1942 – 1945 Abwehrbeauftragter in seiner Fabrik; 29.5.1946 Vorstellungsverfahren: „beschäftigungsunwürdig“; 7. Juni 1948 Spruchkammer: Vom Gesetz nicht betroffen, Verfahren eingestellt. StAB -9436 und -9437

20.

Schellhass, Irwin, Kaufmann, Teilhaber der Firma Großhandel-Versand C.I. Schellhass & Co.; *9.4.1902; Eiswette 1954; NSDAP Mai 1933; NSV; 10.9.1946 Vorstellungsgesuch angenommen; 11.2.1947 Military Government: Appeal approved; 27.4.1948 „Mitläufer“ 960 RM Sühnezahlung; öffentlicher Kläger beantragt Aufhebung des Sühnbescheids (ohne Datum); Entscheidung fehlt in der Akte. StAB – 9520

21.

Schilling, Eduard, Kaufmann, 3 Kommanditgesellschaften: Schilling & Co., Kaffee Schilling & Sohn, Ad. Hagens & Co. (mehrere hundert Angestellte); *19.9.1899; Eiswette 1950; NSKK 1936 – 1938; NSDAP 1937; 14.12.1945 freiwilliger Verzicht auf Ausübung seiner Tätigkeit; 24. Juli 1946 vorläufige Arbeitserlaubnis; 21.1.1947 Military Government: „Appeal approved“; 7.4.1948 „Mitläufer“, 2000 RM Sühnezahlung und Kosten des Verfahren: ca. 50.000 RM (Vermögen ca. 4,5 Millionen RM); 15.6.1948 Verminderung der Kosten auf 15.000 RM. StAB -9588

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22.

Schlender, Ernst, Prokurist der Rolandmühle Erling Co. und der Gercke Deppen Hansamühle G.m.b.H; *15.2.1888; Eiswette 1949; NSV; NSFK 1942; NSDAP 1937; Vorstellungsgesuch am 16.11.1945 stattgegeben; 11.2.1946 Military Government keine Einwände gegen Beschäftigung; 7.4.1948 „Mitläufer“, 2000 RM Sühnezahlung und Kosten des Verfahrens, 19.6.1948 festgelegt auf 2200 RM. StAB – 9629

23.

Schultz, Karl, Dr. Ing., Diplom-Ingenieur, leitender technischer Angestellter (Bauleiter); seit Oktober 1946 Geschäftsführer der Firma Carl Brandt; *28.6.1911; Burschenschaft Neofranconia Breslau- Narben auf der linken Gesichtshälfte; Eiswette 1949; NSDAP 1933; 23. August 1946 Vorstellungsgesuch stattgegeben; 12.Dezember 1946 „Appeal approved“; 31.12.1946 „Non-employment“ durch die Militärregierung; 20. Januar 1947 „Temporary authorisation“; 13.4.1948 „Nicht betroffen“ wegen geringen Einkommens und Vermögens StAB – 10138

24.

Specht, Walter, Schiffsmakler, Gebrüder Specht, Kohleimporteur; *20.4.1901; Eiswette 1954; Reichskolonialbund 1938; NSDAP 1933; Sachverständiger für das Seeschifffahrtsamt in Bordeaux von 1940 bis 1945; 2.12.1946 Vorstellungsgesuch angenommen; 11.6.47 Vorstellungsverfahren „Appeal approved“ 20.4.1948 „Mitläufer“, 2000 RM Sühnezahlung und 2237 RM Kosten des Verfahrens; Einspruch am 21.Juni 1948 abgelehnt; StAB – 10633

25.

Vilmar, A., Dr. med., Arzt; *10.12.1896; Eiswette 1950; NSV 1934; Förderndes Mitglied der allgemeinen SS 1936; NSDAP 1937; 28.5.1948 „Mitläufer“, 2000 RM Sühnezahlung. StAB – 11664

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26.

Volkmann, Walter, Prokurist der Firma Steup & Fasche Bremen; *21.10.1882; Eiswette 1952; Deutscher Offiziersbund; Verein ehemaliger 47. Feldartillerie (seit 1920); Verein ehemaliger Artilleristen (seit 1932); Verein ehemaliger Reitschüler; Stahlhelm – Landesführer Niederlassung Nordsee; VDA; Reichsluftschutzbund; NSDAP 1936; 11. August 1948 „Vom Gesetz nicht betroffen“; Einstellung des Verfahrens. StAB – 11726

27.

Wendt, Rudolf, Kaufmann, seit 1913 Geschäftsführer der Deutschen Heringshandels-Gesellschaft G.m.b.H.; *9.4.1882; Eiswette 1949; VDA; Freimaurer; Förderndes Mitglied der Allgemeinen SS 1934; NS-Reichskriegerbund; 8.11.1945 Schreiben des Headquarter Office of Military Government: die Firma wird aufgefordert, W. zu entlassen, da er ein „bekannter Nazi“ sei; 30. Januar 1946 Vorstellungsverfahren (Vorsitz Willi Ewert): Antrag stattgegeben – Weiterbeschäftigung; 22.4.1948 „Mitläufer“ Sühnezahlung 2000 RM; 27.5.1948 Entscheidung aufgehoben durch die Spruchkammer: „nicht betroffen“. StAB – 12091

28.

Wenhold, Hermann, Teilhaber der Firma C.F. Corssen & Co., die Handelsbeziehungen zu Belgisch-Kongo hatte – Einfuhr von Palmkernen, Palmöl, Kakao, Holz, Baumwolle, Faserstoffe, Sisal; 14.3.1891 – 15.3.1976; Eiswette 1950; NS-Reichskriegerbund; Wehrwirtschaftsführer 1942; 13.6.1945 zum Senator ernannt; trat am 30.3.1946 wegen seiner Tätigkeit als Wehrwirtschaftsführer zurück; er kam der Absicht der Militärregierung zuvor, ihn aus Senat und Bürgerschaft zu entfernen; 1. April 1946 der vollständige Bremer Senat mit Kaisen an der Spitze (10 Unterschriften, u.a. Adolf Ehlers und Alfred Faust) verlangt von der Militärregierung seine Rehabilitation und erklärt ihn für „unentbehrlich“ für Bremen; 8.4.1946 Vorstellungsverfahren – der Feststellungsausschuss unter Vorsitz des späteren (ersten) „Befreiungssenators“ Aevermann kann bei Wenhold „keine politische Belastung erblicken, die dem Aufbau des neuen demokratischen Deutschlands irgendwie abträglich wäre“; 25. Juni 1946 „Investigator“ Roschen: Wenhold kann nicht als Nazi-Gegner angesehen werden, weil er nicht zum Wehrwirtschaftsführer ernannt worden wäre, wenn er politisch unzuverlässig gewesen wäre; auch hat er der Ernennung nicht widersprochen. Er hat keinen Widerstand geleistet. Vermögen blockiert; 24.8.1946 Vorstellungsgesuch stattgegeben; der (neue) „Befreiungssenator“ Lifschütz fordert den öffentlichen Kläger Frese auf, ein Entnazifizierungsverfahren gegen Wenhold anzustrengen; 21.1.1948 Hauptkläger Hollmann verdächtigt ihn, „Nutznießer des Systems gewesen zu sein“, will ihn als „Hauptschuldigen“ anklagen;Januar 1949 Versuch einer Wiederaufnahme des Verfahren, unklar von wem; wird abgelehnt wegen Chancenlosigkeit: die Unterlagen fehlen in der Akte. StAB – 12094

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Wentzien, Hermann, Rechtsanwalt und Notar; *25.1.1907; Eiswette 1952; NS-Rechtswahrerbund 1936 – Gaulehrwart; NS-Altherrenbund 1938; „Investigation“ weil er auf dem Fragebogen den Gaulehrwart für den NS-Rechtswahrerbund verschwiegen hatte; keine Entscheidung in den Akten; sehr wahrscheinlich „nicht betroffen“. StAB – 12103

30.

Wohltmann, Heinrich, Vizekonsul von Honduras, Kaufmann, Inhaber der Firma Heinrich Wohltmann, Korkgroßhandlung, Einfuhr von spanischen und portugiesischen Landesprodukten; *6.9.1889; Eiswette 1949; NSDAP 1937; entlassen; Vorstellungsgesuch am 11.1.1946 offensichtlich angenommen; 27.4.1948 „Mitläufer“, 2000 RM Sühnezahlung; am 2.9.1948 aufgehoben; „entlastet“. StAB – 1251

31.

Wulff, Carl Raimund, Prokurist in der Firma C. Wuppesahl – Assekuranz-Makler; *4.5.1905; Eiswette 1952; SA-Rottenführer 5.11.1933; NSDAP 1.5.1937; am 6.September 1946 nach zwei Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt; hat als Holzarbeiter mit Wiedergutmachungs-Brigaden im Bezirk Iwanowo zur Wiederherstellung von Fabriken und Gebäuden gearbeitet; Trombose in den Beinen – arbeitsunfähig; 20. Oktober 1946 Vorstellungsgesuch stattgegeben; seine Entnazifizierungsakte nach dem Befreiungsgesetz vom 14. Mai 1947 fehlt in der Akte; möglicherweise ist gegen ihn kein Verfahren angestrengt worden. StAB – 12635

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Widerstandslos / „Stilblüten“ der Unschuld

In den überwiegenden Fällen wurden wirtschaftliche Gründe für den Eintritt in NS-Organisationen angeführt. Die Frage der Parteimitgliedschaft stellte sich in den verschiedenen Wirtschaftszweigen ganz unterschiedlich. Eine Seeassekuranz stand naturgemäß nicht im Focus des Parteiinteresses; eine Schiffswerft oder eine Fahrzeugbau-Firma, besonders wenn sie auch für die Rüstung produzierten, dagegen sehr; auch Verlage, besonders Zeitungsverlage. Ein Möbelhersteller, ein (Fahnen)Tuchproduzent, ein Kohle- oder Fliesengroßhändler dagegen konnte – umgekehrt – sehr wohl Interesse an engem Parteikontakt haben, um bei staatlichen oder Partei- Aufträgen Berücksichtigung zu finden. Die Entnazifizierungsverfahren hatten letztlich keine Auswirkungen auf die persönlichen und wirtschaftlichen Karrieren, die sich höchstens zeitlich etwas verzögerten. Mit politischer Überzeugung hatte die Mitgliedschaft in einer NS-Organisation angeblich nie etwas zu tun, nicht einmal mit Politik. In fast allen Verfahren ging es um die Einordnung in die Kategorien „Nicht vom Gesetz betroffen“ oder „Mitläufer“. Im Mittelpunkt stand dann nur noch der Privatmann, der seine Untadeligkeit mit Leumundszeugnissen von Pastoren, Gemeindemitgliedern, Nachbarn, ganz selten von (halb) jüdischen Ärzten oder Angestellten zu beweisen sich bemühte. Findige Rechtsanwälte hatten sich auf die Auslegung des „Befreiungsgesetzes“ spezialisiert, und mancher hat sich damit eine gute berufliche Startposition verschafft. Neben den Rechtsanwälten waren es zunehmend die Spruchkammervorsitzenden, die in ihrem Bestreben, die Verfahren im Frühjahr 1948 zu einem Ende zu bringen, manches großzügig übersahen oder übergingen, was einer näheren Prüfung nach dem Gesetz bedurft hätte. Es bietet sich insgesamt ein Bild, das Hans Hesse im Titel seiner großen Untersuchung über die Entnazifizierung im Bremer Raum benutzt hat: „Konstruktionen der Unschuld“.[1]Eine Definition von „Entnazifizierung“ in diesem Sinne finden wir bereits 1959 in einem historischen Standardwerk: „Als Methode versteht man hierunter ein (…) Verfahren, das (…) jeden Deutschen veranlasste, zum Zwecke seines bürgerlichen Fortkommens andere und schließlich sich selbst glauben zu machen, dass er eigentlich nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt habe.“[2]

[1] Hermann Hesse, Konstruktionen der Unschuld, a.a.O. (Vgl. Anmerkung Nr.2)
[2] Karl Dietrich Erdmann, Die Zeit der Weltkriege. Stuttgart 1959. Verbesserter Nachdruck 1960 (Bruno Gebhard, Handbuch der deutschen Geschichte, 8. Aufl., Bd. 4, hrsg. von Herbert Grundmann), S. 335. Erdmann, einer der renommierten Historiker zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert war politisch wegen eines NS-freundlichen Schulbuchs umstritten. Im „Historikerstreit“ nahm er eine scharfe Gegenposition zu Fritz Fischers These vom Griff des deutschen Kaiserreichs nach der Weltmacht ein.

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Im Folgenden seien einige „Stilblüten“ aus dem Repertoire der Unschuldsbeteuerungen zitiert. Da die formalen Mitgliedschaften im Mittelpunkt der Verfahren standen, wurde deren politische Dimension mit einfachen Argumenten heruntergespielt. Das galt besonders für die fördernde Mitgliedschaft in der SS. Zwei Eiswettgenossen wussten angeblich noch nicht einmal, dass sie all die Jahre Mitglied waren. Erst nach dem Krieg erfuhren sie es von ihren Frauen, die, ohne ihr Wissen, die Mitgliedsbeiträge bezahlt hatten. („Als seinerzeit der Abschnitt Schwachhausen der SS in unsere Nachbarschaft übersiedelte, hat meine Frau in meinem Namen monatliche Zahlungen“ geleistet.“) Einer wurde „gelegentlich eines Bierabends in den Clubräumen der Böttcherstraße dazu überredet, einzutreten“; einem anderen widerfuhr das gleiche Schicksal bei einem nicht näher beschriebenen „Ausflug“. Ein Kaufmann hatte 1936 „nach weiterer Unterdrucksetzung durch Behörden und Parteidienststellen seinen Beitritt zur Partei anmelden müssen.“ Von da an habe er aber „von der Partei nichts mehr gehört.“  Das Mitglied einer Freimaurer-Loge trat in die allgemeine SS ein, „um den fortgesetzten Anfeindungen als Freimaurer, welche gerade von der SS betrieben wurden, Einhalt zu gebieten.“ Ein Zahnarzt „wagte nicht, sich zu widersetzten“, als ihm „der strikte Befehl“ gegeben wurde, in die NSDAP einzutreten. Im Widerstand sah man sich schon, wenn man sein Kind weiterhin zu seinem „halbjüdischen“ Arzt schickte. Der Kinderarzt Professor Rudolf Hess wurde so oft bedrängt, dass er eine Erklärung verfasst hatte, in die er nur noch den Namen des Betroffenen einfügen musste. Darin bescheinigte er, dass der Betroffenedamit aktiven Widerstand gegen den Terror geleistet hätte“. Vier Eiswettgenossen legten diese Erklärung vor. Im Entnazifizierungsverfahren gegen Borgward trat Heß sogar persönlich als Zeuge in dieser Sache vor der Spruchkammer auf. (Der führt dann noch die Beschäftigung einer jüdischen Privatlehrerin als Widerstandshandlung an.) Ein Betroffener hatte sich nur „äußerlich in sein Schicksal ergeben und die Beiträge für die NSDAP bezahlt.“ Ein anderer hatte sich „nicht gewehrt, als ein Nachbar im Sommer 1933 mich fragte, ob ich nicht in die Partei eintreten solle.“ Es ist erstaunlich, wie klein sich mancher gestandene Kaufmann politisch machte. Einer trat in die Partei ein, „um dauernden Anfeindungen der Partei aus dem Wege zu gehen.“

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Ein anderer hatte angeblich fest damit gerechnet, dass seinem Antrag auf Mitgliedschaft nicht stattgegeben würde, weil er körperbehindert war. Dabei waren viele durchaus politisch engagiert: im Stahlhelm, im Reichskolonialbund, in den Stadtwehren nach dem 1. Weltkrieg und in schlagenden Verbindungen. Eine Metamorphose der besonderen Art erlebte der republikfeindliche „Stahlhelm“, dessen Mitgliedschaft in mehreren Verfahren als Akt des politischen Widerstandes in Anspruch genommen wurde: „Als nun im Jahr 1933 nach der Machtübernahme durch die NSDAP die Diktatur einsetzte, wollte ich mich dieser selbstverständlich nicht beugen. Die einzige Möglichkeit sah ich in meinem Eintritt in den Stahlhelm, der als einzige Organisation noch Widerstand leistete.“ Demselben Betroffenen hielt die Spruchkammer übrigens zugute, dass er gar nicht anders konnte als Parteimitglied zu werden: „Er hat sich seiner Wesensart nach alles aufdrängen lassen.“ Einer vertat sich zeitlich in seiner Widerstandshaltung: „Ich habe mich dann innerlich ganz von NSKK und der Partei gelöst, der ich … erst nach dem 1. Mai 1937 beigetreten war, als im Jahre 1938 (sic!) die Nürnberger Gesetze proklamiert wurden und damit die Judenverfolgungen einsetzten.“ Die Lektüre der 83 Akten ist da besonders mühselig, wo es gilt, die langen Schriftsätzen der Rechtsanwälte zu studieren, in denen sich die Argumente wiederholen, und dort unerfreulich, wo die Laien in den Spruchkammerverfahren, je länger diese dauerten, immer weniger den juristischen Argumentationen der Anwälte gewachsen waren.

Die Akten bergen aber – weit über die in den Kurzfassungen der Verfahren zusammengestellten Daten hinaus – reiches Material über Lebensläufe, Lebensbedingungen und Zeitumstände, das Aufschluss gibt über die Epoche des Nationalsozialismus und seine Nachwirkungen in Bremen. Das lässt sich nur in Einzeldarstellungen herausarbeiten, die vom Verfasser zum Teil schon fertiggestellt sind, aber erst in ihrer Gesamtheit an dieser Stelle veröffentlicht werden sollen. Die aufsehenerregenden Verfahren gegen den Fahrzeughersteller Carl W. Borgward, die Verleger Walther[1] und Carl Schünemann, sowie gegen den Direktor der „A.G.Weser“ Franz Stapelfeldt mit hunderten von Akten und Zeugen sind in der Literatur analysiert und in der Öffentlichkeit ausgiebig diskutiert worden. Sie werden nicht Gegenstand dieser Darstellung sein. Den erschütterten, tief verunsicherten Eiswettgenossen der Nachkriegsjahre von 1918/19 suchen wir nach 1945 vergebens.

[1] Walther Schünemann war Eiswettgenosse. Seine Akte umfasst vier dicke Ordner. Vgl. Hesse, a.a.O., S.421-423, Vgl. Akte Walther Schünermann StAB 466-I.-10073-10076.

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Wenn wir im Verlauf dieser Arbeit feststellen müssen, dass sich die Eiswette als Institution bis heute keine Reflexion über ihre Vergangenheit gegönnt hat, wenn man sich ferner vor Augen führt, dass alle  Treffen der Eiswettgenossen in den ersten Stunden nach dem Krieg – über die im Folgenden zu berichten sein wird – unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden haben, also Zeit und Raum zur Verfügung standen, kommen wir nicht um die Feststellung herum, dass hier ein großes Versäumnis stillschweigend in Kauf genommen wird.

Was den politischen Widerstand der Bremer Kaufmannschaft angeht, sei das vorläufig letzte Wort beim verstorbenen Bremer Bürgermeister Hans Koschnick: „Es ist zwar richtig, dass gestandene bremische Bürger selten ein positives Verhältnis zu den Anführern der sogenannten nationalen Revolution hatten und zu gerne deren unbegreifliche Handlungen gar nicht zur Kenntnis nehmen wollten. Sachgerecht konnte man dieses Verhalten nicht nennen, aber milieubedingt auch nicht tolerabel. Widerstand gegen politische Entscheidungen vermeintlicher politischer Eliten war nicht das Kennzeichen dieser gesellschaftlichen Schichten.“[1] 

[1] Brief an den Verfasser vom 3.12.2014.

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